Die 7 neuen Weltwunder

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Und eines davon bin ich…das zweite…

1. Chinesische Mauer
2.
3. Christo Redentor
4. Machu Picchu
5. Chichen Itza
6. Kolosseum
7. Taj Mahal

Größeres Medienecho erreichte Mitte der 2000er Jahre die von dem Schweizer Bernard Weber initiierte Wahl zu den „New 7 Wonders of the World“. Bis Juli 2007 wurden aus heute noch bestehenden Bauwerken aller geschichtlichen Epochen sieben „neue Weltwunder“ ausgewählt. Die Bekanntgabe des Ergebnisses erfolgte am 7. Juli 2007 in Lissabon. Auf Kritik stieß die Aktion unter anderem weil zwar theoretisch jeder Erdenbürger online oder telefonisch am Abstimmungsprozess teilnehmen konnte, die überwiegende Mehrheit der Menschen aber keinen Zugang zu diesen Technologien hat (Digitale Kluft). Zudem wurden auf die telefonische Stimmabgabe Gebühren erhoben. Die UNESCO distanzierte sich von der Wahl der neuen sieben Weltwunder, da diese keinen wissenschaftlichen Gesichtspunkten genüge.

Die Pyramiden von Gizeh waren, als einziges noch bestehendes der Sieben Weltwunder der Antike, von der Wahl ausgenommen. Das Schloss Neuschwanstein als deutscher Kandidat wurde nicht in die Liste gewählt. Aus 21 Finalkandidaten wurden von, nach Angaben der Veranstalter, 70 Millionen Menschen (eine mehrfache Stimmabgabe war möglich) gewählt:

Chinesische Mauer

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Dieser Artikel beschreibt das Bauwerk Chinesische Mauer.
Das Kinderspiel Chinesische Mauer findet sich unter Fangen (Spiel).
Auch die angestrebte Trennung von Analysten und Wertpapierhändlern in einem Bankhaus zur Verhinderung von Insidergeschäften wird im Fachjargon als „Chinesische Mauer“ bezeichnet.
 

 
Chinesische Mauer im WinterDie Chinesische Mauer (chin. 万里长城/萬裡長城, Wànlĭ Chángchéng „10.000 Li lange Mauer“; auch chin. 中国长城/中國長城, Zhōngguó Chángchéng „Lange chinesische Mauer“, auf deutsch ist jedoch der Name „Große Chinesische Mauer“ geläufig) ist mit 6.350 km Länge (Hauptmauer 2.400 km) und auch hinsichtlich Volumen und Masse das größte Bauwerk der Welt. Dabei besteht die Mauer aus einem System mehrerer teilweise auch nicht miteinander verbundener Abschnitte unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Bauweise. Am 7. Juli 2007 wurde die Chinesische Mauer zu einem der "Neuen Sieben Weltwunder" gewählt.

Wahrscheinlich war die Mauer ursprünglich jedoch länger als bisher angenommen, denn Sven Hedin und Folke Bergmann entdeckten während ihrer Chinesisch-Schwedischen Expedition 1927–1935 Reste der Großen Mauer in der Wüste Lop Nor, die Folke Bergman 1937 beschrieb (siehe Literaturangaben und Lop Nor). Den chinesischen Wissenschaftlern wurde sein Buch 2000 in einer chinesischen Übersetzung zugänglich gemacht; daraufhin suchten sie Anfang 2001 die dort beschriebenen Signaltürme der Chinesischen Mauer in der Wüste Lop Nor auf, die sich fast 500 km westlich der Festung Jiayuguan befinden, die bei den chinesischen Wissenschaftlern bis dahin als westlicher Endpunkt der Mauer galt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieser Teil der Mauer gebaut wurde, um die mittlere Route der Seidenstraße zu schützen, auf der reich beladene Handelskarawanen nach Westen zogen, aber sie vermuten, dass das Ende der Mauer nicht hier gelegen ist.

Der chinesische Name "10.000 Li lange Mauer" beinhaltet eine Längenangabe. Ein Li entspricht etwa 575,5 m, 10.000 Li sind daher ca. 5.755 km. Die Zahl 10.000 steht im chinesischen jedoch für Unendlichkeit bzw. eine unzählbare Menge (vgl. Myriade), weshalb der Ausdruck etwa „unvorstellbar lange Mauer“ bedeutet.

Der bekannteste, restaurierte Mauerabschnitt erstreckt sich bei Badaling, 70 km nordwestlich von Peking. (Touristcenter 40° 21' 25" N, 116° 0' 7" O)

Geschichte 
Verlauf der Chinesischen Mauer
Unrestaurierter Wachturm
Die Chinesische Mauer stellenweise in schlechtem Zustand.
Satellitenbild der chinesischen Mauer bei sehr guten Witterungsbedingungen, 2001
Touristen auf der MauerErste mauerartige Grenzbefestigungen entstanden wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. in der Zeit der Streitenden Reiche als Schutz gegen die sich untereinander befehdenden Chinesen. Diese einzelnen Mauerabschnitte bestanden aus festgeklopftem Lehm, der zur besseren Haltbarkeit mit Stroh- und Reisigschichten vermischt wurde.

214 v. Chr. ließ der erste chinesische Kaiser, Qin Shihuangdi, Schutzwälle errichten, die das chinesische Kaiserreich, nach der Expansion über den Gelben Fluss, gegen die Völker aus dem Norden, vor allem die Xiongnu, schützen sollte. Im Unterschied zu schon vorhandenen alten Mauerresten wurde die Mauer nicht in den Tälern, sondern unterhalb der Kammlinie der Gebirge an den Nordabhängen errichtet. Sie bestand wegen des Fehlens von Lehm größten Teils aus aufeinander geschichteten Natursteinplatten.

Seitdem wurde die Mauer immer wieder aus- und umgebaut, die heute bekannte Form (s. Bild) erhielt sie in der Zeit der Ming-Dynastie, der letzten großen Ausbauphase. 1493 begann unter Kaiser Hongzhi der Bau der Ming-Mauer, die dem Schutz gegen die Mongolen und der besseren Überwachung des Handels dienen sollte. Ihr Verlauf folgte den Bergkämmen, eine besonders aufwendige und teure Bauweise. Sie wurde weitgehend aus gebrannten Steinen und zum Teil auch aus Natursteinen errichtet. Der verwendete Mörtel bestand aus gebranntem Kalk und Klebreis. Das Innere des Mauerwerks füllte man mit Lehm, Sand und Schotter (Zyklopenmauer). Die Maße der Mauer sind recht unterschiedlich; im Gebiet von Peking sind 4 bis 8 m Breite an der Basis und 10 m auf der Krone sowie eine Höhe von 6 bis 9 m üblich. Im Abstand von einigen hundert Metern wurden ungefähr 12 m hohe Türme errichtet, die als Waffenlager und Signaltürme dienten. Daneben boten sie bei Angriffen Schutz für die Verteidiger. Es wird geschätzt, dass bis zu 25.000 solcher Türme in der Mauer integriert waren und dass 15.000 weitere Signaltürme die Kommunikation mit der Hauptstadt sichern sollten. Reste von Signaltürmen wurden noch bei Kaschgar gefunden, der alten Handelsstadt in Chinas äußerstem Westen.

Die Wachtürme wurden nach einem einfachen Prinzip benachrichtigt, ob Gegner in Sicht sind. Durch ein Feuer auf den Turm, an dem eine Sichtung stattfand, konnten benachbarte Wachtürme informiert werden. Dies wurde durch einen geringen Abstand zwischen den Türmen ermöglicht, welche dann die Warnung durch Feuerzeichen weitergeben konnten.


Zustand 
Während einige Teile der Mauer in der Nähe von Touristenzentren erhalten oder sogar restauriert wurden, sind große Teile der Mauer in schlechtem Zustand. Teilweise werden sie von den Dorfbewohnern aus der Nähe als Steinquelle für Häuser und Straßen genutzt. Abschnitte der Mauer wurden auch das Opfer von Graffiti oder wurden eingerissen, um Platz für andere Bauvorhaben zu schaffen. Die 'Gesellschaft der großen chinesischen Mauer' setzt sich für die Erhaltung ein.

Die nationale, chinesische Kulturerbe-Behörde lässt nun die Chinesische Mauer vermessen. Damit soll auch die geographische Lage und der Zustand der Mauer ermittelt werden. Die gesamte Vermessung soll binnen vier Jahren (2007–2011) abgeschlossen sein.


Heutige Bedeutung 
Die UNESCO erklärte die chinesische Mauer 1987 zum Welterbe.

2007 wurde die chinesische Mauer im Rahmen einer Privatinitiative nach Angaben der Veranstalter von weltweit 70 Millionen Menschen im Rahmen einer Privatinitiative[2] zu einem der „neuen sieben Weltwunder“ gewählt. Sowohl die UNESCO als offizielle Hüterin des Weltkulturerbes als z.B. auch Ägypten (Antike Weltwunder: Pyramiden von Gizeh) distanzierten sich von der als „private Kampagne“ ohne wissenschaftliche Kriterien bezeichneten Wahl[3].

Sichtbarkeit aus dem Weltraum 
Schon seit längerer Zeit wird behauptet, dass die chinesische Mauer das einzige Bauwerk sei, das man mit bloßem Auge aus dem Weltraum sehen könne. Bei der bekannten Breite der Mauer müsste man nach dieser Vorstellung allerdings auch jede bessere Landstraße aus dem Weltraum erkennen können. Was man jedoch bei sehr guten Sichtverhältnissen aus großer Höhe sehen kann, ist der Schatten der Mauer, wenn im Winter die Sonne tief steht und die Mauer ein breites Schattenband erzeugt.

Der erste Raumfahrer Chinas – Yang Liwei – sagte nach seinem Raumflug im Oktober 2003: Die Aussicht war wunderschön. Aber ich konnte die Große Mauer nicht sehen. Die chinesische Regierung ließ daraufhin neue Schulbücher drucken, in denen dies geändert wurde. Schon der US-amerikanische Astronaut James Irwin hat nach seiner Apollo-15-Mission erklärt, es sei unmöglich, die Große Mauer zu sehen.

Man kann allerdings andere von Menschenhand geschaffene Objekte aus dem All sehen.

Leroy Chiao konnte jedoch 2005 angeblich von der Raumstation ISS aus die chinesische Mauer entdecken und sogar Fotos von ihr mit einem normalen Fotoapparat anfertigen. Nach diesen Erkenntnissen soll man allerdings äußerst gute Witterungsbedingungen benötigen, um die chinesische Mauer aus dem All sehen zu können. Yang Liwei hatte demnach Pech mit dem Wetter.

Der Begriff "Weltraum" ist denkbar unscharf definiert. Die meisten bemannten Raumfahrten fanden in einer Höhe von 300 bis 600 km statt. Diese Höhe unterscheidet sich von der Distanz Erde–Mond (ca. 350.000 km) erheblich.

Es ist jedoch völlig ausgeschlossen, dass sie vom Mond aus ohne Hilfsmittel zu sehen ist: Wäre dies möglich, müsste ein Mensch ein Objekt von der Größe einer Eiswaffel aus 380 km Entfernung erkennen können.


