"Die Augen sind das Spiegelbild der Seele" sagt ein
Sprichwort.
Wenn jemand tieftraurig ist, dann sind seine Augen verweint und dicke
Tränen kullern die Wangen hinunter.
Niemand weiß, wie eine Seele aussieht.
Sie ist eine Art "Persönlichkeitskern“, besitzt
zahlreiche Facetten und ist dennoch unsichtbar.
Geprägt durch unser Schicksal, unsere Gedanken und unser
Empfinden spiegelt sie unser tiefstes Inneres wieder.
Alle Erfahrungen – Glücksmomente wie
Schicksalsschläge,
Freudenfeste und Traurigkeiten – alle Aufs und Ab`s des
Lebens
berühren unsere Seele.
Nicht eins zu eins und sofort – aber mit den Jahren
hinterlassen sie ihre Spuren.
Dieser Spuren braucht sich niemand zu schämen.
Jede und jeder, der lebt, macht eben seine Erfahrungen –
zwangsläufig. Und das ist auch in den Augen sehr gut wieder zu
finden.
Der Zustand unserer Augen ist ein Spiegelbild unserer
körperlichen, emotionalen und seelischen Verfassung. Eine
Fehlsichtigkeit, z. B. Kurzsichtigkeit (Myopie), ist nur ein Zustand.
Sie hat ihre Ursachen im Körper und in der Seele.
Eine Fehlsichtigkeit kann so vorübergehend sein wie eine
Grippe.
Situationen im Leben, die uns nervlich und seelisch belasten und im
Unterbewusstsein gespeichert sind, sind oft die Ursache für
Fehlsichtigkeiten und Augenprobleme.
Man könnte als Beispiel einen Computer
(= Gehirn, Seele) nehmen, der mit einem Drucker
(= Augen) verbunden ist.
Um die "Drucker-Probleme" zu beheben sollte man die Programmierung oder
die Befehle im Computer überprüfen.
Ähnliches gilt für unsere Augen, denn sie sind ein
Teil des Gehirns und ein Spiegel unserer Seele.
Hebt eure Augen in die Höhe und seht!
Wer hat dies geschaffen? Weißt du nicht? Hast du nicht
gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde
geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist
unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke
genug dem
Unvermögenden. Männer werden müde und matt,
und
Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den Herren
harren,
kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler,
dass
sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht
müde
werden.
Jesaja 40, 26-31
Der Begriff Seele
(griech. psyche oder auch pneuma, lat. anima) wird abhängig
vom
Kontext in verschiedenen Bedeutungen verwendet. Der englische Begriff
soul z.B. deckt sich der Bedeutung nach nicht völlig mit dem
deutschen Begriff Seele. Der Begriff soul versteht sich praktisch nur
als religiöse Vorstellung einer von Gott geschenkten und nach
dem
Tod weiterlebenden Seele. Im Deutschen hat der Begriff Seele zwar
ebenfalls einen religiösen Hintergrund, wird jedoch
häufig
auch durch den Begriff Psyche oder Geist ersetzt.
Das Gefühlsleben wird im altgriechischen Sinn als thymos von
der antiken Vorstellung der Seele, psyche, unterschieden.
Seele in verschiedenen Kontexten
Die religiösen Auffassungen der Seele, mit der
persönliche
Charaktermerkmale des Menschen verbunden sind wie Geist und
Gedächtnis für die Erinnerung an gute wie
böse Taten,
und die den Zerfall des Leibes überleben könne, um im
Jenseits belohnt oder bestraft oder auch zur Strafe wiedergeboren
werden können (s. u.a. Hinduismus).
Die ur-animistischen Seelenauffassungen, denen die strafangstfreie
Projektion eigener Ansichten und Empfindungen auf Himmel und Erde
entstammt. (Siehe u.a. die Belebung der griechischen Unterwelt im Sinne
von Sokrates, wie in Platons Dialog "Kriton" zu lesen: als
Aufenthaltsort der Seele für die 'körperlose'
Fortsetzung
philosophischer Gespräche nach dem Tode.)
Und die naturwissenschaftlichen Auffassungen der Seele, wie sie u.a. in
der Psychologie verwendet werden, um angeborene Bedürfnisse,
Bewusstsein und Prägung in ihr zu verankern (Seele als Keim
oder
Ideal der synthetischen Einheit von Geist und Körper), sowie
Krankheitszustände zu erörtern, für die
keine
körperlichen Ursachen vorzuliegen scheinen, zwecks deren
Heilung
Begriff
Das deutsche Wort Seele stammt vom althochdeutschen se(u)la ab, was die
zum See Gehörende bedeutet. Nach germanischer Vorstellung
waren
die Seelen der Ungeborenen und der Verstorbenen Teil eines Mediums
ähnlich dem Wasser [1]. - "eines der vorsokratischen 4
Elemente.
