Die 7 neuen Weltwunder
Und eines davon bin ich…das zweite…
1. Chinesische Mauer
2. Petra
3. Christo Redentor
4. Machu Picchu
5. Chichen Itza
6. Kolosseum
7. Taj Mahal
Größeres Medienecho erreichte Mitte der 2000er Jahre
die von
dem Schweizer Bernard Weber initiierte Wahl zu den „New 7
Wonders
of the World“. Bis Juli 2007 wurden aus heute noch
bestehenden
Bauwerken aller geschichtlichen Epochen sieben „neue
Weltwunder“ ausgewählt. Die Bekanntgabe des
Ergebnisses
erfolgte am 7. Juli 2007 in Lissabon. Auf Kritik stieß die
Aktion
unter anderem weil zwar theoretisch jeder Erdenbürger online
oder
telefonisch am Abstimmungsprozess teilnehmen konnte, die
überwiegende Mehrheit der Menschen aber keinen Zugang zu
diesen
Technologien hat (Digitale Kluft). Zudem wurden auf die telefonische
Stimmabgabe Gebühren erhoben. Die UNESCO distanzierte sich von
der
Wahl der neuen sieben Weltwunder, da diese keinen wissenschaftlichen
Gesichtspunkten genüge.
Die Pyramiden von Gizeh waren, als einziges noch bestehendes der Sieben
Weltwunder der Antike, von der Wahl ausgenommen. Das Schloss
Neuschwanstein als deutscher Kandidat wurde nicht in die Liste
gewählt. Aus 21 Finalkandidaten wurden von, nach Angaben der
Veranstalter, 70 Millionen Menschen (eine mehrfache Stimmabgabe war
möglich) gewählt:
Chinesische
Mauer
Dieser Artikel beschreibt das Bauwerk Chinesische Mauer.
Das Kinderspiel Chinesische Mauer findet sich unter Fangen (Spiel).
Auch die angestrebte Trennung von Analysten und
Wertpapierhändlern
in einem Bankhaus zur Verhinderung von Insidergeschäften wird
im
Fachjargon als „Chinesische Mauer“ bezeichnet.
Chinesische Mauer im WinterDie Chinesische Mauer (chin. 万里长城/萬裡長城,
Wànlĭ Chángchéng „10.000 Li
lange
Mauer“; auch chin. 中国长城/中國長城, Zhōngguó
Chángchéng „Lange chinesische
Mauer“, auf
deutsch ist jedoch der Name „Große Chinesische
Mauer“
geläufig) ist mit 6.350 km Länge (Hauptmauer 2.400
km) und
auch hinsichtlich Volumen und Masse das größte
Bauwerk der
Welt. Dabei besteht die Mauer aus einem System mehrerer teilweise auch
nicht miteinander verbundener Abschnitte unterschiedlichen Alters und
unterschiedlicher Bauweise. Am 7. Juli 2007 wurde die Chinesische Mauer
zu einem der "Neuen Sieben Weltwunder" gewählt.
Wahrscheinlich war die Mauer ursprünglich jedoch
länger als
bisher angenommen, denn Sven Hedin und Folke Bergmann entdeckten
während ihrer Chinesisch-Schwedischen Expedition
1927–1935
Reste der Großen Mauer in der Wüste Lop Nor, die
Folke
Bergman 1937 beschrieb (siehe Literaturangaben und Lop Nor). Den
chinesischen Wissenschaftlern wurde sein Buch 2000 in einer
chinesischen Übersetzung zugänglich gemacht;
daraufhin
suchten sie Anfang 2001 die dort beschriebenen Signaltürme der
Chinesischen Mauer in der Wüste Lop Nor auf, die sich fast 500
km
westlich der Festung Jiayuguan befinden, die bei den chinesischen
Wissenschaftlern bis dahin als westlicher Endpunkt der Mauer galt. Die
Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieser Teil der Mauer gebaut
wurde, um die mittlere Route der Seidenstraße zu
schützen,
auf der reich beladene Handelskarawanen nach Westen zogen, aber sie
vermuten, dass das Ende der Mauer nicht hier gelegen ist.
Der chinesische Name "10.000 Li lange Mauer" beinhaltet eine
Längenangabe. Ein Li entspricht etwa 575,5 m, 10.000 Li sind
daher
ca. 5.755 km. Die Zahl 10.000 steht im chinesischen jedoch für
Unendlichkeit bzw. eine unzählbare Menge (vgl. Myriade),
weshalb
der Ausdruck etwa „unvorstellbar lange Mauer“
bedeutet.
Der bekannteste, restaurierte Mauerabschnitt erstreckt sich bei
Badaling, 70 km nordwestlich von Peking. (Touristcenter 40° 21'
25"
N, 116° 0' 7" O)
Geschichte
Verlauf der Chinesischen Mauer
Unrestaurierter Wachturm
Die Chinesische Mauer stellenweise in schlechtem Zustand.
Satellitenbild der chinesischen Mauer bei sehr guten
Witterungsbedingungen, 2001
Touristen auf der MauerErste mauerartige Grenzbefestigungen entstanden
wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v.
Chr.
in der Zeit der Streitenden Reiche als Schutz gegen die sich
untereinander befehdenden Chinesen. Diese einzelnen Mauerabschnitte
bestanden aus festgeklopftem Lehm, der zur besseren Haltbarkeit mit
Stroh- und Reisigschichten vermischt wurde.
