Neugier/Neugierig
Auch du warst Neugierig…sonst wärst du jetzt nicht hier…
Zitate
"Die Liebe besteht zu drei Viertel aus Neugier." - Giacomo Casanova, Memoiren
"Es gibt zweierlei Arten von Neugier: die eine aus Eigennutz, die uns
antreibt, zu erfahren, was uns nützen kann; die andere aus Stolz,
die dem Trieb entspringt, zu wissen, was andere nicht wissen."
- François de La Rochefoucauld
"Es ist die Neugierde, was auf die Neugierde aufmerksam macht." - Hans Blumenberg, Legitimität der Neuzeit
"Glauben Sie nichts von dem was ich sage, ich bin auch bloß neugierig." - Timothy Leary
"Laß deiner Neugier stets freien Lauf! Das Wissen ergreift nicht
von dir Besitz. Es will von dir erworben werden." - Unbekannter Autor
"Man eilt herbei, um die Unglücklichen zu betrachten, man bildet
eine Gasse oder stellt sich an die Fenster, um die Züge und die
Haltungen eines Menschen zu beobachten, der zum Tode verurteilt ist und
weiß, dass er sterben muss: eitle, bösartige, unmenschliche
Neugierde!" - Jean de La Bruyère, Die Charaktere
"Neugier ist die gespannte Angst, dass es Wunder geben könnte." - Anton Kuh
"Neugier ist eine des festen und ständigen Eigenschaften eines energischen Geistes." - Samuel Johnson, The Rambler
"Wer nicht neugierig ist, erfährt nichts." - Johann Wolfgang von Goethe
"Wer überhaupt keine Neugier mehr verspürt, ist irgendwie bereits tot." - Ernst Ferstl
Sprichwörter und Volksmund
"Die Neugier tötet die Katze." - Aus Polen
"Ein Mensch soll leben - schon nur der Neugierde wegen." - Jiddisches Sprichwort
"Neugier ist die erste Stufe zur Hölle." - Aus Polen
„Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will.“
Galileo Galilei
Man muss abwarten können. Die Neugierde ist der Tod der Freude.
Erich Kästner (1899-1974), dt. Schriftsteller
Wenn die Neugier sich auf ernsthafte Dinge richtet, dann nennt man sie Wissensdrang.
Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916),
östr. Schriftstellerin
"Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig."
Autor: Albert Einstein
Man wird alt, wenn man spürt, dass die Neugier nachlässt.
(Andre Siegfried)
Neugier (auch Neugierde)
bezeichnet das Streben von Menschen oder Tieren nach Neuem und
Unbekanntem: neue Personen oder Sachen, Landschaften, Erlebnisse und
Gefühle, Sinneseindrücke, Zusammenhänge oder Wissen. Der
Wortbestandteil "Gier" signalisiert, dass neugieriges Verhalten auch
nur um des Neuen willen existiert.
Beim Menschen hat die Neugier einen forschungs- oder
verstandesmäßigen Anteil und gleichzeitig einen emotionalen
bzw. motivierenden Anteil. Der erstere in seiner reinsten Form wird
meistens Wissbegierde genannt.
Anregende Sinneseindrücke oder Assoziationen [Bearbeiten]Bei
Mensch und Tier wird die Neugier meist durch Sinnesempfindungen
angeregt, beispielsweise
ungewohnte Farben oder Bewegungen (bei Wildtieren allerdings nur außerhalb der Fluchtdistanz)
Sehen eines Gegenstandes in unüblicher Raumlage (zum Beispiel wenn
Kinder gebückt hinter ihre Beine blicken, beim steilen Blick auf-
oder abwärts)
überraschende oder sonst wie auffällige Geräusche
durch ungewohnten Geruch (z.B. bei Hunden und vielen Insekten)
ungewohnte Tastempfindungen, Boden oder Vibrationen.
Die große Neugier bei jungen Lebewesen hängt auch mit dem höheren Grad an Neuheitserlebnissen zusammen.
Neugier in der Pädagogik
Neugier kann zu pädagogischen Zwecken genutzt werden indem der
Lehrer versucht, die „natürliche Neugierde“ der
Schüler zu wecken, indem er Wege oder „Hints“ andeutet
oder auf Zusammenhänge hinweist. Wenn sich die Schüler aus
eigenem Antrieb Wissen aneignen, wird dies als interessanter empfunden
und wegen emotional positiver Korrelation besser im Gehirn verankert,
als wenn durch Frontalunterricht vermittelt würde.
Als Beispiel kann das Mikroskopieren dienen: wenn der
Biologie-Unterricht oder die Eltern (z. B. bei Wanderungen) die Neugier
der Kinder erwecken, wünschen oder kaufen sich manche selbst ein
Mikroskop und legen los. Die resultierenden Lerneffekte werden als
Erfolgserlebnisse wahrgenommen und motivieren weiter und führen zu
größerer Begeisterung. Generell steigert die Neugier nicht
nur die Motivation, sondern auch das Verständnis für den
Lernstoff.