Nach Heraklit (Satz 31) handelt es sich bei diesem Element oder
Archetyp um jenen, in dem die beiden analytisch nicht weiter
zerlegbaren Elemente Luft (Geist; Vernunft; anima) und Erde
(Körper; Verstand; animus) vereinigt blieben. ("Analyse" im
Sinne
von erkenntnismäßiger Zerlegung, zwecks isolierter
Betrachtung der beiden Seelenteile. So gesehen handelt es sich bei der
Seele um das "synthetische" der antiken 4 Elemente.) Des Wassers
"Umwende" ist bei Heraklit das Feuer.
Philosophie
Einige klassische Philosophen (insbesondere Platon, Descartes sowie
Thomas von Aquin) lehren die Unsterblichkeit der Seele. Diese folge aus
der Tatsache, dass die Seele eine immaterielle, nicht zusammengesetzte
Substanz ist. Da sie nicht aus Teilen bestehe, könne sie auch
nicht in solche zerfallen und vergehen.
Eine Antithese der modernen Philosophie besagt, dass das Wesen der
Seele einem Computerprogramm gleiche. Schaltet man den Computer aus
(entsprechend dem körperlichen Tod), so bleibe auch das
Programm
nicht erhalten (die Existenz der Seele erlischt). Diese Vorstellung ist
mit der modernen naturwissenschaftlichen Sichtweise vereinbar.
Platon und Aristoteles
Platon unterteilt die Seele in drei Teile, von denen nur die
Vernunftseele unsterblich sei:
Vernunftseele (logistikon) wie Denken, Erkenntnis, Vernunft
Affektseele (thymoeides) wie Vertrauen, Zuneigung, Liebe, Angst, Hass,
Neid
Triebseele (epithymetikon) wie Nahrungs-, Sex-, Schlaftrieb
Für Aristoteles bedeutet Psychologie die Untersuchung der
Seele
(Vgl. De Anima). Seinem Grundsatz treu bleibend, dass Form und Stoff
bei endlichen Wesen immer als Einheit existieren, definierte
Aristoteles die Seele als "Funktionsweise eines Körpers, die
so
organisiert ist, dass sie Träger vitaler Funktionen sein
kann".
d.h. lebendig zu sein heißt beseelt zu sein. Dabei
unterscheidet
er vor allem drei Stufen: Alles Lebendige hat das Ernährungs-
und
Fortpflanzungsvermögen, das schließt die Pflanzen
mit ein.
Alle Tiere (Aristoteles spricht hier von zôon, d.h.
Lebewesen)
besitzen das Wahrnehmungsvermögen. Der Mensch (und
möglicherweise noch ein "ehrwürdigeres Wesen"; De.
an. II 3,
414b18f.) besitzt das Denken.
Seele und Körper verhalten sich wie Form und Materie. Damit
widerspricht er der Pythagoreischen Lehre von der Seele als einer
spirituellen, im Körper gefangenen Einheit. Aristoteles Lehre
ist
eine Synthese der früheren Vorstellung, dass die Seele nicht
unabhängig vom Körper existieren kann, und der
platonischen
Idee von der Seele als einer gesonderten, nichtkörperlichen
Ganzheit. Im Gegensatz zu Platon ist die Seele nach Aristoteles
vergänglich. (In der Überlieferung wurde nur
darüber
diskutiert, ob nach Aristoteles ein bestimmter Teil des Verstandes
unsterblich ist.)
Aufgrund der Funktionsweise der Seele werden die moralischen und
intellektuellen Seiten der Menschheit entwickelt. Nach Aristoteles ist
das menschliche Denken in seiner höchsten Form (griechisch:
nous
poetickos, "aktives Denken") nicht auf einen bloßen
mechanisch-physischen Vorgang reduzierbar. Jedoch setzt ein solches
Denken auch ein individuelles "passives Denken" voraus, welches
über die physische Natur der Dinge nicht hinausgehen kann.
Somit
hat Aristoteles die Beziehung zwischen dem menschlichen
Verständnis und den Sinnen, entsprechend der späteren
empirischen Auffassung, dass sich Wissen i.a. auf Sinneserfahrung
stützt, klar dargelegt. Er schrieb: "Nichts existiert im
Denken,
was nicht schon vorher in den Sinnen existiert hätte". Siehe
auch
Empirismus.