Petra (Stadt)

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Das Khazne al-Firaun am Ausgang des Siq. Das Schatzhaus des Pharao war in Wirklichkeit ein Grabtempel.Die verlassene Felsenstadt Petra (arabisch: البتراء‎ al-Bitrā’) im heutigen Jordanien war in der Antike die Hauptstadt des Reiches der Nabatäer. Wegen ihrer Grabtempel, deren Monumentalfassaden direkt aus dem anstehenden Fels gemeißelt wurden, gilt sie als einzigartiges Kulturdenkmal. Am 6. Dezember 1985 wurde Petra in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.


Lage und Bedeutung 
Petras LageAuf halbem Weg zwischen dem Golf von Akaba und dem Toten Meer liegt Petra 800 bis 1.350 m in einem weiten Talkessel im Bergland von Edom, östlich der Aravasenke. Dank ihrer strategisch günstigen Lage am Kreuzungspunkt mehrerer Karawanenwege, die Ägypten mit Syrien und Südarabien mit dem Mittelmeer verbanden, war die Stadt vom 5. Jahrhundert vor bis zum 3. Jahrhundert nach Christus ein bedeutender Handelsplatz. Insbesondere kontrollierte Petra einen wichtigen Knotenpunkt der Weihrauchstraße. Diese uralte Handelsroute führte vom Jemen aus an der Westküste Arabiens entlang und teilte sich bei Petra in einen nordwestlichen Zweig, der nach Gaza führte, und in einen nordöstlichen in Richtung Damaskus.

Zur günstigen Geographie kam die versteckte Lage Petras zwischen schroffen Felswänden sowie eine sichere Wasserversorgung. Der Ort ist nur über einen schmalen Gebirgspfad von Nordwesten zugänglich oder von Osten her durch eine etwa 1,5 Kilometer lange und bis zu 200 Meter tiefe Felsschlucht, den Siq (dt.: „Schacht“), der an seiner engsten Stelle nur 2 Meter breit ist. Über eine in die Felswände des Siq gemeißelte Rinne, die unter Steinplatten verdeckt war, leiteten die Nabatäer einen Gebirgsbach in die Stadt.

 
oberirdische Wasserleitung im Siq
(Foto v. Dr. Erwin Schwentner)Mit ihren Fähigkeiten in der Wasserbewirtschaftung schufen sie eine künstliche Oase und damit eine wesentliche Voraussetzung für Blüte und Wachstum der Stadt. Die Verbindung von Fels und Wasser ließ die Legende entstehen, Petra sei der Ort gewesen, an dem Moses beim Exodus des Volkes Israel aus Ägypten, mit dem Schlag seines Stabes eine Quelle aus dem Stein habe sprudeln lassen. Die Umgebung der Stadt heißt daher bis heute Wadi Musa, „Mosestal“.

Das Wasser und die sichere Lage machten Petra zu einer bevorzugten Station für Karawanen aus dem Süden Arabiens, die überwiegend mit Luxusgütern beladen waren: mit Gewürzen und Seide aus Indien, Elfenbein aus Afrika, Perlen aus dem Roten Meer und eben Weihrauch aus dem Süden Arabiens. Das Harz des Weihrauchbaums war in der gesamten antiken Welt als besonders kostbare, religiöse Opfergabe und als Arzneimittel begehrt. Zwischenhandel und Zölle warfen für die Nabatäer hohe Gewinne ab.


Der Name der Stadt 
Wie die Nabatäer ihre Hauptstadt selbst genannt haben, ließ sich bis heute nicht zweifelsfrei klären. Das Alte Testament erwähnt im Buch Richter (1,36) und im 2. Buch Könige (14,7) einen Ort in Edom namens Sela (dt.: „Fels“ oder „Stein“). Es ist aber umstritten, ob dieser Ort mit der Nabatäermetropole identisch ist, die bei Strabon und Plinius dem Älteren für die Zeit nach 169 v. Chr. unter dem griechischen Namen Petra bezeugt ist, der ebenfalls „Fels“ bedeutet. In der hellenistischen Welt gab es viele weitere Orte gleichen Namens.

Nach einem weiteren, nicht völlig gesicherten Zeugnis, den Antiquitates Judaicae des Flavius Josephus nannten die Nabatäer ihre Hauptstadt Reqem, Reqmu oder Rakmu (dt.: „die Rote“, „die Bunte“), was eine Anspielung auf die rötliche Färbung des Sandsteins von Petra gewesen sein könnte.


Geschichte 
Die Geschichte der Stadt ist aufs engste mit der des Nabatäerreichs verknüpft. Bis auf eine Reihe von Inschriften haben die Nabatäer jedoch kaum eigene Schriftzeugnisse hinterlassen. Ihre Geschichte und die Petras lässt sich daher nur bruchstückhaft und indirekt über biblische sowie griechische und römische Quellen erschließen.


Frühe Besiedlung 
Nach archäologischen Befunden war das Hochtal von Petra schon in der Altsteinzeit zeitweilig und seit der Jungsteinzeit – etwa ab 9000 v. Chr. – dauerhaft besiedelt. Die Bibel spricht von den Horitern und Edomitern, die das Gebiet ab etwa 1500 v. Chr. bewohnten. Nach der Eroberung Palästinas durch die Perser im 6. Jahrhundert v. Chr. gelang es dem aus dem Inneren Arabiens stammenden, semitischen Volk der Nabatäer etwa um 500 v. Chr., die Edomiter zu verdrängen. Sie gingen nun von der Weidewirtschaft zur Kontrolle der Handelswege über, die bei Petra zusammenliefen.

Als Halbnomaden scheinen sie anfangs nur Zelte in dem Tal errichtet und vereinzelt Höhlenwohnungen in den Fels geschlagen zu haben. Um die Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. waren die Nabatäer dank des Handels mit Gewürzen, Weihrauch und Silber bereits so wohlhabend geworden, dass sie Begehrlichkeiten ihrer Nachbarn weckten. Im Jahr 312 v. Chr. entgingen sie der Eroberung durch Antigonos I. Monophthalmos, einen der Nachfolger Alexanders des Großen, nur dank der uneinnehmbaren Lage Petras. Erst mit dem Niedergang der Diadochenreiche und dem Aufstieg Petras zur Hauptstadt der Nabatäer im 2. Jahrhundert v. Chr. begann dessen eigentliche Blüte.

 
Das Temenos-Tor im Zentrum von Petra; im Hintergrund der Haupttempel Qasr al-Bint
 Blütezeit  [Bearbeiten]Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde die Zeltstadt allmählich von festen Bauten abgelöst. Gleichzeitig scheint sich auch die politische Macht verfestigt und eine stabile Königsherrschaft herausgebildet zu haben. Deren erster bekannter Vertreter war der für das Jahr 168 v. Chr. im 2. Buch Makkabäer erwähnte Aretas I. Ihm und seinen Nachfolgern gelang es, sich gegen das ptolemäische Ägypten zu behaupten und den Einflussbereich Petras immer weiter auf Kosten des Seleukidenreichs auszudehnen. Gleichzeitig zeigten sich die Nabatäer offen für die kulturellen Einflüsse ihrer hellenistisch geprägten Umgebung.

Seine größte Machtentfaltung erfuhr das Nabatäerreich während der Regierungszeit des Königs Aretas III. Philhellen (87–62 v. Chr.). Er eroberte Damaskus, mischte sich in Judäa in die Machtkämpfe der Hasmonäer ein und belagerte Jerusalem. Letzteres rief jedoch Rom auf den Plan. Im Auftrag des Pompeius entsetzte der römische Feldherr Marcus Aemilius Scaurus Jerusalem, besiegte Aretas III. und schloss im Jahr 62 v. Chr. vor Petra einen Vergleich mit ihm.

Nach Aretas' Tod geriet das Reich zwar in ein Vasallenverhältnis zu Rom, blieb aber im Inneren autonom und konnte seine Unabhängigkeit noch fast 200 Jahre lang wahren. Der Wohlstand der Stadt wuchs weiter und die Bauten nahmen seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. immer monumentalere Formen an. Zur Zeit Aretas IV. (8 v. Chr. bis 40 n. Chr.) entstand der Haupttempel als repräsentativer Bau im Zentrum der Stadt. Schätzungen gehen davon aus, dass Petra damals etwa 30.000 bis 40.000 Einwohner zählte.


Niedergang 
Petras allmählichen Niedergang hatte jedoch schon einer der Vorgänger Aretas' IV. eingeleitet. Malichus I. (59–30 v. Chr.) hatte sich zeitweise mit den Parthern gegen Rom verbündet. Die Römer förderten daher in der Folgezeit den Schiffsverkehr auf dem Roten Meer und legten Karawanenwege an, die Petra im Norden umgingen. Der letzte Nabatäerkönig, Rabel II. (70–106), trug dem Rechnung, indem er die Hauptstadt in den Norden, nach Bostra im heutigen Syrien, verlegte. Kaiser Trajan besiegte die Nabatäer im Jahr 106 endgültig und gliederte ihr Reich als neugeschaffene Provinz Arabia Petraea mit der Hauptstadt Bostra ins Römische Reich ein.

 
Das Römische Theater von PetraZunächst machte Gerasa im Norden Jordaniens Petra Konkurrenz als Handelsstadt. Im 3. Jahrhundert gelang es schließlich den Sassaniden, den Karawanenhandel nach Palmyra in Syrien umzulenken. Petra verlor damit immer mehr an Bedeutung und Wohlstand, blieb aber noch bis in die byzantinische Zeit hinein besiedelt. Unter Kaiser Diocletian stieg Petra noch einmal zur Hauptstadt einer Provinz auf – Palaestina tertia – und war in der Spätantike sogar Bischofssitz. Erst nach zwei schweren Erdbeben 363 und 551 und nach Eroberung der Region durch die Araber 663 verließen die letzten Einwohner die Stadt, die nun immer weiter verfiel.

Von ihren gemauerten Bauten blieben nur die Ruinen des Haupttempels Qasr al-Bint, des Temenos-Tors, Reste der Hauptstraße und wenige Grundmauern anderer Gebäude übrig. Die monumentalen Felsgräber und das Theater dagegen, die aus dem roten Sandstein der Bergwände herausgemeißelt worden waren, überstanden die Jahrhunderte.

Im 12. Jahrhundert legten Kreuzfahrer bei Petra vorübergehend zwei Außenposten der wenige Kilometer entfernten Burg Montreal an. In den Jahrhunderten danach suchten nur noch durchziehende Beduinen von Zeit zu Zeit Unterschlupf in den leeren Grabbauten der Stadt.


Petra heute 
Blick aus dem Inneren des UrnengrabsSeit der Zeit der Kreuzzüge hatte kein Europäer Petra mehr betreten. Um 1800 wussten nur noch wenige Gelehrte gerüchteweise von einer legendären, aus dem Fels herausgeschlagenen Stadt im Nahen Osten. Für Europa wurde Petra erst 1812 von dem Schweizer Arabienreisenden Jean Louis Burckhardt neu entdeckt. Mehr als 100 Jahre später schrieb Thomas Edward Lawrence (Lawrence von Arabien) in seinem Werk Die sieben Säulen der Weisheit: „Petra ist der herrlichste Ort der Welt.“ Er war aber der Meinung, jede Beschreibung müsse vor dem eigenen Erleben der Stadt verblassen.