214 v. Chr. ließ der erste chinesische Kaiser, Qin
Shihuangdi,
Schutzwälle errichten, die das chinesische Kaiserreich, nach
der
Expansion über den Gelben Fluss, gegen die Völker aus
dem
Norden, vor allem die Xiongnu, schützen sollte. Im Unterschied
zu
schon vorhandenen alten Mauerresten wurde die Mauer nicht in den
Tälern, sondern unterhalb der Kammlinie der Gebirge an den
Nordabhängen errichtet. Sie bestand wegen des Fehlens von Lehm
größten Teils aus aufeinander geschichteten
Natursteinplatten.
Seitdem wurde die Mauer immer wieder aus- und umgebaut, die heute
bekannte Form (s. Bild) erhielt sie in der Zeit der Ming-Dynastie, der
letzten großen Ausbauphase. 1493 begann unter Kaiser Hongzhi
der
Bau der Ming-Mauer, die dem Schutz gegen die Mongolen und der besseren
Überwachung des Handels dienen sollte. Ihr Verlauf folgte den
Bergkämmen, eine besonders aufwendige und teure Bauweise. Sie
wurde weitgehend aus gebrannten Steinen und zum Teil auch aus
Natursteinen errichtet. Der verwendete Mörtel bestand aus
gebranntem Kalk und Klebreis. Das Innere des Mauerwerks füllte
man
mit Lehm, Sand und Schotter (Zyklopenmauer). Die Maße der
Mauer
sind recht unterschiedlich; im Gebiet von Peking sind 4 bis 8 m Breite
an der Basis und 10 m auf der Krone sowie eine Höhe von 6 bis
9 m
üblich. Im Abstand von einigen hundert Metern wurden
ungefähr
12 m hohe Türme errichtet, die als Waffenlager und
Signaltürme dienten. Daneben boten sie bei Angriffen Schutz
für die Verteidiger. Es wird geschätzt, dass bis zu
25.000
solcher Türme in der Mauer integriert waren und dass 15.000
weitere Signaltürme die Kommunikation mit der Hauptstadt
sichern
sollten. Reste von Signaltürmen wurden noch bei Kaschgar
gefunden,
der alten Handelsstadt in Chinas äußerstem Westen.
Die Wachtürme wurden nach einem einfachen Prinzip
benachrichtigt,
ob Gegner in Sicht sind. Durch ein Feuer auf den Turm, an dem eine
Sichtung stattfand, konnten benachbarte Wachtürme informiert
werden. Dies wurde durch einen geringen Abstand zwischen den
Türmen ermöglicht, welche dann die Warnung durch
Feuerzeichen
weitergeben konnten.
Zustand
Während einige Teile der Mauer in der Nähe von
Touristenzentren erhalten oder sogar restauriert wurden, sind
große Teile der Mauer in schlechtem Zustand. Teilweise werden
sie
von den Dorfbewohnern aus der Nähe als Steinquelle
für
Häuser und Straßen genutzt. Abschnitte der Mauer
wurden auch
das Opfer von Graffiti oder wurden eingerissen, um Platz für
andere Bauvorhaben zu schaffen. Die 'Gesellschaft der großen
chinesischen Mauer' setzt sich für die Erhaltung ein.
Die nationale, chinesische Kulturerbe-Behörde lässt
nun die
Chinesische Mauer vermessen. Damit soll auch die geographische Lage und
der Zustand der Mauer ermittelt werden. Die gesamte Vermessung soll
binnen vier Jahren (2007–2011) abgeschlossen sein.
Heutige Bedeutung
Die UNESCO erklärte die chinesische Mauer 1987 zum Welterbe.
2007 wurde die chinesische Mauer im Rahmen einer Privatinitiative nach
Angaben der Veranstalter von weltweit 70 Millionen Menschen im Rahmen
einer Privatinitiative[2] zu einem der „neuen sieben
Weltwunder“ gewählt. Sowohl die UNESCO als
offizielle
Hüterin des Weltkulturerbes als z.B. auch Ägypten
(Antike
Weltwunder: Pyramiden von Gizeh) distanzierten sich von der als
„private Kampagne“ ohne wissenschaftliche Kriterien
bezeichneten Wahl[3].
Sichtbarkeit aus dem Weltraum
Schon seit längerer Zeit wird behauptet, dass die chinesische
Mauer das einzige Bauwerk sei, das man mit bloßem Auge aus
dem
Weltraum sehen könne. Bei der bekannten Breite der Mauer
müsste man nach dieser Vorstellung allerdings auch jede
bessere
Landstraße aus dem Weltraum erkennen können. Was man
jedoch
bei sehr guten Sichtverhältnissen aus großer
Höhe sehen
kann, ist der Schatten der Mauer, wenn im Winter die Sonne tief steht
und die Mauer ein breites Schattenband erzeugt.
Der erste Raumfahrer Chinas – Yang Liwei – sagte
nach
seinem Raumflug im Oktober 2003: Die Aussicht war wunderschön.
Aber ich konnte die Große Mauer nicht sehen. Die chinesische
Regierung ließ daraufhin neue Schulbücher drucken,
in denen
dies geändert wurde. Schon der US-amerikanische Astronaut
James
Irwin hat nach seiner Apollo-15-Mission erklärt, es sei
unmöglich, die Große Mauer zu sehen.
Man kann allerdings andere von Menschenhand geschaffene Objekte aus dem
All sehen.
Leroy Chiao konnte jedoch 2005 angeblich von der Raumstation ISS aus
die chinesische Mauer entdecken und sogar Fotos von ihr mit einem
normalen Fotoapparat anfertigen. Nach diesen Erkenntnissen soll man
allerdings äußerst gute Witterungsbedingungen
benötigen, um die chinesische Mauer aus dem All sehen zu
können. Yang Liwei hatte demnach Pech mit dem Wetter.