Julien de La Mettrie
Julien de La Mettrie (1709-1751) vertritt eine materialistische und
monistische Position. Nach seiner Auffassung ist die Seele lediglich
ein empfindlicher materieller Teil des Gehirns. Die Seele als eine vom
Körper unabhängige Instanz im Sinne Descartes' wird
von ihm
verworfen. De la Mettrie betrachtet die Seele als die Haupttriebfeder
des Körpers, welche die restlichen Teile des Körpers
steuert.
Die verschiedenen Zustände der Seele stehen immer in einer
Wechselbeziehung mit dem Zustand des Körpers und andersherum,
so
beeinflussen sie sich gegenseitig.
Plotin
Der Neuplatoniker Plotin lehrt, dass die menschlichen Seelen durch den
Geist aus dem transzendenten unbeschreiblichen Einen(griech.
hén) entstehen und diesem wesensgleich sind. Der Mensch hat
durch den Eigensinn der Seelen die Freiheit zwischen Gut und
Böse
zu wählen. Das Böse verursacht die Trennung vieler
Seelen von
dem Einen, welches sie nicht mehr erkennen können. Plotin geht
von
einem übergeordneten Weltgeist (griech. noûs) aus,
eine
Ebene tiefer liegt die Weltseele (griech. psyché), die die
physischen Welt (griech. kosmos) ausströmt.
Epikur
Epikurs materialistische Weltanschauung besagt, dass das All aus
Körpern und Leerem besteht. Weiterhin gibt es solche
Körper,
die zusammengesetzt sind und solche, aus denen die Zusammensetzungen
gebildet sind. Letztere überdauern die Auflösung der
Zusammensetzungen, da sie von Natur aus voll und nicht
auflösbar
sind. Wenn sich nicht alles zum Nichtseienden wandeln soll, dann
können sie weder zerteilbar, noch veränderlich sein.
Wenn
etwas die Auflösung des Zusammengesetzten überdauert,
dann
müssen die Ursprünge unzerteilbare
körperliche Naturen
sein. Diese müssen in ihrer Gestalt sehr verschieden sein, da
es
nicht möglich ist, dass die Zusammensetzungen so
unterschiedlich
sind, obwohl sie aus den gleichen Körpern entstehen. Die Atome
bewegen sich nun in einem fort. So ist auch die Seele, in der das
Wahrnehmungsvermögen sitzt, nach Epikur ein feinteiliger
Körper, vergleichbar mit einem warmen Hauch. Sie ist der
Gesamtzusammensetzung beigestreut und wenn sich diese auflöst,
so
zerstreut sich auch die Seele, hat damit nicht mehr dieselben
Fähigkeiten und besitzt auch kein
Wahrnehmungsvermögen mehr
Lukrez
Lukrez unterstützt die materialistische Theorie Epikurs. Er
beschreibt die Seele als Lebensluft und Wärme, die den
Körper
beim Tod merklich verlassen. Er spricht auch von Wärmeatomen
und
dem letzten Odem (Atem). Lukrez trennt Seele, Geist und Verstand
voneinander doch betont, dass sie so eng verbunden sind, als
wären
sie ein Wesen. Zusammen lenken und regieren Seele, Geist und Verstand
den Körper. Lukrez sagt, dass eine Wirkung (Lenkung des
Körpers) nur durch eine Ursache oder "Berührung"
ausgelöst werden kann und die Seele als Materie somit bewiesen
ist. Der Geist und der Verstand sitzen in der Brust. Die Seele
fließt in den Adern und Sehnen. Die Seele ist laut Lukrez
zusammengesetzt aus sehr kleinen und runden Atomen, da nur sie so flink
wie Gefühle sein können. Nach dem Tod entweichen
Seele, Geist
und Verstand aus dem Körper. Aufgrund der Kleinheit derer
Atome
kann man den Verlust nicht messen.
Schopenhauer
Schopenhauer vertritt den Standpunkt, dass das unverwechselbar Eigene
eines Menschen sich im Willen seinen Weg schafft, und
vollständig
mit ihm durchsetzt ist. Daher ist für ihn der Begriff Seele
mit
Wille gleichgesetzt, da die Seele im Willen zum Ausdruck kommt.
"Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was
er will." Arthur Schopenhauer
Dabei wird hier der ursächliche Grund des Willensaktes selbst
offen gelassen. Das bedeutet: die Ursache des Willens bleibt
für
den Menschen, rein rational betrachtet, unergründlich.