Archäologische Ausgrabungen in Petra erfolgten erst seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Wenig später begann auch die touristische Erschließung der Ruinenstätte. Petra wurde am 7. Juli 2007 im Zuge einer inoffiziellen Umfrage zu einem der neuen 7 Weltwunder gewählt. Die UNESCO distanzierte sich von dieser Abstimmung.


Ausgrabungen 
Nach Burckhard haben im 19. Jahrhundert weitere europäische Reisende Petra besucht und beschrieben. Um 1900 setzte die wissenschaftliche Erforschung des Orts ein. 1907 publizierte der aus Mähren stammende Arabienforscher Alois Musil in seinem Werk Arabia Petraea die Ergebnisse einer ersten wissenschaftlichen Expedition, die eine Bestandsaufnahme der damals sichtbaren Altertümer vorgenommen hatte. In den 20er Jahren erfolgte eine genaue Vermessung durch die Altertumsforscher Rudolf Ernst Brünnow und Alfred von Domaszewski, die eine erste Karte Petras anfertigten.

Die ersten archäologischen Ausgrabungen auf dem Gelände Petras fanden 1929 statt. Weitere folgten in den Jahren 1935 bis 37 und 1954. Im Jahr 1958 begann die British School of Archaeology damit, das Stadtzentrum auszugraben. Seither sind ständig Archäologen vor Ort. Die letzten großen Grabungskampagnen erfolgten in den Jahren 1993 bis 2002. Unter der Federführung der Jordanischen Antikenbehörde legten amerikanische Wissenschaftler von der Brown University aus Providence, Rhode Island, die Überreste des Haupttempels (Qasr al-Bint) im Stadtzentrum und das Areal um das Temenos-Tor frei. Insgesamt wurde bisher erst etwa ein Prozent der Stadtfläche ausgegraben.


Fremdenverkehr 
Petra gilt heute als eine der größten Sehenswürdigkeiten des Nahen Ostens. Seine Erschließung für den modernen Fremdenverkehr begann in den 1930er Jahren. Damals wurden die ersten Hotels bei Petra gebaut, einige sogar unmittelbar in der Stadt selbst, zum Teil direkt vor dem Römischen Theater. Diese Bausünden wurden mittlerweile wieder beseitigt.

Um Petra touristisch besser nutzen zu können siedelte die jordanische Regierung zwischen 1968 und 1985 die Beduinen vom Stamm der B'doul zwangsweise um, zu deren Gebiet Petra gehört. Sie hatten die kühlen, schattenspendenden Grabbauten bis dahin als Wohnungen genutzt. Heute wohnen die B'doul in den umliegenden Dörfern, vor allem in Wadi Musa. Ein Großteil von ihnen lebt vom Petra-Tourismus, zum Beispiel als Fremdenführer.

Aufgrund des Friedensabkommens von Camp David von 1979 gab Israel die Halbinsel Sinai an Ägypten zurück. In der Folgezeit erlebte Petra einen stetig wachsenden Zustrom von Tagestouristen aus den ägyptischen Ferienressorts am Golf von Akaba. Für zusätzlichen Aufschwung sorgte Steven Spielbergs Spielfilm Indiana Jones und der letzte Kreuzzug, dessen letzte Szenen im Siq und vor dem Khazneh el-Firaun gedreht wurden. Er machte Petra einem größeren Publikum in Amerika und Europa bekannt.

In den 80er Jahren wurde außerhalb der Stadt, weit vor dem Eingang zum Siq, ein modernes Besucherzentrum errichtet. Nachdem auch Jordanien mit Israel Frieden geschlossen hatte, entstand eine Reihe moderner, zum Teil luxuriöser Hotels in der Umgebung von Petra. Die jordanische Fremdenverkehrsbranche hoffte, nun auch mehr Langzeiturlauber für die Region interessieren zu können. Zunächst nahm aber erneut der Tagestourismus zu, diesmal aus Richtung Israel. Vor Beginn der zweiten Intifada im Jahr 2000 stellten Tagesurlauber aus Israel und dem Westjordanland 57 Prozent der Besucher Petras. Im Rekordjahr 2000 wurden insgesamt rund 1 Million Touristen gezählt.

Infolge der schweren Unruhen in den israelisch besetzten Palästinensergebieten und der Terroranschläge vom 11. September 2001 gingen die Besucherzahlen jedoch drastisch zurück, obwohl Jordanien auch nach den Selbstmordanschlägen in Amman vom 9. November 2005 als relativ sicheres und friedliches Reiseland gilt. Die Friedensdividende, die sich das Land unter anderem vom Petra-Tourismus versprochen hat, konnte es bisher nicht einlösen.


Die wichtigsten Baudenkmäler 
Etwa 800 historische Baudenkmäler und Opferplätze sind in und um Petra erhalten geblieben. Die Monumente sind geprägt von nabatäischen, griechisch-hellenistischen und römischen Einflüssen. Oft vermischen sich Stilelemente aller drei Kulturen in ein und dem selben Bau.


Das „Schatzhaus“ 
Das Khazne al-FiraunAn der Einmündung des Siq in den Talkessel steht das wohl berühmteste Bauwerk Petras, das fast 40 Meter hohe und 25 m breite, im hellenistischen Stil erbaute Khazne al-Firaun. Das „Schatzhaus des Pharao“, wie es von den Beduinen genannt wurde, war in Wirklichkeit eines von zahlreichen Felsgräbern. Es wurde möglicherweise für den Nabatäerkönig Aretas IV. angelegt, der im 1. Jahrhundert v. Chr. regierte. Andere Forscher datieren das Khazne dagegen erst ins 2. Jahrhundert n. Chr., in die Zeit des Kaisers Hadrian. Über einem Portikus aus sechs korinthischen Säulen erhebt sich eine kleine, von zwei Halbgiebeln flankierte Tholos, ein Rundtempel. Zwischen den Säulen befinden sich verwitterte Reste von Relieffiguren. An der Urne, auf der Spitze des Rundtempels, sind Einschusslöcher zu erkennen. Sie gehen auf Flintenschüsse von Beduinen zurück, die einst versucht hatten, den vermeintlichen Schatzbehälter aufzubrechen. Die Urne besteht aber, wie der gesamte Bau und die anderen Königsgräber Petras, überwiegend aus massivem Fels.


Das Römische Theater 
Auf dem Weg vom Khazne al-Firaun ins Zentrum Petras liegt linker Hand das Römische Theater aus dem 1. Jahrhundert. Es ist ebenfalls direkt aus dem Fels gemeißelt und bot auf 33 Sitzreihen rund 5.000 Zuschauern Platz.

 
Das Urnengrab an der Königswand von Petra             Bei seinem Bau wurden einige Grabkammern freigelegt, die zuvor in das rückwärtige Felsmassiv getrieben worden waren. Das Theater wurde 1961 entdeckt und von amerikanischen Archäologen ausgegraben.


Die Gräber der Königswand 
Nördlich des Theaters erhebt sich rechter Hand die so genannte „Königswand“. Auf halber Höhe reihen sich hier gleich mehrere monumentale Grabtempel aneinander, deren Baustile nabatäische, griechische und römische Einflüsse erkennen lassen. Dazu gehören etwa das „Korinthische Grab“, das „Palastgrab“ und das „Urnengrab“ aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. Dessen Felsenhalle birgt drei Grabnischen. Zudem verfügt es über einen von Säulen umstandenen Vorhof, der über einen gemauerten Unterbau erreichbar ist. Nördlich der sogenannten Königsgräber liegt das etwas kleinere „Grab des Sextius Florentinus“.


Das einstige Stadtzentrum 
Senkrecht zur Königswand verläuft in Richtung Westen die „Säulenstraße“, die einstige Hauptverkehrsachse Petras. Während die in den Fels gehauenen Grabtempel die Jahrtausende überdauert haben, sind die Wohnhäuser der Nabatäer längst zerfallen.

 
Das Felsgrab Ed-DeirLinks und rechts der Säulenstraße haben sich aber noch Reste des Marktes, des „Temenos-Tors“, einer byzantinischen Basilika und mehrerer Tempel erhalten. Der größte davon, Qasr al-Bint Firaun aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. war möglicherweise den nabatäischen Hauptgöttern Dushara und Al-Uzza geweiht. Der heutige arabische Name bedeutet „Haus der Pharaonentochter“ und geht auf eine spätere Deutung durch die Beduinen zurück.


Das Felsgrab Ed-Deir 
Am modernen Museum im Westen des Talkessels vorbei führt ein Bergpfad durch das Wadi Kharareeb zum außerhalb der eigentlichen Stadt gelegenen Grabtempel Ed-Deir. Sein Name, auf deutsch „Kloster“, geht darauf zurück, dass sich im Mittelalter Mönche darin niederließen. Anders als das Khazne Firaun liegt das Ed-Deir nicht versteckt, sondern hoch am Berg und beeindruckt nicht zuletzt durch seine Größe. Es ist 40 Meter hoch und 47 Meter breit; allein die Urne auf der Spitze des Rundtempels misst 9 Meter in der Höhe. Wegen seines schlichten, aber monumentalen Stils und seiner einsamen Lage zählt das Ed-Deir zu den bedeutendsten Werken nabatäischer Baukunst.

Auf den Gipfeln der umliegenden Berge befinden sich darüber hinaus noch Überreste früherer Opferplätze der Nabatäer. Der am besten erhaltene befindet sich auf dem Gipfel des Jebel Attuf.


Literatur 
Fabio Bourbon: Petra, die geheimnisvolle Felsenstadt. Müller, Köln 2004, ISBN 3-89893-564-7.
Gustav Dalman: Petra und seine Felsheiligtümer. Hinrichs, Leipzig 1908.
Manfred Lindner: Petra und das Königreich der Nabatäer. 6. Auflage. Delp, München 1997, ISBN 3-7689-0116-5.
Judith McKenzie: The Architecture of Petra. Oxford University Press, Oxford 1991, 1995, 2005, ISBN 1-8421-7164-X.
Stephan G. Schmid: The Nabataeans. Travellers between Lifestyles. In: B. MacDonald, R. Adams, P. Bienkowski (Hrsg.): The Archaeology of Jordan. Sheffield 2001, ISBN 1-84127-136-5, S. 367–426.
Jane Taylor: Petra und das versunkene Königreich der Nabatäer. Artemis & Winkler, Düsseldorf 2002, ISBN 3-538-07136-5.


Christo Redentor

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Frontsicht vom Berg-Boden aus
Luftbild von südlicher Richtung mit Teilen von Rio de JaneiroDas Cristo Redentor (dt.: Christus der Erlöser) ist ein Monument in Rio de Janeiro (Brasilien) auf dem Berg Corcovado in den Tijuca-Wäldern im Südteil der Stadt.