Der Begriff "Weltraum" ist denkbar unscharf definiert. Die meisten
bemannten Raumfahrten fanden in einer Höhe von 300 bis 600 km
statt. Diese Höhe unterscheidet sich von der Distanz
Erde–Mond (ca. 350.000 km) erheblich.
Es ist jedoch völlig ausgeschlossen, dass sie vom Mond aus
ohne
Hilfsmittel zu sehen ist: Wäre dies möglich,
müsste ein
Mensch ein Objekt von der Größe einer Eiswaffel aus
380 km
Entfernung erkennen können.
Petra (Stadt)
Das Khazne al-Firaun am Ausgang des Siq. Das Schatzhaus des Pharao war
in Wirklichkeit ein Grabtempel.Die verlassene Felsenstadt Petra
(arabisch: البتراء al-Bitrā’) im heutigen Jordanien
war in
der Antike die Hauptstadt des Reiches der Nabatäer. Wegen
ihrer
Grabtempel, deren Monumentalfassaden direkt aus dem anstehenden Fels
gemeißelt wurden, gilt sie als einzigartiges Kulturdenkmal.
Am 6.
Dezember 1985 wurde Petra in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.
Lage und Bedeutung
Petras LageAuf halbem Weg zwischen dem Golf von Akaba und dem Toten
Meer liegt Petra 800 bis 1.350 m in einem weiten Talkessel im Bergland
von Edom, östlich der Aravasenke. Dank ihrer strategisch
günstigen Lage am Kreuzungspunkt mehrerer Karawanenwege, die
Ägypten mit Syrien und Südarabien mit dem Mittelmeer
verbanden, war die Stadt vom 5. Jahrhundert vor bis zum 3. Jahrhundert
nach Christus ein bedeutender Handelsplatz. Insbesondere kontrollierte
Petra einen wichtigen Knotenpunkt der Weihrauchstraße. Diese
uralte Handelsroute führte vom Jemen aus an der
Westküste
Arabiens entlang und teilte sich bei Petra in einen nordwestlichen
Zweig, der nach Gaza führte, und in einen
nordöstlichen in
Richtung Damaskus.
Zur günstigen Geographie kam die versteckte Lage Petras
zwischen
schroffen Felswänden sowie eine sichere Wasserversorgung. Der
Ort
ist nur über einen schmalen Gebirgspfad von Nordwesten
zugänglich oder von Osten her durch eine etwa 1,5 Kilometer
lange
und bis zu 200 Meter tiefe Felsschlucht, den Siq (dt.:
„Schacht“), der an seiner engsten Stelle nur 2
Meter breit
ist. Über eine in die Felswände des Siq
gemeißelte
Rinne, die unter Steinplatten verdeckt war, leiteten die
Nabatäer
einen Gebirgsbach in die Stadt.
oberirdische Wasserleitung im Siq
(Foto v. Dr. Erwin Schwentner)Mit ihren Fähigkeiten in der
Wasserbewirtschaftung schufen sie eine künstliche Oase und
damit
eine wesentliche Voraussetzung für Blüte und Wachstum
der
Stadt. Die Verbindung von Fels und Wasser ließ die Legende
entstehen, Petra sei der Ort gewesen, an dem Moses beim Exodus des
Volkes Israel aus Ägypten, mit dem Schlag seines Stabes eine
Quelle aus dem Stein habe sprudeln lassen. Die Umgebung der Stadt
heißt daher bis heute Wadi Musa,
„Mosestal“.
Das Wasser und die sichere Lage machten Petra zu einer bevorzugten
Station für Karawanen aus dem Süden Arabiens, die
überwiegend mit Luxusgütern beladen waren: mit
Gewürzen
und Seide aus Indien, Elfenbein aus Afrika, Perlen aus dem Roten Meer
und eben Weihrauch aus dem Süden Arabiens. Das Harz des
Weihrauchbaums war in der gesamten antiken Welt als besonders kostbare,
religiöse Opfergabe und als Arzneimittel begehrt.
Zwischenhandel
und Zölle warfen für die Nabatäer hohe
Gewinne ab.
Der Name der Stadt
Wie die Nabatäer ihre Hauptstadt selbst genannt haben,
ließ
sich bis heute nicht zweifelsfrei klären. Das Alte Testament
erwähnt im Buch Richter (1,36) und im 2. Buch Könige
(14,7)
einen Ort in Edom namens Sela (dt.: „Fels“ oder
„Stein“). Es ist aber umstritten, ob dieser Ort mit
der
Nabatäermetropole identisch ist, die bei Strabon und Plinius
dem
Älteren für die Zeit nach 169 v. Chr. unter dem
griechischen
Namen Petra bezeugt ist, der ebenfalls „Fels“
bedeutet. In
der hellenistischen Welt gab es viele weitere Orte gleichen Namens.
Nach einem weiteren, nicht völlig gesicherten Zeugnis, den
Antiquitates Judaicae des Flavius Josephus nannten die
Nabatäer
ihre Hauptstadt Reqem, Reqmu oder Rakmu (dt.: „die
Rote“,
„die Bunte“), was eine Anspielung auf die
rötliche
Färbung des Sandsteins von Petra gewesen sein könnte.
Geschichte
Die Geschichte der Stadt ist aufs engste mit der des
Nabatäerreichs verknüpft. Bis auf eine Reihe von
Inschriften
haben die Nabatäer jedoch kaum eigene Schriftzeugnisse
hinterlassen. Ihre Geschichte und die Petras lässt sich daher
nur
bruchstückhaft und indirekt über biblische sowie
griechische
und römische Quellen erschließen.