Kant
Nach der Philosophie von Immanuel Kant sind Existenz und
Unsterblichkeit der Seele durch die Vernunft nicht beweisbar, sondern
wie jede Frage nach dem Absoluten eine Glaubensfrage. Konsequentes
moralisches Handeln ist laut Kant jedoch ohne einen Glauben an Gott und
die Unsterblichkeit nicht möglich.
Religionen
Biblische Aussagen
Theologische Aspekte
Das hebräische Wort נפש (näfäsch), das in
deutschsprachigen Bibeln in der Regel mit "Seele" übersetzt
wird,
bedeutet ursprünglich „Kehle“. V.a. in den
Psalmen ist
es immer wieder überraschend zu sehen, dass auch diese
Übersetzung möglich wäre (vgl. z.B. Ps 103,
2:
„Lobe den HERRN, meine Kehle, und vergiss nicht, was er dir
Gutes
getan hat). Die Kehle steht als Symbol für den
bedürftigen,
begehrenden, nach Leben lechzenden Menschen. Es meint nicht das, was
man griechisch, hellenistisch (und vielleicht auch noch heute) unter
„Seele“ versteht, auch wenn die Uebersetzung des
Wortes in
der Septuaginta mit ψυχή das nahelegt.
Nach Gen 2,7 bläst Gott dem Menschen Lebensodem in den
Körper. Dadurch wird er zu einer lebendigen
„näfäsch“. Mit der
„Seele“ im
griechischen Sinn und mit Unsterblichkeit hat das Wort nichts zu tun.
Die näfäsch entsteht durch den Schöpfungsakt
und ist
nach alttestamentlicher Vorstellung nach dem Tod nicht mehr vorhanden.
„Näfäsch“ wird im Alten Testament
vor allem dort
verwendet, wo es um das Verlangen des Menschen, um sein
„vitales
Selbst“ geht. „Meine Seele“ (z.B. in den
Psalmen)
steht für „mein Leben“ oder einfach mit
der Bedeutung
„Ich“. Eine dichotomische (Leib-Seele) oder
trichotomische
(Leib-Seele-Geist) Anthropologie ist dem Alten Testament
völlig
fremd.
Textbeispiele
Die Seele kann geplagt sein:
Wie lange plagt ihr doch meine Seele und peinigt mich mit Worten! (Hiob
19,2)
Der HERR erquickt die Seele:
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf
einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er
erquicket meine Seele.
(Psalm 23,1-3)
Die Seele dürstet nach Gott:
Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele,
Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem
lebendigen
Gott. (Psalm 42,2)
Gott sättigt die durstige Seele:
Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege, und fanden
keine Stadt, in der sie wohnen konnten, die hungrig und durstig waren
und deren Seele verschmachtete, die dann zum HERRN riefen in ihrer Not,
und er errettete sie aus ihren Ängsten und führte sie
den
richtigen Weg, daß sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen
konnten: Die sollen dem HERRN danken für seine Güte
und
für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut,
daß er
sättigt die durstige Seele und die Hungrigen füllt
mit Gutem.
(Psalm 107,4-9)
Die Seele muss vor Gott erscheinen:
Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch,
dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und
sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine
Früchte
sammle. Und sprach: Das will ich tun: ich will meine Scheunen abbrechen
und größere bauen, und will darin sammeln all mein
Korn und
meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du
hast
einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe,
iß, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du
Narr!
Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann
gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der
sich
Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott. (Lukas 12,16-21)
Der Seele soll es gut gehen:
Mein Lieber, ich wünsche, daß es dir in allen Dingen
gutgehe
und du gesund seist, so wie es deiner Seele gutgeht. (3. Johannes 1,2)
Johannes sah dass Seelen lebendig wurden und mit Christus tausend Jahre
regierten:
Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet waren um des Zeugnisses
von Jesus und um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet
hatten das Tier und sein Bild und die sein Zeichen nicht angenommen
hatten an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese wurden lebendig und
regierten mit Christus tausend Jahre. (Offenbarung 20,4)
Judentum
Laut der Bibel ist die Seele entstanden, nachdem Gott Lebensodem
(Geist) in den Körper, der aus Erdreich geformt war, gehaucht
hat
(1. Mose 2,7). Daher ist die Seele nach dem Tod nicht mehr vorhanden,
da der Geist zu Gott zurück (Kohelet 12,7) und der
Körper
zurück ins Erdreich (1. Mose 3,19; Kohelet 12,9) geht und
keine
Empfindung mehr möglich ist. Sie ist nicht mehr wahrnehmbar,
im
"Unwahrnehmbaren" (so die wörtliche Übertragung des
griechischen "Hades" bzw. des hebräischen "Scheol", oft mit
"Totenreich" übersetzt).