Die Errichtung der Christusstatue Monumento Cristo Redentor war ursprünglich aus Anlass der hundertjährigen Unabhängigkeit Brasiliens geplant. Die Entwürfe stammen vom brasilianischen Bauingenieur Heitor Silva Costa. Finanzierungsprobleme verzögerten den Bau aber um fast zehn Jahre, ehe nach Unterstützung durch die Erzdiözese Rio, den Vatikan und Frankreich schließlich die Einweihung am 12. Oktober 1931 stattfinden konnte.

Die Statue ist 30 m hoch und ruht auf einem 8 m hohen Sockel, der auch eine Kapelle für 150 Personen beherbergt. Die Spannweite der Arme ist 28 m, das Gesamtgewicht der Statue beträgt 1.145 Tonnen. Der Kopf und die Hände wurden nach Gipsmodellen gefertigt, die der französische Bildhauer Paul Landowski in seinem Atelier nahe Paris hergestellt hatte. Baumaterial ist Stahlbeton, der mit einem Mosaik aus Speckstein überzogen ist.

Anlässlich des 75. Jahrestages der Errichtung wurde die Christusstatue im Jahr 2006 zum katholischen Wallfahrtsort geweiht.

In der Bolivianischen Stadt Cochabamba wurde 1994 auf dem Cerro San Pedro eine 38 Meter hohe Christusstatue errichtet. Sie ist somit 8 Meter höher als der Christo Redentor und auch die größte Christusstatue weltweit. Beide Statuen sind bis auf kleine Details, wie der Faltenwurf des Gewandes, nahezu identisch. In der Stadt Puerto Plata im Norden der Dominikanischen Republik wurde auf dem Pico Isabel de Torres, Puerto Platas 793 Meter hohem Hausberg, eine Nachbildung der Christusstatue erbaut. Eine weitere Nachbildung befindet sich am Kap Fatucama nahe Dili, der Hauptstadt Osttimors. Es gibt auch in Brasilien Orte mit Kopien, die dem Original von Rio de Janeiro nachempfunden wurden.





Trivia 
Am 7. Dezember 1999 um 07.00 Uhr früh Ortszeit sprang der österreichische Basejumper Felix Baumgartner vom rechten Arm der Statue aus mit dem Fallschirm ab. Zuvor war er an einem mit einer Armbrust übergeschossenen Seil hinaufgeklettert.

Am 7. Juli 2007 wurde in Lissabon bekannt gegeben, dass der Christo Redentor zu einem der „Sieben Neuen Weltwunder“ gewählt wurde. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich fast 70 Millionen Menschen an der Wahl, die von der UNESCO wegen der fehlenden wissenschaftlichen Basis nicht anerkannt wird.

Machu Picchu

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Die alte Inka-Stadt Machu Picchu
Die Lage von Machu Picchu in PeruMachu Picchu (Quechua: Machu Pikchu für „alter Gipfel“) ist eine gut erhaltene Ruinenstadt der Inka, die in 2.360 m Höhe auf einer Bergspitze der Anden über dem Urubambatal in 75 km Entfernung nordwestlich von Cusco (Peru) liegt. Erbaut wurde die Stadt einer Theorie zu Folge um 1450 von Pachacútec Yupanqui, einem Herrscher der Inka, der von 1438 bis 1471 regierte. Er schuf die Grundlagen für die Ausdehnung des mächtigen Inkareiches und führte den Kult um den Sonnengott Inti ein. Eingebettet zwischen dicht bewachsenen Bergen war die Stadt für die spanischen Eroberer im Jahre 1532 unsichtbar und ist dadurch der Zerstörung entgangen. Die Stadt umfasste 216 steinerne Bauten, die mit einem System von Treppen verbunden waren. Etwa 3.000 Stufen sind heute noch erhalten, ebenso wie die Außenmauern der zum Teil mehrgeschossigen Wohnbauten. Sinn und Zweck dieser Stadt sind bis heute umstritten. Es existieren über sie keine Überlieferungen bzw. wissenschaftliche Aufzeichnungen, weshalb nur Vermutungen angestellt werden können. So wurde die Stadt, deren ursprünglicher Name unbekannt ist, nach einem der nahe gelegenen Berggipfel benannt, zwischen denen die Ruinenstadt liegt: Teile der Stadt, die für die Landwirtschaft genutzten Terrassen, liegen am Fuße des „alten Gipfels“, hinter dem anderen Ende der Stadt ragt der „junge Gipfel“ (Huayna Picchu) zuckerhutförmig in den Himmel. Im Westen liegen 4.500 Meter entfernt die Ruinen der Inkastadt Llactapata.


 Geschichte 
Steinerne FensterEntdeckt wurden über 50 Grabstätten mit mehr als 100 Skeletten (angeblich mehr als 80 % davon weiblich, aber neuere Untersuchungen haben eine gleichmäßige Verteilung der Geschlechter gezeigt). Aufgrund dieser Entdeckung entstand zunächst die Theorie von einer Zuchtstätte der Inkas. In neuerer Zeit wird diese Theorie nicht mehr unterstützt. Vielmehr wird angenommen, dass Machu Picchu zu Zeiten der spanischen Eroberung sich noch im Bau befand. Da die Bauarbeiten aber durch die Eroberung des Inkareiches durch die Spanier nicht fortgesetzt werden konnten, wurde die Anlage verlassen und ist dann bei den Indios in Vergessenheit geraten. Heute schätzt man, dass die Stadt in ihrer Hochblüte bis zu 1.000 Menschen hätte beherbergen und versorgen können.

Die Chronik von Antonio Altamirano, ein spanischer Conquistador, der 1555 starb, weist auf den spanischen Soldaten Miguel Rufino aus Burgos hin, der die Inkaprinzessin Accla Gualca aus den Händen mordender Spanier rettete. Accla Gualca floh zusammen mit Rufino nach Macchu Picchu, das zu dieser Zeit bewohnt war. Beide mussten vor der Amauta (städtische Gesetzlichkeit bei den Inka) schwören, dass sie den Gesetzen Intis (Sonne) folgen würden und keinem Fremden von diesem heiligen Ort erzählen. Einige Zeit später wurde Rufino waffentechnischer Berater des Inca Manco, der sein Heer in Ollantaytambo zusammenzog, um Cusco zurückzuerobern. Dabei fiel Rufino.

Von Dr. John Rowe wurde ein spanisches Dokument von 1568 entdeckt, welches den Inca Yupanki als früheren Landeigentümer von Picho (Picchu) bezeichnet. Dasselbe Dokument führt aus, dass hier angebaute Produkte als Opfergaben verwendet wurden.

 
Intihuatana Sonnenuhr Zwei Dokumente, die der deutsche Ingenieur Christian Bues entdeckte, der sich im Urubambatal zu Vermessungsarbeiten niedergelassen hatte, bezeugen, dass 1614 auf dem Gebiet des Salkantay (Gebiet von Machu Picchu) ein Grenzkonflikt zwischen verschiedenen Landbesitzern ausbrach. Das Gebiet gehörte zu dieser Zeit dem Stamm der Cañaris, angeführt von Caciquen Don Francisco Poma Gualpa. Die Cañaris waren Nachfahren eines equadorianischen Volksstammes (siehe Cañar, die sich bis 1849 in der Gegend halten konnten und dann ausstarben. Es wird vermutet, dass die Cañaris die Wächter von Machu Picchu waren.

1657 pachtete der Augustinerorden vorübergehend das Land um Machu Picchu, ohne von den Ruinen selbst Kenntnis zu nehmen.

Das einzige gegenwärtig bekannte Dokument über die legendäre Inkastadt ist eine Urkunde aus dem Jahre 1782, die von dem Geschichtsprofessor Jose Uriel Garcia entdeckt wurde. Auf Blatt 20 des handschriftlichen Protokolls wird ersichtlich, dass Machu Picchu und das umliegende Land von dem Kommandanten Marcos Antonio de la Camara y Escuerdo für 450 Pesos gekauft wurde. Notariell wurde dies vom Notar Ambrosius de Lira beglaubigt. Aus dem Dokument geht hervor, dass der Name der Stadt Machu Picchu war. Erst Bingham (siehe unten) schuf – bewusst oder unbewusst – das Geheimnis um den wahren Namen der Stadt.

 
Sonnenaufgang Der Italiener Antonio Raimondi veröffentlichte 1865 eine Landkarte, auf der Machu Picchu eingetragen und namentlich gekennzeichnet war.

1875 drang der Franzose Nicolas Wiener bis zu den Inka-Ruinen in Ollantaytambo vor, wo er von Indigenas Hinweise erhielt, dass es weitere Ruinen bei „Matcho Picchu“ geben soll. Durch das unwegsame und nahezu undurchdringliche Urubambatal kämpfte sich Wiener bis in die Nähe des heutigen Machu Picchus vor, scheiterte aber kurz vor dem Ziel an einem Erdrutsch.

Seit 1894 war der Name Machu Picchu, zumindest bei den Campesinos im Urubambatal allseits bekannt. Don Luis Bejar Ugarte ließ sich im gleichen Jahr von Augustin Lizarraga nach Machu Picchu führen, der 17 Jahre später auch unter Hiram Binghams (siehe unten) Mannschaft war. Lizzarga und Ugarte entdeckten dabei auch einen Tunneldurchbruch aus der Inkazeit, welcher den Rio Urubamba unterquerte. Wiedergefunden wurde dieser Tunnel vom Ingenieur Osvaldo Paez Patiño im Jahr 1930.

 
Blick auf das „Viertel der Handwerker“Als 1895 ein Maultierpfad entlang des Rio Urubamba gesprengt wurde, war in Cusco Machu Picchu in aller Munde. Am 14. Juli 1901 kehrte Lizzarga, zusammen mit seinen Freunden Don Enrique Palma aus San Miguel und Gavino Sanchez von der Hacienda Collpani, zur Inkastadt zurück. Sie ritzten ihre Namen auf die Mauer des königlichen Palastes ein. Zu dieser Zeit wohnte der Indigena Anacleto Alvarez im Gebiet von Machu Picchu. Er hatte die Terrassen gepachtet.

Einige Wochen vor Binghams Expedition im Jahre 1911 stieß der US-Amerikaner Alberto Giesecke, zusammen mit Don Braulio Polo y la Borda, der von Indigenas von der Stadt wusste, bis zum Fuß des Machu Picchu vor. Sie mussten allerdings aufgrund eines Unwetters umkehren. Gieseckes Wissen und Erfahrungen waren dann die Grundlage für Binghams Expedition.

 
Machu Picchu vom Huayna Picchu aus gesehen Am 24. Juli 1911 wurden die Ruinen von einer Expedition der Universität Yale unter der Leitung Hiram Binghams durch Zufall wiederentdeckt. Die Siedlung war von dichter Vegetation überwuchert. Bingham war auf der Suche nach der geheimnisvollen Inkastadt Vilcabamba, in die sich die Inkas geflüchtet haben sollen, nachdem Pizarro 1536 Cusco einnahm. Bingham glaubte, Vilcabamba in Machu Picchu gefunden zu haben. Heute ist bekannt, dass Vilcabamba 35 km weiter entfernt im Dschungel liegt.