Auch die Erwachsenenbildung macht sich diese Erfahrung zunutze -
beispielsweise in Angeboten von Volkssternwarten bei einer
Sonnenfinsternis oder anlässlich medialer Debatten über
Theater- oder psychologische Themen.
Neugier in Psychologie und Kulturgeschichte
Im Zusammenhang mit Neugier wird in der Psychologie häufig Berlyne
(1974) zitiert, der (tier-)experimentelle Studien durchgeführt hat
(siehe auch pädagogische Psychologie). Ein Ergebnis bezog sich auf
die Frage, welche situativen Bedingungen Neugier hervorrufen; Berlyne
fand dafür die 4 Aspekte Neuartigkeit, Komplexität,
Ungewissheit und Konflikt. Außerdem unterscheidet Berlyne
einerseits zwischen spezifischer und diversiver Neugier, andererseits
zwischen perzeptueller und epistemischer Neugier.
Seit jeher machen Menschen die Erfahrung, dass die Erkundung von Neuem
oft mit Gefahr verbunden ist, aber auch Chancen eröffnet. Angst
ist dabei nicht in jedem Fall ein dämpfender Faktor für die
Neugier, sondern kann sie auch beflügeln - etwa als Suche nach dem
"ultimativen Kick" in der heutigen Freizeit-Gesellschaft.
Für Herodot war die Neugier nach historischen Zusammenhängen
das Hauptmotiv, dass er Geschichtsschreiber wurde. Für die
ionischen Naturphilosophen war sie der Antrieb, "hinter die Dinge"
schauen zu wollen, ebenso wie für Platon, für den das
"Staunen" (griechisch thaumazein) den Anfang aller Philosophie
darstellte.
"Einseitige Neugier"
Mit diesem Untertitel charakterisiert Jan Assmann die kulturelle
Begegnung des antiken Griechenland mit Ägypten. In einer Rezension
seiner Studie "Weisheit und Mysterium" (3.Weblink) heißt es dazu:
An den Beispielen erkennt man schon, dass unterschiedlicher zwei
benachbarte Kulturen kaum sein können. Doch zogen sie einander an.
Ob es um Theologie und Priestertum ging, um die Verfasstheit von Staat
und Gesellschaft, um den Umgang mit Vergangenheit und Geschichte, um
das Medium der Schrift oder um das Verhältnis zu Tod und Ewigkeit:
Assmann zeigt, dass Griechen und Ägypter sich austauschten,
einander umwarben, missverstanden, sich voneinander abgrenzten.
Immer hätten aber die Begegnungen in Ägypten stattgefunden -
denn die Griechen reisten, die Ägypter aber nicht. Die Neugier auf
das Andersartige lag vor allem bei den Griechen; nicht zuletzt deshalb
blieben sie den Ägyptern am Ende suspekt.
Ebenso waren über alle Jahrhunderte die Querdenker in den Augen
ihrer Zeitgenossen nur selten akzeptiert, wenn ihr gesellschaftlicher
oder wissenschaftlicher Drang allzu Vieles in Frage stellte. Beispiele
hiefür reichen von Aristarch, Heraklit oder die
frühchristlichen Philosophen über Galileis
anti-aristotelische Neugier bis zur heutigen Wissenschaft (z. B.
Gentechnik oder „allzu“ innovativer Gesellschaftspolitik..)
Neugier und Gefahr
Gegen freiwillige Selbstversuche bestehen zwar weniger Bedenken, doch
fallen ihnen seit Jahrhunderten immer wieder Forscher zum Opfer.
In „psychische Gefahr“ begibt sich fast jeder, der
ungewöhnliche Neugier kultiviert. Sie kann von kränkendem
Gelächter oder kopfschüttelnder Ablehnung der Mitmenschen bis
zur Depression führen, der z. B. viele Künstler anheim
fielen. Noch immer gelten besonders kreative Kinder als schwierig, und
oft leiden sie unter ihrer Hochbegabung oder verleugnen sie.
In der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wurde die Neugier
hauptsächlich als weibliche Eigenschaft gesehen. Beim
Struwwelpeter nimmt sie die Gestalt von Paulinchen an, deren
Experimente mit Streichhölzern tragisch ausgehen, und auch das dem
Bestseller folgende Buch Struwwelliese geht in diese Richtung. Was
damals teilweise geächtet wurde, gilt heute oft als in - etwa die
Befriedigung der Neugier im Abenteuer-Tourismus oder in Gestalt
sogenannter Grenzgänger.
Literatur
D.E. Berlyne (1974): Konflikt, Erregung, Neugier. Zur Psychologie der
kognitiven Motivation. Klett-Verlag Stuttgart (Original 1960).
http://de.wikiquote.org/wiki/Neugier
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