"Der HERR tötet und macht lebendig; er führt in den
Scheol
hinab und führt herauf" (1. Samuel 2,6). In den Hades gehen
die
Seelen aller Menschen, ob gläubig oder nicht (Johannes
5,28-29;
Ijob 3,11-19, 14,13; Ezechiel 32,18-32; Psalm 31,17; Daniel 12,2).
Als Redefigur (Synekdoche) beschreibt es ein Wesen vom Blickpunkt
seiner Empfindungen aus. Sie bezeichnet die Genüsse, sowohl
die
geringeren, die der Mensch abgibt, als auch die besseren, die er
dafür erhält (Seele verlieren und erhalten). Es gibt
zahlreiche Schriftstellen, welche die Beziehung zwischen der Seele und
den Sinnen erläutern (5. Mose 12,20; 23,25; Psalm 107,18;
Jesaja
32,6 u. a.). Die Seele ist also auch die Empfindung, die erst durch die
Verbindung eines organischen Körpers mit Odem oder Geist
(Lebenskraft) entsteht.
Christentum
Die Vorstellung einer "Seele" als eigentlichem
Identitätsträger des Menschen gegenüber
einer damit
verbundenen Leiblichkeit (dem Platonismus ähnlich) findet sich
u.a. in Matthäusevangelium 22,23 [2] und 10,28 [3]. Das
semitische
Menschenbild, wie es sich auch in den alttestamentlichen Texten
widerspiegelt, ist weniger analytisch (wie das platonische), sondern
eher synthetisch: Die Wirklichkeit ist komponiert aus verschiedenen
Aspekten. "Fleisch" ist der Organismus des Menschen im Blick auf seine
Sterblichkeit, "Seele" ist zunächst die "Kehle", der "Atem",
der
einen lebendigen Organismus von einem toten unterscheidet. Das "Herz"
ist nicht - wie bei uns - Sitz der Gefühle, sondern der
Gedanken
und Entscheidungen. Sitz der Gefühle sind die Eingeweide: die
"Nieren", vor allem aber die "Gebärmutter". Was den Menschen
besonders belebt, ist der "Geist", wörtlich der "Windhauch",
der
von außen kommt und dem Menschen eingeblasen wird - entweder
als
göttliche Inspiration oder als dämonische
Besessenheit. So
kann Paulus im Neuen Testament davon sprechen, dass wir jetzt einen
"irdischen, natürlichen Leib" haben, in der Auferstehung aber
einen "himmlischen, geistigen Leib" erhalten werden.[4] Auch im
Johannesevangelium spricht Jesus während der Rede
über seine
Vollmacht davon, dass auch Tote die Stimme des Sohnes Gottes
hören
können (vgl. Joh 5,25). Erst die (modifizierende) Rezeption
des
Platonismus, zunächst durch das hellenistische Judentum (mit
seinem Zentrum im ägyptischen Alexandria, dem
Harvard-Yale-Princeton der antiken Welt), dann im Christentum macht die
Idee einer unsterblichen Seele als bleibendem
Identitätsträger in den biblischen Religionen
heimisch. In
den mystischen Strömungen des Judentums wurde diese Seelelehre
weiter entfaltet, im orthodoxen und katholischen Christentum ist sie
Teil der traditionellen Lehre. Im zeitgenössischen
Protestantismus
wurde sie zum Teil aufgegeben zugunsten einer Ganztod-Hypothese (der
ganze Mensch, Leib und Seele, stirbt im Tod; der ganze Mensch wird von
Gott aus Gnade vollendet).
Der heutige Katholizismus scheint die über Jahrhunderte
übliche These, wonach alle Seelen, die die Gnade Gottes durch
die
Taufe nicht annehmen, verloren wären, überwunden zu
haben."Heute sagt niemand, dass man aufgrund der einfachen Tatsache,
nicht getauft zu sein, verdammt wäre und in die die
Hölle
kommen würde." Pater Raniero Cantalamessa, Prediger des
päpstlichen Hauses im Kommentar zum Fest der Taufe des Herrn
Rom
am 6. Jan 07 Der von Thomas von Aquin formulierte Begriff der Einheit
von Leib und Seele, anima forma corporis, gilt bislang als
unübertroffen, auch wenn alternative
Begriffsklärungen
versucht wurden. Die katholische Lehre unterscheidet das Geschick der
einzelnen Seele unmittelbar nach dem Tod von der Auferstehung des
Fleisches am jüngsten Tag; vgl. Eschatologie.