In den Jahren 1912 und 1913 begann Bingham damit, die Stadt freizulegen. 1915 veröffentlichte er ein Buch über seine Erforschung Machu Picchus. Berühmt wurde Machu Picchu, als die National Geographic Society ihre gesamte Ausgabe vom April 1913 dieser Stadt widmete.

Es wird auch behauptet, dass Bingham die Stadt schon zwei Jahre vorher entdeckt habe und sich Zeit verschaffte, das Gold in die Vereinigten Staaten zu schaffen. Des Weiteren sagen die Einheimischen, dass Bauern Machu Picchu schon 1901 entdeckten und Bingham nur der Nutznießer und die Entdeckung kein Zufall war.


Heutige Bedeutung 
Die UNESCO nahm Machu Picchu 1983 in die Liste des Welterbes auf.

2007 wurde Machu Picchu im Rahmen einer Privatinitiative nach Angaben der Veranstalter von weltweit 70 Millionen Menschen zu einem der „neuen sieben Weltwunder“ gewählt[1]. Sowohl die UNESCO als offizielle Hüterin des Weltkulturerbes als z.B. auch Ägypten (Antike Weltwunder: Pyramiden von Gizeh) distanzierten sich von der als „private Kampagne“ ohne wissenschaftliche Kriterien bezeichneten Wahl[2].


Tourismus 
Bahnstrecke im UrubambatalMachu Picchu ist eine der größten Touristenattraktionen in Südamerika. Täglich besuchen durchschnittlich etwa 2.000 Personen die Sehenswürdigkeit. Die UNESCO fordert eine Reduktion auf höchstens 800 Besucher, um das Kulturerbe nicht zu gefährden.

Da sich die Inkastadt in einem schwerzugänglichen Gebiet befindet und es keine Straßen dorthin gibt, wurde eine Bahnlinie von Cusco bis nach Aguas Calientes, einem Dorf am Fuße des Berges von Machu Picchu, gebaut. Machu Picchu ist am bequemsten von Aguas Calientes aus zu erreichen: Vom Zentrum in Aguas Calientes fährt ein Bus die gut 8 km lange Serpentinenstrecke zur Zitadelle Machu Picchu hinauf. Diese Strecke kann man aber auch zu Fuß zurücklegen, kleine Fußwege mit Stufen führen an den Serpentinen hoch. Am Ende der Serpentinen, im unmittelbaren Eingangsbereich von Machu Picchu, befindet sich zudem das Hotel „Sanctuary Lodge“, das – wie die Bahnlinie – der englischen Hotelkette „Orient Express“ gehört. Wer Machu Picchu auf authentischem Wege erreichen will, der kann über den Inka-Pfad (camino inca), eine mehrtägige Wanderung über mehrere hohe Pässe vom Urubambafluss (klassisch ab km 88, Variation ab km 82 der Bahnlinie nach Aguas Calientes), nach Machu Picchu gelangen, wobei er hierbei durch das für Machu Picchu errichtete Sonnentor gehen muss, welches in unmittelbarer Nähe zu den Ruinen der Siedlung liegt.

 
Panoramaansicht
Der ständig wachsende Tourismus belastet die Umwelt sehr. Die UNESCO wehrt sich daher vehement gegen den geplanten Bau einer Seilbahn von Aguas Calientes hinauf nach Machu Picchu, deren Fertigstellung den Touristenstrom weiter ansteigen ließe und außerdem die Erdrutschgefahr erhöhen würde. Am 10. April 2004 forderte ein Erdrutsch, der auch die Bahnlinie teilweise lahmlegte, elf Menschenleben. Durch einen weiteren Erdrutsch am 14. Oktober 2005 wurde die Bahnlinie auf einer Strecke von 400 Metern erneut verschüttet.


Trivia 
In Sichtweite des Geländes drehte der deutsche Regisseur Werner Herzog Anfang der 70er Jahre die atemberaubende Eröffnungsszene zum Spielfilm Aguirre, der Zorn Gottes.

 Quellen 
THE NEW 7 WONDERS OF THE WORLD: Weltweite Wahl (engl.), 7. Juli 2007
↑ Bericht in Spiegel Online: Umstrittene Abstimmung, 8. Juli 2007

Informationen Über Machu Picchu (Englisch)
virtuelle Tour (Englisch)
Foto-Ansicht mit hoher Auflösung mit Zoom-Funktion; zusammengesetzt aus 400 Einzelfotos, insgesamt 1.500 Megapixel (engl.)
Machu Picchu Photo Gallery (Englisch)
Koordinaten: 13° 9' 47" S, 72° 32' 44" W
Von http://de.wikipedia.org/wiki/Machu_Picchu

Chichén Itzá

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Chichén Itzá, Pyramide des Kukulcán
Pyramide in Chichén ItzáChichén Itzá ist eine Ruinenstätte auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán, ca. 120 km östlich von Mérida.

Nach dem Manuskript von Chumayel wurde Chichén Itzá in den Jahren 435 bis 455 vom Volk der Maya gegründet. Dem widersprechen allerdings Dokumente, deren früheste Erwähnung der Stadt Chichén Itzá auf das Jahr 879 zurückgeht. Die Tempelstadt mit etwa einem Kilometer Durchmesser war um zwei große Cenoten errichtet worden, von denen eine die Wasserversorgung der Stadt sicherstellte. Bewohnt wurde die Stadt nur von Priestern und Regierungsfunktionären, da sie die Hauptstadt eines Maya-Reiches darstellte. Die Bauern, die in der Umgebung Ackerbau betrieben, wohnten um die Anlage herum in Stroh- und Lehmhütten.

Der Name Chichén Itzá besteht aus drei Wörtern aus der Sprache der Itzá-Maya: chi (Mund), chén (Brunnen oder Teich) und itzá (Eigenbezeichnung des Volkes). Zusammengesetzt also: „Der Mund des Brunnens der Itzá“. Mit dem Brunnen war vermutlich die Cenote der Stadt gemeint.

Die Maya verließen Chichén Itzá bereits ungefähr 200 Jahre später wieder, nämlich 682 oder 690, je nach Quellenangabe. Ein erneutes Aufblühen erlebte die Stadt um das Jahre 987, als das Volk der Tolteken unter Führung ihres Herrschers Tula die Anlagen neu besiedelte. Die Tolteken, vermischt mit dem Volke der Chichimeken, teilten sich nach der Vertreibung des später zum Gott erhobenen Herrschers Quetzalcoatl auf. Ein Teil verließ die Hauptstadt Tollan (bzw. Tula) und beeinflusste die im südlichen Mexiko ansässigen Mixteken, während die restlichen Tolteken die Mayastädte Chichén Itzá, Tulúm und Uxmal eroberten.

In Chichén Itzá veränderten die Tolteken vor allem den Baustil, sodass das Castillo toltekischen Pyramiden nicht unähnlich ist. Neuerdings erklärt man sich den toltekischen Einfluss allerdings nicht mehr durch eine gewaltsame Eroberung, sondern dadurch, dass fremde Händler Auswirkungen auf die Kultur der Maya gehabt haben könnten.

Nach dem Untergang von Chichén Itzá durch stetige Abwanderung wurde die Hafenstadt Tulúm neues Zentrum der Maya, die sich nun auf den Seehandel ausrichteten und so auch kurz vor ihrem Niedergang auf die spanischen Entdecker treffen. Es lässt sich jedoch sagen, dass mit dem Ende der Stadt auch die Blütezeit der Maya vorüberging.


 Bekannte Gebäude in Chichén Itzá 
 El Castillo - das Schloss 
Pyramide des Kukulcánsiehe auch den Artikel Pyramide des Kukulcán

Im Zentrum der Tempelanlagen von Chichén Itzá befindet sich die als Castillo (span. für „das Schloss“) bezeichnete große Stufenpyramide. Das dreißig Meter hohe Bauwerk hat als Zugang vier Treppen auf allen Seiten. Diese Treppen bestehen aus je 91 Stufen, mit vier multipliziert und mit der letzten Stufe vor dem Tempel addiert ergibt das die Zahl von 365 Treppenstufen. Diese Zahl stellt nicht nur zufällig die Zahl der Tage im Jahr dar. Die Konstruktion der Tempelpyramide in Chichén Itzá beweist mit anderen Worten, welche enormen Kenntnisse der Astronomie die Maya bereits besaßen.

Das Castillo trägt auf seiner Spitze den Tempel von Kukulcán, der Schlangen-Gottheit der Maya, deren Namen sich vom toltekischen Quetzalcoatl ableitet. Der sechs Meter hohe Tempel auf der Pyramide musste bei der Entdeckung der Stadt Chichén Itzá zuerst wieder aus seinen Ruinen aufgebaut werden, da er im Laufe der Jahrhunderte zerfallen war.

Im Innern des Tempels des gefiederten Schlangengottes fanden die Entdecker einen herrlichen Jaguar aus Stein, der in rot bemalter Form und Augen aus Jade als Sitz gestaltet war und so wohl einst als Thron eines Hohepriesters gedient haben könnte. Archäologen sehen zudem einen Zusammenhang zwischen dem Baustil der Tolteken und der Architektur der Stufenpyramide Castillo, weshalb die bereits bestehende Annahme erhärtet wurde, dass die Kultur der Mayas unter toltekischem Einfluss stand.

Das „Castillo“ ist der unbestrittene Publikumsmagnet in Chichén Itzá. Es besitzt diesen Rang allerdings nicht nur aufgrund seiner beeindruckenden Bauweise und Größe, sondern auch aus einem weiteren Grund. Zweimal im Jahr, zur Tagundnachtgleiche, versinkt eine Seite der Pyramide fast vollständig im Schatten, dann wird nur noch die Treppe von der Sonne angestrahlt und auf ihr zeichnen sich die Stufen der Pyramide ab. Dieses gezeichnete Band vereint sich schließlich mit einem Schlangenkopf am Fuß der Pyramide und stellt so eine gefiederte Schlange dar. Die Gottheit Kulkulkan, zu deren Ehren die Stufenpyramide erbaut worden war, stellt die Wissenschaftler bis heute noch immer vor Rätsel.


 Templos de los guerreros - Der Kriegertempel 
Kriegertempel und Halle der 1000 SäulenDer Kriegstempel ist ein schönes Beispiel für die Maya-Toltekische Architektur. Er steht nordöstlich der Pyramide von Kukulán, am nördlichen Ende der 1000 Säulen.

Die oberste Plattform erreicht man über eine Treppe, die allerdings für Touristen gesperrt ist. Dort ist der Gott Chac Mol in halb liegender Haltung zu sehen. Durch einen Irrtum wurde ihm der Name Chac Mol durch einen französischen Archäologen verliehen, er hat nichts mit dem Regengott Chac zu tun. Die unteren Wände sowie einige Säulen sind mit Maskenreliefs geschmückt. Jene Masken stellen Krieger und Adler dar, welche Menschenherzen zerfressen. Auf der oberen Plattform befindet sich der Tempeleingang, der mit zwei Schlagpfeilern markiert ist. Diese Schlagpfeiler entsprechen toltekischem Stil. Hingegen entstammen die Rüsselnasen des Regengottes Chac, wie sie an den Tempelrändern zusehen sind, dem Baustil der Maya.