Frühe Besiedlung
Nach archäologischen Befunden war das Hochtal von Petra schon
in
der Altsteinzeit zeitweilig und seit der Jungsteinzeit – etwa
ab
9000 v. Chr. – dauerhaft besiedelt. Die Bibel spricht von den
Horitern und Edomitern, die das Gebiet ab etwa 1500 v. Chr. bewohnten.
Nach der Eroberung Palästinas durch die Perser im 6.
Jahrhundert
v. Chr. gelang es dem aus dem Inneren Arabiens stammenden, semitischen
Volk der Nabatäer etwa um 500 v. Chr., die Edomiter zu
verdrängen. Sie gingen nun von der Weidewirtschaft zur
Kontrolle
der Handelswege über, die bei Petra zusammenliefen.
Als Halbnomaden scheinen sie anfangs nur Zelte in dem Tal errichtet und
vereinzelt Höhlenwohnungen in den Fels geschlagen zu haben. Um
die
Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. waren die Nabatäer dank des
Handels mit Gewürzen, Weihrauch und Silber bereits so
wohlhabend
geworden, dass sie Begehrlichkeiten ihrer Nachbarn weckten. Im Jahr 312
v. Chr. entgingen sie der Eroberung durch Antigonos I. Monophthalmos,
einen der Nachfolger Alexanders des Großen, nur dank der
uneinnehmbaren Lage Petras. Erst mit dem Niedergang der Diadochenreiche
und dem Aufstieg Petras zur Hauptstadt der Nabatäer im 2.
Jahrhundert v. Chr. begann dessen eigentliche Blüte.
Das Temenos-Tor im Zentrum von Petra; im Hintergrund der Haupttempel
Qasr al-Bint
Blütezeit [Bearbeiten]Im 3. Jahrhundert v.
Chr. wurde
die Zeltstadt allmählich von festen Bauten abgelöst.
Gleichzeitig scheint sich auch die politische Macht verfestigt und eine
stabile Königsherrschaft herausgebildet zu haben. Deren erster
bekannter Vertreter war der für das Jahr 168 v. Chr. im 2.
Buch
Makkabäer erwähnte Aretas I. Ihm und seinen
Nachfolgern
gelang es, sich gegen das ptolemäische Ägypten zu
behaupten
und den Einflussbereich Petras immer weiter auf Kosten des
Seleukidenreichs auszudehnen. Gleichzeitig zeigten sich die
Nabatäer offen für die kulturellen Einflüsse
ihrer
hellenistisch geprägten Umgebung.
Seine größte Machtentfaltung erfuhr das
Nabatäerreich
während der Regierungszeit des Königs Aretas III.
Philhellen
(87–62 v. Chr.). Er eroberte Damaskus, mischte sich in
Judäa
in die Machtkämpfe der Hasmonäer ein und belagerte
Jerusalem.
Letzteres rief jedoch Rom auf den Plan. Im Auftrag des Pompeius
entsetzte der römische Feldherr Marcus Aemilius Scaurus
Jerusalem,
besiegte Aretas III. und schloss im Jahr 62 v. Chr. vor Petra einen
Vergleich mit ihm.
Nach Aretas' Tod geriet das Reich zwar in ein
Vasallenverhältnis
zu Rom, blieb aber im Inneren autonom und konnte seine
Unabhängigkeit noch fast 200 Jahre lang wahren. Der Wohlstand
der
Stadt wuchs weiter und die Bauten nahmen seit dem 1. Jahrhundert v.
Chr. immer monumentalere Formen an. Zur Zeit Aretas IV. (8 v. Chr. bis
40 n. Chr.) entstand der Haupttempel als repräsentativer Bau
im
Zentrum der Stadt. Schätzungen gehen davon aus, dass Petra
damals
etwa 30.000 bis 40.000 Einwohner zählte.
Niedergang
Petras allmählichen Niedergang hatte jedoch schon einer der
Vorgänger Aretas' IV. eingeleitet. Malichus I.
(59–30 v.
Chr.) hatte sich zeitweise mit den Parthern gegen Rom
verbündet.
Die Römer förderten daher in der Folgezeit den
Schiffsverkehr
auf dem Roten Meer und legten Karawanenwege an, die Petra im Norden
umgingen. Der letzte Nabatäerkönig, Rabel II.
(70–106),
trug dem Rechnung, indem er die Hauptstadt in den Norden, nach Bostra
im heutigen Syrien, verlegte. Kaiser Trajan besiegte die
Nabatäer
im Jahr 106 endgültig und gliederte ihr Reich als
neugeschaffene
Provinz Arabia Petraea mit der Hauptstadt Bostra ins Römische
Reich ein.
Das Römische Theater von PetraZunächst machte Gerasa
im
Norden Jordaniens Petra Konkurrenz als Handelsstadt. Im 3. Jahrhundert
gelang es schließlich den Sassaniden, den Karawanenhandel
nach
Palmyra in Syrien umzulenken. Petra verlor damit immer mehr an
Bedeutung und Wohlstand, blieb aber noch bis in die byzantinische Zeit
hinein besiedelt. Unter Kaiser Diocletian stieg Petra noch einmal zur
Hauptstadt einer Provinz auf – Palaestina tertia –
und war
in der Spätantike sogar Bischofssitz. Erst nach zwei schweren
Erdbeben 363 und 551 und nach Eroberung der Region durch die Araber 663
verließen die letzten Einwohner die Stadt, die nun immer
weiter
verfiel.
Von ihren gemauerten Bauten blieben nur die Ruinen des Haupttempels
Qasr al-Bint, des Temenos-Tors, Reste der Hauptstraße und
wenige
Grundmauern anderer Gebäude übrig. Die monumentalen
Felsgräber und das Theater dagegen, die aus dem roten
Sandstein
der Bergwände herausgemeißelt worden waren,
überstanden
die Jahrhunderte.