Baha'i~Religion
Konzept der vernunftbegabten Seele (to be continued)
Hinduismus
Alle Lebewesen bestehen nach hinduistischer Auffassung aus drei
unterschiedlichen Wirklichkeiten:
der sterblichen, physischen Hülle (der stoffliche
Körper)
dem Atman (das Selbst, die ewige, unzerstörbare, innere
Gestalt jedes Wesens)
dem feinstofflichen Körper mit den folgenden vier Aspekten
Ahankara - Das sich als eine Einheit, eine Person wissen,
fühlen,
erleben. Das Ahankara ermöglicht es, dass sich die Atman-Seele
mit
den unterschiedlichsten psychischen und physischen Zuständen
identifizieren kann.
Citta - Das rezeptive, passive Bewusstsein und Unterbewusstsein.
Buddhi - Intelligenz, Vernunft.
Manas - Denken, Fühlen, Wollen. Wird oft mit 'Geist' oder
'Verstand' übersetzt.
Der feinstoffliche Körper begleitet den Atman durch all seine
Geburten und wird erst abgelegt, wenn der Atman die
veränderliche
Welt und den Kreislauf der Wiedergeburt verlässt. Die
hinduistische Reinkarnationslehre besagt, dass beim Tode lediglich der
Atman, gemeinsam mit der feinstofflichen Hülle den physischen
Körper verlässt. In vielen deutschsprachigen
Übersetzungen indischer Texte wird Seele daher oft synonym zur
Definition des Atman verwendet. Atman bezieht sich aber genauer auf die
ewige und unveränderliche Identität. Es ist dieses
innerste
unzerstörbare Ich, das der fein- und grobstofflichen
Hülle
ein scheinbares Leben verleiht.
Buddhismus
Im Gegensatz zu hinduistischen Anschauungen kennt der Buddhismus,
basierend auf den überlieferten Lehrreden des Siddhartha
Gautama,
des historischen Buddha, keinen unwandelbaren und unsterblichen
überpersonalen Wesenskern. Ausdrücklich im Kontrast
zum
hinduistischen Atman, prägt er den Begriff des Anatman, des
„Nicht-Selbst“.
Die Vorstellung es gäbe ein Ich, eine abgegrenzte Person oder
ein
Selbst ist demnach bereits eine grundlegende Täuschung
über
das Wesen der Wirklichkeit. Was Menschen als ihr
„Selbst“
bezeichnen ist vielmehr ein ständig im Wandel begriffenes
Zusammenspiel der fünf Daseins- oder Aneignungsgruppen
(Sanskrit:
Skandhas): des materiellen Körpers mit seinen Sinnesorganen,
der
Empfindungen, der Wahrnehmung der Welt, der Geistesformationen
(Interessen, Willensregungen, Sehnsüchte und Tatabsichten) und
letztlich des Bewußtseins. Wie ein Wagen eine
zusammengesetzte
Wirklichkeit, bestehend aus seinen Einzelteilen, ist, entsteht die
Vorstellung eines Selbst aus dem Zusammenwirken dieser Daseins- oder
Aneignungsgruppen.
Der buddhistischen Überlieferung zufolge wird der Kreislauf
der
Geburten dadurch aufrechterhalten, dass ein karmisch geprägtes
Bewusstsein im Augenblick der Zeugung eine neue Person mit verursache:
Ein aus guten Tatabsichten erwachsenes Bewusstsein suche sich nach dem
Tod seines bisherigen Besitzers einen ihm entsprechenden
„guten“ Mutterschoß mit
günstigen
Voraussetzungen für das weitere Leben des Kindes und
veranlasse
die Entwicklung eines neuen Wesens, ohne selbst in dieses
überzugehen. Das neue Wesen entspreche in der
Qualität seiner
Existenzform genau der Qualität der Tatabsichten des ihr
voraufgehenden Bewusstseins. Das neu entstandene Wesen sei aber keine
völlig andere Person als die ihr voraufgehende, weil jede
Existenzform von ihrer voraufgehenden geprägt sei und aus ihr
hervorgehe wie eine Flamme, die an einer anderen entzündet
wird.
Trotz des Fehlens einer Substanz zwischen den Existenzformen einer
Wiedergeburtenkette gilt es als möglich, sich der vielen
Existenzen zu erinnern, die der derzeitigen vorausgingen.