Auf der Nordseite des Tempels befindet sich eine Treppe, die ins Tempelinnere führt. Dieser Tempel ist von einer prunkvollen Säulenhalle umgeben, die als „Halle der 1000 Säulen“ bezeichnet wird (span. Grupo de las Mil Columnas).


Iglesia - Die Kirche 
Die sogenannte Iglesia (Kirche) befindet sich am südlichen Rand der Stätte und gehört zu einer Gruppe weiterer Puuc-Monumente wie dem Haus der Nonnen. Sie ist mit langnasigen Göttermasken bedeckt und weist die zurückgesetzten Friese auf, die für die endklassische Architektur der Puuc-Region charakteristisch waren. Die Iglesia ist dem Regengott Chac gewidmet. Sie besitzt nur eine Tür und die Fassade ist vollständig ausgeschmückt mit Abbildungen von Tieren und Göttern. Man nimmt an, dass die Iglesia eine Grabanlage gewesen ist.


Caracol - Der Schneckenturm 
Caracol - SchneckenturmDer Caracol liegt im Süden von Chichén Itzá, direkt neben der Iglesia. Das Bauwerk in Chichén Itzá ist nicht zu verwechseln mit Caracol, einer Urwaldstadt der Maya im heutigen Belize. Das Gebäude in Chichén Itzá stellt ein Observatorium dar, in der Bauweise mit einem runden Gebäude mit steinerner Kuppel erinnert es auch an eine europäische Sternwarte. Runde Gebäude sind eigentlich in Mittelamerika selten.

Caracol bedeutet „Schneckenturm“, dieser Begriff kommt von der Wendeltreppe im Inneren, die in den obersten Aufbau des Gebäudes führt. Das Gebäude baut sich in drei Stufen auf: die beiden unteren "Plattformen" sind genau symmetrisch zu den anderen Gebäuden ausgerichtet. Anders jedoch die Sternenwarte selbst, Sie ist in einem anderen Winkel ausgerichtet, was bei einer Luftaufnahme sehr gut zu erkennen ist. Grund für die unterschiedlichen Ausrichtungen war wohl dass zuerst ein Tempel gebaut werden sollte, sich jedoch die Wissenschaftler gegen dieses Vorhaben wehrten weil der Platz ihrer Ansicht nach ideal für ein Observatorium war. Die Sternenwarte wurde so ausgerichtet, dass man die Venus, den Sonnenuntergang und den astronomischen Süden sehen konnte.

Der Baustil des Schneckenhauses war der Puuc-Stil, in dem bis zur Endklassik Gebäude errichtet wurden.


Juego de Pelota - Der Ballspielplatz 
Zielring des BallspielplatzesIn Chichén Itzá hat man insgesamt zwölf Ballspielplätze gefunden. Der Juego de Pelota stellt den größten und bedeutendsten von mehr als 520 Ballspielplätzen auf Yucatán dar. Er befindet sich ungefähr einhundert Meter nordwestlich der Pyramide von Kulkulkan. Die Ausmaße des Spielfeldes betragen 168 x 38 m und es wird von acht Meter hohen Mauern flankiert, die unter anderem für das Publikum gedacht waren. Die Form der Spielfläche erinnert an zwei gegeneinandergestellte „T“.

Das Ballspiel war an sich unmenschlich anstrengend. In der Höhe von 6,50 Metern ist an jeder Seite je ein schlangenverzierter Ring befestigt, durch den der Ball geschlagen werden musste. Für den Ball gab es verschiedene Gewichtsklassen: 400, 1000, 2000 oder 4000 Gramm. Der Ball musste ohne Hilfe der Hände und Beine gespielt werden (also mit Schultern, Brust und Hüfte). Grund hierfür war dass der Ball den Weg der Sonne repräsentierte. Auf Abbildungen kann man die Schutzkleidung erkennen, diese war aus gehärtetem Leder gefertigt, außerdem trug ein Teil der Spieler zwei verschiedene Schuhe. Einer davon hatte einen Schutz für den Knöchel damit sich der Spieler beim hinrutschen zum Ball nicht verletzte. Ging der Ball ins Aus wurde er mit Hilfe eines Stocks zurück ins Spiel gebracht (man durfte den Ball ja nicht mit Hand oder Fuß berühren).

Die Motive der beiden Ringe lassen Rückschlüsse auf das Spiel zu. Volkskundler in Mexiko sind sich bis heute nicht sicher ob nicht der Mannschaftskapitän der Verlierer, sondern sogar der der Gewinner geopfert wurde. Jede Mannschaft hatte zwischen fünf und sieben Spieler, die bisweilen auch ungleich aufgeteilt wurden.

Besondere Aufmerksamkeit jedoch sollte der Akustik des Spielplatzes gewidmet werden. Heute, da die interessanten Stellen abgesperrt sind, stellt man sich jeweils in die mittigen Kopfgebäude, so kann man sich in Ruhe unterhalten, obwohl der andere fast 200 Meter weit entfernt ist, ohne dass Drittpersonen die Unterhaltung mitbekommen. Was allerdings heute noch funktioniert, ist, dass wenn man irgendwo auf dem Platz in die Hände klatscht, man ein 7-faches Echo erhält, da die Mauern am Rande des Spielfelds aus sieben verschiedenen Kalk-und Sandsteinen gebaut wurden. Eine solche Konstruktion ist eine wahre Meisterleistung architektonischen Handwerks.


Cenote - Der heilige Brunnen 
Cenote - BrunnenEtwa vierhundert Meter geradewegs nördlich der Pyramide von Kulkulkan liegt die beeindruckende Cenote Sagrada, zu Deutsch der heilige Brunnen. Von ihm hat Chichén Itza auch seinen Namen, nämlich Brunnen der Itza. Im Stadtgebiet von Chichén Itzá befinden sich zwei Cenoten, von denen die eine ein heiliger Opferplatz war. Auf seinem Grund fand man große Mengen von Gegenständen, unter anderem Schmuckstücke, Jade, Gold und verschiedene Keramiken. Zudem barg man über fünfzig Skelette der Geopferten.

Um 1960 wurden die bedeutendsten Untersuchungen an der Cenote vorgenommen, die viele tausend Fundstücke zutage brachten. Die Bedeutung dieses Brunnens übertrifft die jedes anderen auf Yucatán.


Weitere Gebäude 
Tempel der 1000 SäulenZu den weiteren Gebäuden in der Tempelstadt Chichén Itzá gehörte zu den bereits genannten architektonischen Meisterleistungen die Plattform der Venus. Sie befindet sich neben der großen Pyramide, die Treppen der Plattform werden flankiert von einem Schlangenkopf, der Quetzalcoatl-Kulkulkan als Morgenstern darstellt.

Am Rande Chichén Itzás stehen das Grab des hohen Priesters und das rote Haus. Ersteres ist pyramidenförmig gebaut, wobei Schlangen die Treppen säumen. In seinem Innern führt ein vierundzwanzig Meter tiefer Schacht zu den Gräbern hinunter. Das rote Haus wiederum erhielt seinen treffenden Namen von den rot bemalten Fragmenten, die man im Inneren des Hauses fand. Das Gebäude diente wahrscheinlich öffentlichen und religiösen Zwecken.

Der Markt der Tempelstadt Chichén Itzá ist ein Beispiel für Hofgalerien, die nach der Blütezeit der Maya entstanden. Der Platz ist gesäumt von Säulen und kann über weite Treppen erreicht werden. Weitere Bauten sind die Gräberplattform, die nordöstliche Kolonnade, die skulpierten Säulen und das Nonnenkloster. Das Gebäude, dessen Zweck nichts mit einem Kloster zu tun hat, wurde von den Spaniern benannt. Sie glaubten, es diene als Wohnstätte zur Opferung bestimmter Jungfrauen.


Heutige Bedeutung 
Die UNESCO erklärte Chichén Itzá 1988 zum Welterbe.

2007 wurde Chichén Itzá im Rahmen einer Privatinitiative nach Angaben der Veranstalter von weltweit 70 Millionen Menschen zu einem der „neuen sieben Weltwunder“ gewählt[1]. Sowohl die UNESCO als offizielle Hüterin des Weltkulturerbes als z.B. auch Ägypten (Antike Weltwunder: Pyramiden von Gizeh) distanzierten sich von der als „private Kampagne“ ohne wissenschaftliche Kriterien bezeichneten Wahl[2].


Tourismus 
Der Tourismus begann schon vor über einem Jahrhundert, nachdem der Amerikaner John Lloyd Stephens das 2-bändige Buch: "Incidents of Travel in Yucatan" 1843 veröffentlichte. Heute ist Chichén Itzá die nach Cancún am zweithäufigsten besuchte archäologische Stätte in Mexiko. Einige Monumente, darunter El Castillo, wurden von der verwaltenden INAH (National Institute of Anthropology and History) für den öffentlichen Zugang gesperrt.


Quellen 
THE NEW 7 WONDERS OF THE WORLD: Weltweite Wahl (engl.), 7. Juli 2007
↑ Bericht in Spiegel Online: Umstrittene Abstimmung, 8. Juli 2007

Kolosseum

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Das Kolosseum (antiker Name: Amphitheatrum Novum oder Amphitheatrum Flavium) ist das größte der im antiken Rom erbauten Amphitheater und der größte geschlossene Bau der römischen Antike überhaupt. Es ist eines der Wahrzeichen der Stadt und zugleich ein Zeugnis für die hochstehende Baukunst der alten Römer wie für ihre Freude an grausamer Unterhaltung.



Baugeschichte
 
180°-Foto des Kolosseums in Rom
Innenraum des Kolosseums
Innenraum des KolosseumsBis zu ihrer Vernichtung während des großen Brandes von Rom im Jahre 64 n. Chr. stand auf dem Marsfeld eine aus Holz konstruierte Arena für Gladiatorenkämpfe, die Kaiser Nero gestiftet hatte. Sie dürfte sich nicht wesentlich von den Amphitheatern außerhalb Roms unterschieden haben. Nach dem Brand errichtete Nero am Südhang des Hügels Esquilin eine neue Palastanlage, die Domus Aurea. Die Gärten der Domus Aurea umfassten auch den späteren Standort des Kolosseums in der Talsenke zwischen den Hügeln Oppius (Teil des Esquilin) und Palatin.

Um 72, wenige Jahre nach Neros Sturz, gab sein Nachfolger Vespasian das Gebiet der Öffentlichkeit zurück. Er ließ in wenigen Jahren ein Amphitheater errichten, das nicht nur Neros Vorgängerbau auf dem Marsfeld, sondern alle bisherigen Arenen übertreffen sollte. Nach einer neueren Rekonstruktion der Bauinschrift des Kolosseums wurde seine Errichtung aus der Beute des jüdischen Krieges, unter anderem mit dem im Jahr 70 geplünderten Goldschatz des Tempels von Jerusalem finanziert.