Im 12. Jahrhundert legten Kreuzfahrer bei Petra vorübergehend
zwei
Außenposten der wenige Kilometer entfernten Burg Montreal an.
In
den Jahrhunderten danach suchten nur noch durchziehende Beduinen von
Zeit zu Zeit Unterschlupf in den leeren Grabbauten der Stadt.
Petra heute
Blick aus dem Inneren des UrnengrabsSeit der Zeit der
Kreuzzüge
hatte kein Europäer Petra mehr betreten. Um 1800 wussten nur
noch
wenige Gelehrte gerüchteweise von einer legendären,
aus dem
Fels herausgeschlagenen Stadt im Nahen Osten. Für Europa wurde
Petra erst 1812 von dem Schweizer Arabienreisenden Jean Louis
Burckhardt neu entdeckt. Mehr als 100 Jahre später schrieb
Thomas
Edward Lawrence (Lawrence von Arabien) in seinem Werk Die sieben
Säulen der Weisheit: „Petra ist der herrlichste Ort
der
Welt.“ Er war aber der Meinung, jede Beschreibung
müsse vor
dem eigenen Erleben der Stadt verblassen.
Archäologische Ausgrabungen in Petra erfolgten erst seit den
20er
Jahren des 20. Jahrhunderts. Wenig später begann auch die
touristische Erschließung der Ruinenstätte. Petra
wurde am
7. Juli 2007 im Zuge einer inoffiziellen Umfrage zu einem der neuen 7
Weltwunder gewählt. Die UNESCO distanzierte sich von dieser
Abstimmung.
Ausgrabungen
Nach Burckhard haben im 19. Jahrhundert weitere europäische
Reisende Petra besucht und beschrieben. Um 1900 setzte die
wissenschaftliche Erforschung des Orts ein. 1907 publizierte der aus
Mähren stammende Arabienforscher Alois Musil in seinem Werk
Arabia
Petraea die Ergebnisse einer ersten wissenschaftlichen Expedition, die
eine Bestandsaufnahme der damals sichtbaren Altertümer
vorgenommen
hatte. In den 20er Jahren erfolgte eine genaue Vermessung durch die
Altertumsforscher Rudolf Ernst Brünnow und Alfred von
Domaszewski,
die eine erste Karte Petras anfertigten.
Die ersten archäologischen Ausgrabungen auf dem
Gelände
Petras fanden 1929 statt. Weitere folgten in den Jahren 1935 bis 37 und
1954. Im Jahr 1958 begann die British School of Archaeology damit, das
Stadtzentrum auszugraben. Seither sind ständig
Archäologen
vor Ort. Die letzten großen Grabungskampagnen erfolgten in
den
Jahren 1993 bis 2002. Unter der Federführung der Jordanischen
Antikenbehörde legten amerikanische Wissenschaftler von der
Brown
University aus Providence, Rhode Island, die Überreste des
Haupttempels (Qasr al-Bint) im Stadtzentrum und das Areal um das
Temenos-Tor frei. Insgesamt wurde bisher erst etwa ein Prozent der
Stadtfläche ausgegraben.
Fremdenverkehr
Petra gilt heute als eine der größten
Sehenswürdigkeiten des Nahen Ostens. Seine
Erschließung
für den modernen Fremdenverkehr begann in den 1930er Jahren.
Damals wurden die ersten Hotels bei Petra gebaut, einige sogar
unmittelbar in der Stadt selbst, zum Teil direkt vor dem
Römischen
Theater. Diese Bausünden wurden mittlerweile wieder beseitigt.
Um Petra touristisch besser nutzen zu können siedelte die
jordanische Regierung zwischen 1968 und 1985 die Beduinen vom Stamm der
B'doul zwangsweise um, zu deren Gebiet Petra gehört. Sie
hatten
die kühlen, schattenspendenden Grabbauten bis dahin als
Wohnungen
genutzt. Heute wohnen die B'doul in den umliegenden Dörfern,
vor
allem in Wadi Musa. Ein Großteil von ihnen lebt vom
Petra-Tourismus, zum Beispiel als Fremdenführer.
Aufgrund des Friedensabkommens von Camp David von 1979 gab Israel die
Halbinsel Sinai an Ägypten zurück. In der Folgezeit
erlebte
Petra einen stetig wachsenden Zustrom von Tagestouristen aus den
ägyptischen Ferienressorts am Golf von Akaba. Für
zusätzlichen Aufschwung sorgte Steven Spielbergs Spielfilm
Indiana
Jones und der letzte Kreuzzug, dessen letzte Szenen im Siq und vor dem
Khazneh el-Firaun gedreht wurden. Er machte Petra einem
größeren Publikum in Amerika und Europa bekannt.
In den 80er Jahren wurde außerhalb der Stadt, weit vor dem
Eingang zum Siq, ein modernes Besucherzentrum errichtet. Nachdem auch
Jordanien mit Israel Frieden geschlossen hatte, entstand eine Reihe
moderner, zum Teil luxuriöser Hotels in der Umgebung von
Petra.
Die jordanische Fremdenverkehrsbranche hoffte, nun auch mehr
Langzeiturlauber für die Region interessieren zu
können.
Zunächst nahm aber erneut der Tagestourismus zu, diesmal aus
Richtung Israel. Vor Beginn der zweiten Intifada im Jahr 2000 stellten
Tagesurlauber aus Israel und dem Westjordanland 57 Prozent der Besucher
Petras. Im Rekordjahr 2000 wurden insgesamt rund 1 Million Touristen
gezählt.