In älteren Pali-Texten liegt der Fokus auf dem letztendlichen
Verfall des Selbst, einschließlich der als Konzept
verstandenen
Seele. Das zu erfassen, ist ein Ziel der in der
Mahásatipatthána Sutta beschriebenen
Achtsamkeitsmeditation[5]. Das Erlöschen des Buddha selbst ist
Thema der Maháparinibbána Sutta[6]: Alles
Zusammengesetzte sei dem Verfall unterworfen. Das Selbst ist also nicht
eine Substanz oder Energie, die erhalten bleibt, sondern eine
vergängliche Struktur. Wunder sind im Prinzip immer
Überwindungen dieser Bedingung[7]. Der frühe
Buddhismus
kannte keine Wunder, die einen Erhalt des Selbst ermöglichen
würde. Tatsächlich wird das „Ich“
selbst schon
als konstruiertes „Gedankenobjekt“ dargestellt, das
ohnehin
keine Substanz hat.
Psychoanalyse
Nach Ansicht der von Sigmund Freud geprägten Psychoanalyse
liegen
sämtlichen Handlungen des Menschen Motive aus unserer Seele
(Psyche) zu Grunde. Als Motiv werden in diesem Zusammenhang
Antriebsgründe und Beweggründe bezeichnet, die den
Handlungen
psychisch letztlich zugrunde liegen.
Als Psyche wird hier das System bezeichnet, welches Wahrnehmen und
Denken begründet und die affektiven und rationalen Motive
unserer
Handlungen begründet. Das System des Organismus bezeichnet
hierbei
ein Gebilde, dessen wesentliche Elemente (Teile) so aufeinander bezogen
sind, dass sie eine Einheit (ein Ganzes) bilden.
Wissenschaft
Im Wissenschaftsbetrieb ist der Begriff der Seele meist synonym zu dem
aus dem Griechischen abgeleiteten Wort Psyche. Der Begriff der Seele
wird allerdings heute kaum noch verwendet, sondern es wird fast
ausschließlich von Psyche gesprochen. Die Seele ist nach
vorherrschender wissenschaftlicher Auffassung an ein funktionierendes
Nervensystem gebunden. Sie sterbe zusammen mit dem Körper oder
-
beim Hirntod - auch schon vor dem Körper. Stark kontrovers
diskutiert wird indes, ob die Seele das Nervensystem selbst ist oder ob
die Seele eine wie auch immer geartete eigenständige
Größe ist, die mit dem Nervensystem lediglich
assoziiert ist.
Mit der Seele (Psyche) befassen sich folgende Disziplinen: Die
Psychologie, die Psychoanalyse, die Verhaltensforschung, die
Kognitionswissenschaft, die Neurowissenschaften, die Anthropologie und
die Endokrinologie. Die Philosophie befasst sich ebenfalls mit der
Seele (Leib-Seele-Problem).
Die Forschungen zum Nahtodeserlebnis (engl. near-death experience, NDE)
oder die Reinkarnationsforschung werden oft als Pseudowissenschaften
abgelehnt.
Seele unter biologischer Hinsicht
Die Seele ist im Wesentlichen der menschliche Geist. Einen wesentlichen
Teil dessen was wir den „menschlichen Geist“
nennen, stellt
das Nervensystem dar. Zu ihm Gehören Gehirn und
Rückenmark,
sowie das periphere Nervensystem, das alle Nerven umfasst, die vom
Zentralen Nervensystem ausgehen. Aktuell (vgl. Spektrum der
Wissenschaft, 2002) "wird davon ausgegangen, dass bei der Geburt ca.
hundert Milliarden Nervenzellen vorhanden sind, die sich zu
über
mehr als hundert Billionen synaptischen Verbindungen
zusammenschließen. Das menschliche Gehirn besteht aus einem
angeborenen Netz fest verbundener Nervenzellen (Neuronen). Beim
Aufwachsen (besonders während der ersten drei Lebensmonate)
vermehren sich die Nervenzellen und knüpfen mit ihren
Faserartigen
Fortsätzen gegenseitige Kontakte. Im Gegensatz zu den anderen
Körperzellen geschieht dies in Abhängigkeit zur
vorhandenen
Umwelt, d.h. äußere Einflüsse wie Eltern,
die Umgebung
oder Kontakte zu anderen Personen, haben direkte Auswirkungen auf das
Gehirn und führen zu anatomischen Veränderungen, wie
z.B. zu
einer Vermehrung der Gehirnzellen und den Verbindungen der Nervenzellen
untereinander. Die Struktur des Gehirns, die Anzahl der Gehirnzellen
und ihre Verdrahtung sind daher von Mensch zu Mensch verschieden,
wodurch jeder Mensch zu einem Individuum wird. Die Struktur bestimmt
die Persönlichkeit und somit auch das spätere Lern-
und
Arbeitsverhalten." Diese Nervenzellen im Gehirn arbeiten mit den 5
Sinnen: Hören, Sehen, Fühlen, Riechen, Schmecken
welche
über Nervenreizweiterleitungsbahnen mit dem Gehirn verbunden
sind.