Das Gebäude, das ursprünglich dreigeschossig sein sollte, war beim Tod Vespasians 79 fast vollendet. Es bestand aus drei übereinander angeordneten Arkadenreihen zu je 80 Bögen. Die Arkaden wurden durch Halbsäulen gegliedert: die zu ebener Erde im toskanischen, die des zweiten Geschosses im ionischen und die des dritten Geschosses im korinthischen Stil. Auf Wunsch von Vespasians Sohn Titus wurde den drei Rundbogengeschossen noch ein viertes Geschoss hinzugefügt, das nicht von Arkaden durchbrochen, sondern massiv gestaltet und nur von rechteckigen Fensternischen durchbrochen wurde. Die Außenmauern des Kolosseums wurden in Travertin ausgeführt, im Inneren wurden jedoch die billigeren Ziegel und Tuff verwendet.

Nach seiner Fertigstellung im Jahr 80 wurde das Kolosseum dem Geschichtsschreiber Cassius Dio zufolge mit hunderttägigen Spielen eröffnet, unter anderem mit Gladiatorenkämpfen, nachgestellten Seeschlachten und Tierhetzen, bei denen 5000 Tiere in der Arena getötet wurden.


Die Architektur
 
Schnittzeichnung aus dem Lexikon der gesamten Technik (1904) von Otto LuegerDas Kolosseum war nicht nur eine architektonische, sondern auch eine bis ins letzte durchdachte logistische Meisterleistung.


Eingangssystem
Die Zuschauer konnten durch über 80 Eingänge in die Arena gelangen. Vier davon waren privilegierten Gästen wie dem Kaiser, Senatoren und hohen Staatsbeamten, den Vestalinnen und den Priestern vorbehalten.

Das ausgeklügelte Eingangssystem mit seinen zahlreichen Treppen und umlaufenden Korridoren ist so bis heute bei Stadionbauten gebräuchlich. Damit war es möglich, das Kolosseum in 15 Minuten mit Zuschauern zu füllen und es in nur fünf Minuten auch wieder zu leeren. Der lateinische Begriff für dieses System war vomitoria (zu vomere, „erbrechen“).


Die Anordnung der Sitzplätze
Im Kolosseum konnten nach heutigen Berechnungen ca. 50.000 Zuschauer Platz finden. Das podium, die erste Reihe der Sitzplätze, war den römischen Senatoren vorbehalten. Auch die kaiserliche Loge (pulvinar) befand sich hier. Spezielle Plätze gab es auch für die Vestalinnen, die traditionsgemäß öffentlichen Schauspielen beiwohnten. Darüber lag das moenianum primum, das dem Stand der Equites vorbehalten war. Die darüber befindlichen Reihen moenianum secundum waren in drei Sektoren unterteilt. Der unterste Sektor (immum) diente den wohlhabenden Bürgern, während der oberste Sektor (summum) den ärmsten Bewohnern Roms vorbehalten war. Schlechter waren nur noch die Frauen der untersten Schichten untergebracht. Für sie gab es Stehplätze auf einer Holzkonstruktion auf dem obersten Geschoss (maenianum secundum in ligneis), das Titus anbauen ließ.


Die Arena
Das Kolosseum ist ellipsenförmig gebaut. Seine Breite beträgt 156 Meter, die Länge 188 Meter, der Umfang 527 Meter, die Höhe 48 Meter. Auch der Boden der Arena war elliptisch, mit einer Breite von 54 Metern und einer Länge von 86 Metern. Die runde Form sollte verhindern, dass Gladiatoren, zum Tode Verurteilte oder gejagte Tiere in einer Ecke Schutz suchen konnten. Zudem erlaubte die Ellipse den Zuschauern, näher am Geschehen zu sein als in einer kreisförmigen Arena.

Den Boden der Arena bildeten Holzbohlen, die sich nach Bedarf entfernen ließen. Darunter befanden sich die Kellerräume und das 7 Meter dicke Fundament. Auf dem Obergeschoss, dessen Bau Titus veranlasst hatte, wurden Mastbäume befestigt, an denen ein riesiges, schattenspendendes Sonnensegel (velarium) aufgezogen werden konnte. Dazu wurden Seesoldaten der bei Misenum (am Golf von Neapel) stationierten römischen Flotteneinheiten herangezogen.


Unterkellerung und Bühnentechnik
 
Die Unterkellerung des KolosseumsDer Raum unterhalb des Arenabodens war ursprünglich nicht bebaut. Nach Entfernung der Holzbohlen konnte er geflutet werden, etwa für die Naumachien (Seeschlachten), wie sie Titus nachweislich zur Einweihung des Kolosseums aufführen ließ.

Man vermutet, dass die Arena bereits unter Titus' Bruder und Nachfolger Domitian in verschiedene Kellerräume untergliedert wurde. Damit entstand das sogenannte hypogeum - ein System aus Räumen, Gängen und Versorgungsschächten. Hier befanden sich Kerker für die zum Tod Verurteilten, der unterirdische Zugang von der benachbarten Gladiatorenkaserne (Ludus Magnus), Käfige für wilde Tiere und die Einrichtungen der höchst komplizierten Bühnenmaschinerie wie Falltüren, Rampen und Aufzüge. Mit Hilfe eines komplexen Systems von Winden und Flaschenzügen konnten aufwändige Dekorationen und Bühnenbilder in die Arena befördert werden. Innerhalb weniger Minuten konnte sich zur Überraschung der Zuschauer beispielsweise eine komplette Wald- oder eine Wüstenlandschaft aus dem Boden erheben.


Die Nutzung des Kolosseums
Als Arena war das Kolosseum über 400 Jahre lang in Betrieb, unterbrochen nur in den Jahren von 217 bis 238, als es nach einem durch Blitzschlag verursachten Brand renoviert werden musste.


Kaiserzeit
Das Kolosseum war der Veranstaltungsort von in aller Regel höchst grausamen Spielen, die von Mitgliedern des Kaiserhauses ausgerichtet wurden und zu denen jeder freie Bewohner Roms kostenlos Zutritt hatte.

Üblich waren vor allem Gladiatorenkämpfe (munera) und Tierhetzen (venationes), wobei Kämpfe zwischen besonders exotischen Tieren am beliebtesten waren. Zu fast allen Spielen gehörte auch die Exekution von Verurteilten, vor allem jener, über die die damnatio ad bestias, der Tod durch wilde Tiere, verhängt worden war. Zu Beginn fanden auch Schiffskämpfe (Naumachiae) im Kolosseum statt, was aber nach der Unterkellerung der Arena nicht mehr möglich war.

Einige Historiker schätzen, dass im Laufe der Jahrhunderte etwa 300.000 - 500.000 Menschen und noch lange nach ihnen viele Millionen Tiere im Kolosseum starben. In der Arena wurde dann vermutlich mehr Blut vergossen, als an jedem anderen Ort der Erde von vergleichbarer Größe. Nicht wenige Gelehrte halten diese Zahlen aber für viel zu hoch gegriffen.


Spätantike
Nach der Christianisierung des Römischen Reichs blieb Rom, das die Hauptstadtfunktion bereits an Mailand und Ravenna (Weströmisches Reich) beziehungsweise Konstantinopel (Oströmisches Reich) verloren hatte, zunächst noch eine Hochburg des Heidentums. Daher fanden im Kolosseum noch für weitere hundert Jahre Gladiatorenkämpfe statt, zuletzt wohl 434/435. Bereits unter Kaiser Honorius war die Spieltätigkeit aber weitgehend eingeschränkt worden. Die Tierhetzen blieben aber gestattet und wurden auch nach dem Ende des Weströmischen Reichs unter der Herrschaft der Ostgoten fortgesetzt. Die letzte, von der die Quellen berichten, fand 523 unter der Herrschaft Theoderichs des Großen statt. Das Christentum lehnte die Spiele ab, und wegen des rapiden Bevölkerungsrückgangs Roms in der Zeit der spätantiken Völkerwanderung lohnte sich der Aufwand nicht mehr. Zur Zeit der letzten Tierhetze war das Kolosseum bereits durch Erdbeben beschädigt, doch hatten die Ostgoten noch Reparaturen durchführen lassen. Spätestens nach den schweren Zerstörungen, die Rom während der Rückeroberungskriege des oströmischen Kaisers Justinian I. erlitten hatte, verfiel das Kolosseum.


Vom Mittelalter bis heute
Seit dem späteren 6. Jahrhundert nutzten die verbliebenen Bewohner der verfallenden Stadt die Arkaden und Gänge des Kolosseums, um Wohnräume darin einzurichten. Schwere Schäden verursachten zwei Erdbeben in den Jahren 847 und 1349. Im 12. Jahrhundert wurde die Arena zum Teil in die Stadtfestung des Adelsgeschlechts der Frangipani einbezogen. Während des ganzen Mittelalters bis in die Zeit der Renaissance und des Barocks wurde das Kolosseum aber von den herrschenden Familien Roms und den Päpsten immer wieder als Steinbruch für ihre Bauten genutzt. So blieb vom äußeren Ring der monumentalen, viergeschossigen Fassade nur die nördliche Hälfte erhalten.

Die allmähliche Zerstörung wurde erst beendet, nachdem Papst Benedikt XIV. das Kolosseum im 18. Jahrhundert zur geweihten Märtyrer-Stätte erklärte. Bis heute findet im Kolosseum an jedem Karfreitag eine Prozession (Via Crucis) zum Gedenken an die christlichen Märtyrer statt. Im 19. Jahrhundert wurde schließlich damit begonnen, den verfallenen Bau zu sichern und archäologisch zu erforschen. Durch Untersuchungen im Kellergeschoss unter der Arena konnte erst kürzlich die Funktionsweise der antiken Bühnentechnik geklärt werden.


Die Herkunft des Namens
Die antike Bezeichnung Amphitheatrum Flavium leitet sich von den Kaisern der flavischen Dynastie her, in deren Herrschaftszeit das Kolosseum errichtet wurde.

Seit dem 8. Jahrhundert lässt sich die Bezeichnung Kolosseum historisch belegen. Die überwiegend anerkannte Deutung dieses Namens geht von einer Kolossalstatue des Kaisers Nero aus, die nach dessen Tod in eine Statue des Sonnengottes Sol umgewandelt und neben dem Amphitheater aufgestellt wurde. Dieser Colossus, der mindestens bis zum 3. Jahrhundert gestanden hat, dürfte der Arena den Namen gegeben haben.

Auszuschließen ist, dass die römische Bevölkerung des Mittelalters den Bau einfach wegen seiner kolossalen Ausmaße Colosseo genannt hat, da das italienische Wort colosso für „Koloss“ erst seit dem 15. Jahrhundert in Gebrauch ist.


Denkmal gegen die Todesstrafe
Auf Initiative mehrerer Menschenrechtsorganisationen dient das Kolosseum seit dem Jahre 1999 als Monument gegen die Todesstrafe. Immer wenn ein Todesurteil ausgesetzt wird oder ein Staat dieser Welt die Todesstrafe abschafft, wird das Kolosseum 48 Stunden lang in bunten Farben angestrahlt – was aber nur selten geschieht.