Infolge der schweren Unruhen in den israelisch besetzten
Palästinensergebieten und der Terroranschläge vom 11.
September 2001 gingen die Besucherzahlen jedoch drastisch
zurück,
obwohl Jordanien auch nach den Selbstmordanschlägen in Amman
vom
9. November 2005 als relativ sicheres und friedliches Reiseland gilt.
Die Friedensdividende, die sich das Land unter anderem vom
Petra-Tourismus versprochen hat, konnte es bisher nicht
einlösen.
Die wichtigsten Baudenkmäler
Etwa 800 historische Baudenkmäler und Opferplätze
sind in und
um Petra erhalten geblieben. Die Monumente sind geprägt von
nabatäischen, griechisch-hellenistischen und
römischen
Einflüssen. Oft vermischen sich Stilelemente aller drei
Kulturen
in ein und dem selben Bau.
Das „Schatzhaus“
Das Khazne al-FiraunAn der Einmündung des Siq in den Talkessel
steht das wohl berühmteste Bauwerk Petras, das fast 40 Meter
hohe
und 25 m breite, im hellenistischen Stil erbaute Khazne al-Firaun. Das
„Schatzhaus des Pharao“, wie es von den Beduinen
genannt
wurde, war in Wirklichkeit eines von zahlreichen Felsgräbern.
Es
wurde möglicherweise für den
Nabatäerkönig Aretas
IV. angelegt, der im 1. Jahrhundert v. Chr. regierte. Andere Forscher
datieren das Khazne dagegen erst ins 2. Jahrhundert n. Chr., in die
Zeit des Kaisers Hadrian. Über einem Portikus aus sechs
korinthischen Säulen erhebt sich eine kleine, von zwei
Halbgiebeln
flankierte Tholos, ein Rundtempel. Zwischen den Säulen
befinden
sich verwitterte Reste von Relieffiguren. An der Urne, auf der Spitze
des Rundtempels, sind Einschusslöcher zu erkennen. Sie gehen
auf
Flintenschüsse von Beduinen zurück, die einst
versucht
hatten, den vermeintlichen Schatzbehälter aufzubrechen. Die
Urne
besteht aber, wie der gesamte Bau und die anderen
Königsgräber Petras, überwiegend aus
massivem Fels.
Das Römische Theater
Auf dem Weg vom Khazne al-Firaun ins Zentrum Petras liegt linker Hand
das Römische Theater aus dem 1. Jahrhundert. Es ist ebenfalls
direkt aus dem Fels gemeißelt und bot auf 33 Sitzreihen rund
5.000 Zuschauern Platz.
Das Urnengrab an der Königswand von
Petra
Bei seinem Bau wurden einige Grabkammern freigelegt, die zuvor in das
rückwärtige Felsmassiv getrieben worden waren. Das
Theater
wurde 1961 entdeckt und von amerikanischen Archäologen
ausgegraben.
Die Gräber der Königswand
Nördlich des Theaters erhebt sich rechter Hand die so genannte
„Königswand“. Auf halber Höhe
reihen sich hier
gleich mehrere monumentale Grabtempel aneinander, deren Baustile
nabatäische, griechische und römische
Einflüsse erkennen
lassen. Dazu gehören etwa das „Korinthische
Grab“, das
„Palastgrab“ und das
„Urnengrab“ aus dem 2.
oder 3. Jahrhundert n. Chr. Dessen Felsenhalle birgt drei Grabnischen.
Zudem verfügt es über einen von Säulen
umstandenen
Vorhof, der über einen gemauerten Unterbau erreichbar ist.
Nördlich der sogenannten Königsgräber liegt
das etwas
kleinere „Grab des Sextius Florentinus“.
Das einstige Stadtzentrum
Senkrecht zur Königswand verläuft in Richtung Westen
die
„Säulenstraße“, die einstige
Hauptverkehrsachse
Petras. Während die in den Fels gehauenen Grabtempel die
Jahrtausende überdauert haben, sind die Wohnhäuser
der
Nabatäer längst zerfallen.
Das Felsgrab Ed-DeirLinks und rechts der
Säulenstraße haben
sich aber noch Reste des Marktes, des
„Temenos-Tors“, einer
byzantinischen Basilika und mehrerer Tempel erhalten. Der
größte davon, Qasr al-Bint Firaun aus dem 1.
Jahrhundert v.
Chr. war möglicherweise den nabatäischen
Hauptgöttern
Dushara und Al-Uzza geweiht. Der heutige arabische Name bedeutet
„Haus der Pharaonentochter“ und geht auf eine
spätere
Deutung durch die Beduinen zurück.
Das Felsgrab Ed-Deir
Am modernen Museum im Westen des Talkessels vorbei führt ein
Bergpfad durch das Wadi Kharareeb zum außerhalb der
eigentlichen
Stadt gelegenen Grabtempel Ed-Deir. Sein Name, auf deutsch
„Kloster“, geht darauf zurück, dass sich
im
Mittelalter Mönche darin niederließen. Anders als
das Khazne
Firaun liegt das Ed-Deir nicht versteckt, sondern hoch am Berg und
beeindruckt nicht zuletzt durch seine Größe. Es ist
40 Meter
hoch und 47 Meter breit; allein die Urne auf der Spitze des Rundtempels
misst 9 Meter in der Höhe. Wegen seines schlichten, aber
monumentalen Stils und seiner einsamen Lage zählt das Ed-Deir
zu
den bedeutendsten Werken nabatäischer Baukunst.