Von Geburt an (bzw. auch vorgeburtlich) werden im Gehirn alle
eingehenden Informationen aus der Umwelt abgespeichert. Die eingehenden
Reize in das Gehirn bewirken über Intensität und
Zeitdauer
die Anzahl der entstehenden Verknüpfungen. Mit diesem
Hintergrund
bildet sich die Seele ihren Charakter. Über die Sinnesorgane
werden Umwelteinflüsse, wie z.B. Zärtlichkeit oder
Gewalttätigkeit, in Abhängigkeit von Zeitdauer und
Intensität als entsprechende neuronale Verknüpfungen
der
Nervenzellen im Gehirn abgespeichert.(Über die Sinne werden
die
elektrischen Aktionspotentiale mehr oder weniger gereizt, was dann zu
einer entsprechenden Mächtigkeit im neuronalen Netzwerk
führt). So entstehen über die
Umwelteinflüsse also
„gute und böse seelische Wesen“, mit allen
Mischungen
dazwischen. (Siehe auch Sigmund Freud, das
„Drei-Instanzen-Modell“ und Alice Miller, "Am
Anfang war
Erziehung"). Je nach Umweltbedingung beim Heranwachsen geraten
entsprechende Einzelheiten von z.B. Gewalttätigkeit oder Liebe
immer mehr ins Vergessen (wenn keine weiteren Reizungen entsprechender
Nervenzellen erfolgen, verkümmern diese wieder),
können aber
später über das Unterbewusste dennoch auf anderen
Eben
ausgelebt werden (in Abhängigkeit von der Mächtigkeit
der
entstandenen neuronalen Verknüpfungen). Positive oder negative
Reize aus der Umwelt beim weiteren Heranwachsen bestimmen im weiteren
Verlauf die entstehenden charakterlichen Eigenschaften und wie die
Seele mit dieser inneren Welt sich das Leben gestalten kann. Deshalb
ist es wichtig, daß für ein gesundes und liebevolles
Umfeld
beim Heranwachsen gesorgt wird, damit die Seelen zu ihrem Heil finden
(wenn auch erst über Generationen).
Siehe auch
Seelsorge
Internetseelsorge
Telefonseelsorge
Seelenwanderung
Außerkörperliche Erfahrung
Seelenfreund
Anaximander
Atemseele
Mitama
Kreatianer
einundzwanzig: Die Seele wiegt 21 Gramm
Seelenmord
Literatur
Hans-Dieter Klein (Hrsg.): Der Begriff der Seele in der
Philosophiegeschichte. Königshausen & Neumann,
Würzburg
2005, ISBN 3-8260-2796-5
Simon L. Frank: Über die Seele des Menschen.
Einführung in
die philosophische Psychologie. Alber, Freiburg im Breisgau 2003, ISBN
3-495-47936-8
Johann Figl, Hans-Dieter Klein (Hrsg.): Der Begriff der Seele in der
Religionswissenschaft. Königshausen & Neumann,
Würzburg
2002, ISBN 3-8260-2377-3
Caspar Söling: Das Gehirn-Seele-Problem. Neurobiologie und
theologische Anthropologie. Schöningh, Paderborn u.a. 1995,
ISBN
3-506-78586-9
Friedrich Niewöhner (Hrsg.): Die Seele der Tiere.
Harrassowitz,
Wiesbaden 2001, ISBN 3-447-04475-6 (Wolfenbütteler Forschungen
Bd.
94)
Klaus Kremer (Hrsg.): Seele. Ihre Wirklichkeit, ihr Verhältnis
zum
Leib und zur menschlichen Person. Brill, Leiden u.a. 1984, ISBN
90-04-06965-8 (Studien zur Problemgeschichte der antiken und
mittelalterlichen Philosophie Bd. 10)
Hermann Levinson, Anna Levinson: Vögel und Schmetterlinge als
Erscheinungsform der menschlichen Seele. In: Naturwissenschaftliche
Rundschau 58 (10), S. 531-536, 2005, ISSN 0028-1050
http://de.wikipedia.org/wiki/Seele
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