Das Kolosseum in Literatur und Film
Sowohl Literatur als auch Film bemühten sich wiederholt, dem Leser und Zuschauer einen lebendigen Eindruck der Atmosphäre zur Zeit der Veranstaltungen in der Antike zu vermitteln. Beispielhaft stehen hierfür die Schilderungen im berühmten und mehrfach verfilmten Roman Quo vadis von Henryk Sienkiewicz als auch der durch seine Trickaufnahmen herausragende Film Gladiator aus dem Jahr 2000 mit Russell Crowe in der Hauptrolle, der das Bauwerk aus verschiedenen Aufnahmepositionen von innen und außen zeigt, auch durch Luftaufnahmen mit Hilfe eines Modells.

Im Jahre 1972 drehte Bruce Lee die letzten Szenen seines Films Die Todeskralle schlägt wieder zu im Kolosseum. Der legendäre Endkampf zwischen Bruce Lee und Chuck Norris fand innerhalb des Bauwerks statt.


Literatur
Heinz Jürgen Beste: Neue Forschungsergebnisse zu einem Aufzugsystem im Untergeschoß des Kolosseums. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts. Römische Abteilung. Nr. 106, 1999, ISSN 0342-1287, S. 249–276.
Peter Conolly, Hazel Dodge: Die antike Stadt. Könemann, Köln 1998, ISBN 3-8290-1104-0.
Heinz-Joachim Fischer: Rom. Zweieinhalb Jahrtausende Geschichte, Kunst und Kultur der Ewigen Stadt. DuMont Buchverlag, Köln 2001, ISBN 3-7701-5607-2, S. 187–189.
Anton Henze: Kunstführer Rom. Reclam, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-010402-5, S. 115–118.
Brigitte Hinzen-Bohlen: Rom. Könemann, Köln 2000, ISBN 3-8290-3106-8.
Giuseppe Lugli: Das Flavische Amphitheater. Bardi, Roma 1971.
Fik Meijer: Gladiatoren. Das Spiel auf Leben und Tod. Artemis & Winkler, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7608-2303-3.
Sofia Pescarin: Rom. Antike Bauwerke der Ewigen Stadt. K. Müller, Köln 2004, ISBN 3-89893-562-0.

Taj Mahal

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Dieser Artikel behandelt den Mausoleumsbau Taj Mahal in Indien. Über den US-amerikanischen Blues-Musiker gleichen Namens siehe Taj Mahal (Musiker).

 
Taj MahalDer Taj Mahal (تاج محل‎ – tāj mahal, wörtl.: „Kronen-Palast“; hindi: m., ताजमहल, tājamahala) ist ein 58 m hohes und 56 m breites Mausoleum, welches in der Nähe Agras im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh auf einer 100 m x 100 m großen Marmorplattform errichtet wurde. Des weiteren wurde vor ihm ein 18 Hektar großer Garten angelegt, in dessen Zentrum sich ein längliches Wasserbecken befindet. Der Großmogul Shah Jahan ließ ihn zum Gedenken an seine 1631 verstorbene Hauptfrau Mumtaz Mahal (Arjumand Bano Begum) erbauen.



Geschichte 
Der Taj Mahal an der Jamuna
Ein Giebel des Mausoleums
Detail der AußenverkleidungDer Bau des Taj Mahal wurde kurz nach dem Tod Mumtaz Mahals im Jahr 1631 begonnen und bis 1648 fertiggestellt [1]. Beteiligt waren über 20.000 Handwerker aus ganz Süd- und Zentralasien, die von dem aus Badakhshan abstammenden Perser Abu Fazel geleitet wurden. Die persische Architektur geht auf ihn zurück, die er gekonnt mit der indischen Baukunst harmonisch miteinander verschmelzen ließ.

Eine weit verbreitete Legende besagt, dass ursprünglich noch ein gleiches Bauwerk aus schwarzem Marmor als Mausoleum für Shah Jahan selbst auf der anderen Seite des Flusses Yamuna geplant war, das aber nicht verwirklicht wurde; dazu laufen Ausgrabungen (gut auf Satellitenbildern zu erkennen). Schah Jahan wurde zuvor von seinem Sohn Muhammad Aurangzeb Alamgir entmachtet und verbrachte den Rest seines Lebens als Gefangener. 1666 wurde er neben seiner Gattin beigesetzt. Sein Grab zerstört dabei die Symmetrie des Gebäudes, was als Beleg dafür bewertet werden darf, dass er vorhatte, sich ein eigenes Grabmal zu errichten, zumal er, um diese Symmetrie zu bewahren, ein Rasthaus auf der östlichen Seite des Gebäudes errichten ließ, das der Moschee auf der westlichen Seite durchaus ähnlich ist. Des Weiteren befindet sich der Taj Mahal nicht im Zentrum des angelegten Gartens, wie üblich bei persischen Grabmälern, sondern am nördlichen Rand, was auch nahelegt, dass ein weiteres Grabmal auf dem gegenüberliegenden Ufer geplant war, denn die zwei vom Fluss getrennten Gebäude wären wiederum im Zentrum des nunmehr großen Gartenareals gewesen, wie es dem persischen Verständnis vom Himmel als von einem Charbagh (Garten geteilt in vier Quadranten, durch die vier Wasserkänale von einem zentralen Gebäude, das den Thron Gottes darstellen soll, in die vier Richtungen fließen) entspricht. Das Grabmal Humayuns z. B. in Delhi bleibt dieser Konzeption treu, in dem das Mausoleum sich ganz in der Mitte eines Charbaghs befindet.

Der Taj Mahal besteht aus Baumaterialien, die aus ganz Indien und Asien herangeschafft wurden. Über 1.000 Elefanten wurden zum Transport herangezogen. 28 verschiedene Arten von Edelsteinen und Halbedelsteinen wurden in den Marmor eingefügt.

Die vier um das Hauptgebäude herum angeordneten Minarette sind leicht geneigt, damit sie im Falle eines Erdbebens vom Hauptgebäude weg stürzen. Da Mekka von dort aus gesehen im Westen liegt, befindet sich in dieser Himmelsrichtung eine Moschee. Symmetrisch dazu liegt mit gleichem Grundriss im Osten ein Gästehaus.

Einer weiteren Legende zufolge planten die britischen Kolonialherren unter dem Gouverneur Lord William Bentinck im 19. Jahrhundert, das stark vernachlässigte Gebäude stückweise auf Auktionen in England zu verkaufen. Es existieren aber auch für diese Geschichte keine Beweise. Laut dem Bentinck-Biographen John Rosselli erwuchs diese Erzählung vielmehr daraus, dass durchaus versucht wurde, Teile des Roten Forts und andere archäologische Funde aus Agra gewinnbringend zu verkaufen.


350-Jahr-Feier 
Das Eingangsgebäude zum Areal des Taj Mahal
Blick vom EingangsgebäudeAm 27. September 2004 wurde von der Regierung des indischen Bundesstaates Uttar Pradesh in einer Feier offiziell der 350. Jahrestag der Vollendung des Taj Mahal begangen. Ein halbes Jahr lang wurde in weiteren Veranstaltungen die herausragende Bedeutung des Bauwerks gewürdigt. Die Feierlichkeiten fanden, um das Mausoleum zu schonen, in etwa zwei Kilometer Entfernung davon statt.

Das Datum der Fertigstellung im Jahr 1654 ist umstritten. Die Kritiker stützen sich dabei auf drei Argumente:

Der damalige Hofchronist Abdul Hamid Lahori vermerkte in einem Dokument, dass ein halbes Jahr nach dem Tode von Mumtaz Mahal (gestorben am 17. Juni 1631) mit dem Bau begonnen worden sei und die Bauzeit zwölf Jahre betragen habe. Demnach müsste das Mausoleum schon 1644 fertiggestellt worden sein.
Eine Inschrift über dem Haupteingang enthält die Jahreszahl 1648 als Fertigstellungsangabe.
Aus dem Jahr 1652 existiert ein Brief des Prinzen Aurangzeb, des Sohnes von Shah Jahan, der besagt, dass der Taj Mahal reparaturbedürftig sei.
In den örtlichen Medien gab es Mutmaßungen, dass die Festivitäten veranstaltet würden, um den Tourismus in der Region zu beleben. Demgegenüber betonte der Tourismusminister, dass die Ursache zwei aufgefundene Bücher seien, die das Datum enthielten. Welche Bücher dies waren, gab er allerdings nicht bekannt.


Heutige Bedeutung 
Der Taj Mahal wurde 1983 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Heute gilt der Taj Mahal wegen der perfekten Harmonie seiner Proportionen als eines der schönsten und bedeutendsten Beispiele des Mogulstils in der islamischen Kunst.

Rabindranath Tagore beschrieb in einem seiner Gedichte den Taj Mahal als „eine Träne auf der Wange der Zeit“.

Abgesehen von seiner Bedeutung als Touristenattraktion ist der Taj Mahal auch beliebtes Besuchsziel frischvermählter indischer Eheleute, da der Besuch die gegenseitige Liebe dauerhaft machen und bestärken soll.

2007 wurde der Taj Mahal im Rahmen einer Privatinitiative nach Angaben der Veranstalter von weltweit 70 Millionen Menschen [2] zu einem der „neuen sieben Weltwunder“ gewählt. Sowohl die UNESCO als offizielle Hüterin des Weltkulturerbes als z.B. auch Ägypten (Antike Weltwunder: Pyramiden von Gizeh) distanzierten sich von der als „private Kampagne“ ohne wissenschaftliche Kriterien bezeichneten Wahl[3].


Sicherheitsmaßnahmen 
Wegen eingegangener Bombendrohungen haben die indischen Behörden die Sicherheitsvorkehrungen im Jahr 2006 verstärkt. Das Gelände des Taj Mahal kann nur noch durch Sicherheitsschleusen betreten werden. Die Mitnahme von Flüssigkeiten, ausgenommen Trinkwasser, ist Besuchern nicht mehr erlaubt. Das Baudenkmal wird von Soldaten rund um die Uhr bewacht. In seinem Umkreis wurde ein Flugverbot erlassen.


Umweltschäden 
Das Bauwerk und Teile des Gartens wurden über einige Jahrzehnte lang restauriert. Laut einem Bericht der sto/AP vom 16. Mai 2007 verfärbt sich das Taj Mahal durch industrielle Luftverschmutzung trotz aller Konservationsbemühungen gelb. Inzwischen dürfen sich Autos und Busse nur noch auf zwei Kilometer nähern und eine Restaurierung wird erwogen.


Quellen 
UNESCO World Heritage Centre: Taj Mahal (engl.), 30. Apr. 2006
↑ THE NEW 7 WONDERS OF THE WORLD: Weltweite Wahl (engl.), 7. Juli 2007
↑ Bericht in Spiegel Online: Umstrittene Abstimmung, 8. Juli 2007

 Literatur 
W. E. Begley [Hrsg.]: Taj Mahal. The Illumined Tomb. The Aga Khan Programm for Islamic Architecture, Harvard University and Massachusetts Institute of Technology Cambridge, Mass., 1989, ISBN 0-295-96944-X.

http://de.wikipedia.org/wiki/Weltwunder
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