Auf den Gipfeln der umliegenden Berge befinden sich darüber
hinaus
noch Überreste früherer Opferplätze der
Nabatäer.
Der am besten erhaltene befindet sich auf dem Gipfel des Jebel Attuf.
Literatur
Fabio Bourbon: Petra, die geheimnisvolle Felsenstadt. Müller,
Köln 2004, ISBN 3-89893-564-7.
Gustav Dalman: Petra und seine Felsheiligtümer. Hinrichs,
Leipzig 1908.
Manfred Lindner: Petra und das Königreich der
Nabatäer. 6. Auflage. Delp, München 1997, ISBN
3-7689-0116-5.
Judith McKenzie: The Architecture of Petra. Oxford University Press,
Oxford 1991, 1995, 2005, ISBN 1-8421-7164-X.
Stephan G. Schmid: The Nabataeans. Travellers between Lifestyles. In:
B. MacDonald, R. Adams, P. Bienkowski (Hrsg.): The Archaeology of
Jordan. Sheffield 2001, ISBN 1-84127-136-5, S. 367–426.
Jane Taylor: Petra und das versunkene Königreich der
Nabatäer. Artemis & Winkler, Düsseldorf 2002,
ISBN
3-538-07136-5.
Christo
Redentor
Frontsicht vom Berg-Boden aus
Luftbild von südlicher Richtung mit Teilen von Rio de
JaneiroDas
Cristo Redentor (dt.: Christus der Erlöser) ist ein Monument
in
Rio de Janeiro (Brasilien) auf dem Berg Corcovado in den
Tijuca-Wäldern im Südteil der Stadt.
Die Errichtung der Christusstatue Monumento Cristo Redentor war
ursprünglich aus Anlass der hundertjährigen
Unabhängigkeit Brasiliens geplant. Die Entwürfe
stammen vom
brasilianischen Bauingenieur Heitor Silva Costa. Finanzierungsprobleme
verzögerten den Bau aber um fast zehn Jahre, ehe nach
Unterstützung durch die Erzdiözese Rio, den Vatikan
und
Frankreich schließlich die Einweihung am 12. Oktober 1931
stattfinden konnte.
Die Statue ist 30 m hoch und ruht auf einem 8 m hohen Sockel, der auch
eine Kapelle für 150 Personen beherbergt. Die Spannweite der
Arme
ist 28 m, das Gesamtgewicht der Statue beträgt 1.145 Tonnen.
Der
Kopf und die Hände wurden nach Gipsmodellen gefertigt, die der
französische Bildhauer Paul Landowski in seinem Atelier nahe
Paris
hergestellt hatte. Baumaterial ist Stahlbeton, der mit einem Mosaik aus
Speckstein überzogen ist.
Anlässlich des 75. Jahrestages der Errichtung wurde die
Christusstatue im Jahr 2006 zum katholischen Wallfahrtsort geweiht.
In der Bolivianischen Stadt Cochabamba wurde 1994 auf dem Cerro San
Pedro eine 38 Meter hohe Christusstatue errichtet. Sie ist somit 8
Meter höher als der Christo Redentor und auch die
größte Christusstatue weltweit. Beide Statuen sind
bis auf
kleine Details, wie der Faltenwurf des Gewandes, nahezu identisch. In
der Stadt Puerto Plata im Norden der Dominikanischen Republik wurde auf
dem Pico Isabel de Torres, Puerto Platas 793 Meter hohem Hausberg, eine
Nachbildung der Christusstatue erbaut. Eine weitere Nachbildung
befindet sich am Kap Fatucama nahe Dili, der Hauptstadt Osttimors. Es
gibt auch in Brasilien Orte mit Kopien, die dem Original von Rio de
Janeiro nachempfunden wurden.
Trivia
Am 7. Dezember 1999 um 07.00 Uhr früh Ortszeit sprang der
österreichische Basejumper Felix Baumgartner vom rechten Arm
der
Statue aus mit dem Fallschirm ab. Zuvor war er an einem mit einer
Armbrust übergeschossenen Seil hinaufgeklettert.
Am 7. Juli 2007 wurde in Lissabon bekannt gegeben, dass der Christo
Redentor zu einem der „Sieben Neuen Weltwunder“
gewählt wurde. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich
fast
70 Millionen Menschen an der Wahl, die von der UNESCO wegen der
fehlenden wissenschaftlichen Basis nicht anerkannt wird.
Machu Picchu
Die alte Inka-Stadt Machu Picchu
Die Lage von Machu Picchu in PeruMachu Picchu (Quechua: Machu Pikchu
für „alter Gipfel“) ist eine gut erhaltene
Ruinenstadt
der Inka, die in 2.360 m Höhe auf einer Bergspitze der Anden
über dem Urubambatal in 75 km Entfernung nordwestlich von
Cusco
(Peru) liegt. Erbaut wurde die Stadt einer Theorie zu Folge um 1450 von
Pachacútec Yupanqui, einem Herrscher der Inka, der von 1438
bis
1471 regierte. Er schuf die Grundlagen für die Ausdehnung des
mächtigen Inkareiches und führte den Kult um den
Sonnengott
Inti ein. Eingebettet zwischen dicht bewachsenen Bergen war die Stadt
für die spanischen Eroberer im Jahre 1532 unsichtbar und ist
dadurch der Zerstörung entgangen. Die Stadt umfasste 216
steinerne
Bauten, die mit einem System von Treppen verbunden waren. Etwa 3.000
Stufen sind heute noch erhalten, ebenso wie die Außenmauern
der
zum Teil mehrgeschossigen Wohnbauten. Sinn und Zweck dieser Stadt sind
bis heute umstritten. Es existieren über sie keine
Überlieferungen bzw. wissenschaftliche Aufzeichnungen, weshalb
nur
Vermutungen angestellt werden können. So wurde die Stadt,
deren
ursprünglicher Name unbekannt ist, nach einem der nahe
gelegenen
Berggipfel benannt, zwischen denen die Ruinenstadt liegt: Teile der
Stadt, die für die Landwirtschaft genutzten Terrassen, liegen
am
Fuße des „alten Gipfels“, hinter dem
anderen Ende der
Stadt ragt der „junge Gipfel“ (Huayna Picchu)
zuckerhutförmig in den Himmel. Im Westen liegen 4.500 Meter
entfernt die Ruinen der Inkastadt Llactapata.
Geschichte
Steinerne FensterEntdeckt wurden über 50 Grabstätten
mit mehr
als 100 Skeletten (angeblich mehr als 80 % davon weiblich, aber neuere
Untersuchungen haben eine gleichmäßige Verteilung
der
Geschlechter gezeigt). Aufgrund dieser Entdeckung entstand
zunächst die Theorie von einer Zuchtstätte der Inkas.
In
neuerer Zeit wird diese Theorie nicht mehr unterstützt.
Vielmehr
wird angenommen, dass Machu Picchu zu Zeiten der spanischen Eroberung
sich noch im Bau befand. Da die Bauarbeiten aber durch die Eroberung
des Inkareiches durch die Spanier nicht fortgesetzt werden konnten,
wurde die Anlage verlassen und ist dann bei den Indios in Vergessenheit
geraten. Heute schätzt man, dass die Stadt in ihrer
Hochblüte
bis zu 1.000 Menschen hätte beherbergen und versorgen
können.
Die Chronik von Antonio Altamirano, ein spanischer Conquistador, der
1555 starb, weist auf den spanischen Soldaten Miguel Rufino aus Burgos
hin, der die Inkaprinzessin Accla Gualca aus den Händen
mordender
Spanier rettete. Accla Gualca floh zusammen mit Rufino nach Macchu
Picchu, das zu dieser Zeit bewohnt war. Beide mussten vor der Amauta
(städtische Gesetzlichkeit bei den Inka) schwören,
dass sie
den Gesetzen Intis (Sonne) folgen würden und keinem Fremden
von
diesem heiligen Ort erzählen. Einige Zeit später
wurde Rufino
waffentechnischer Berater des Inca Manco, der sein Heer in
Ollantaytambo zusammenzog, um Cusco zurückzuerobern. Dabei
fiel
Rufino.
Von Dr. John Rowe wurde ein spanisches Dokument von 1568 entdeckt,
welches den Inca Yupanki als früheren Landeigentümer
von
Picho (Picchu) bezeichnet. Dasselbe Dokument führt aus, dass
hier
angebaute Produkte als Opfergaben verwendet wurden.
Intihuatana Sonnenuhr Zwei Dokumente, die der deutsche Ingenieur
Christian Bues entdeckte, der sich im Urubambatal zu
Vermessungsarbeiten niedergelassen hatte, bezeugen, dass 1614 auf dem
Gebiet des Salkantay (Gebiet von Machu Picchu) ein Grenzkonflikt
zwischen verschiedenen Landbesitzern ausbrach. Das Gebiet
gehörte
zu dieser Zeit dem Stamm der Cañaris, angeführt von
Caciquen Don Francisco Poma Gualpa. Die Cañaris waren
Nachfahren
eines equadorianischen Volksstammes (siehe Cañar, die sich
bis
1849 in der Gegend halten konnten und dann ausstarben. Es wird
vermutet, dass die Cañaris die Wächter von Machu
Picchu
waren.
1657 pachtete der Augustinerorden vorübergehend das Land um
Machu Picchu, ohne von den Ruinen selbst Kenntnis zu nehmen.
Das einzige gegenwärtig bekannte Dokument über die
legendäre Inkastadt ist eine Urkunde aus dem Jahre 1782, die
von
dem Geschichtsprofessor Jose Uriel Garcia entdeckt wurde. Auf Blatt 20
des handschriftlichen Protokolls wird ersichtlich, dass Machu Picchu
und das umliegende Land von dem Kommandanten Marcos Antonio de la
Camara y Escuerdo für 450 Pesos gekauft wurde. Notariell wurde
dies vom Notar Ambrosius de Lira beglaubigt. Aus dem Dokument geht
hervor, dass der Name der Stadt Machu Picchu war. Erst Bingham (siehe
unten) schuf – bewusst oder unbewusst – das
Geheimnis um
den wahren Namen der Stadt.
Sonnenaufgang Der Italiener Antonio Raimondi veröffentlichte
1865
eine Landkarte, auf der Machu Picchu eingetragen und namentlich
gekennzeichnet war.
1875 drang der Franzose Nicolas Wiener bis zu den Inka-Ruinen in
Ollantaytambo vor, wo er von Indigenas Hinweise erhielt, dass es
weitere Ruinen bei „Matcho Picchu“ geben soll.
Durch das
unwegsame und nahezu undurchdringliche Urubambatal kämpfte
sich
Wiener bis in die Nähe des heutigen Machu Picchus vor,
scheiterte
aber kurz vor dem Ziel an einem Erdrutsch.
Seit 1894 war der Name Machu Picchu, zumindest bei den Campesinos im
Urubambatal allseits bekannt. Don Luis Bejar Ugarte ließ sich
im
gleichen Jahr von Augustin Lizarraga nach Machu Picchu führen,
der
17 Jahre später auch unter Hiram Binghams (siehe unten)
Mannschaft
war. Lizzarga und Ugarte entdeckten dabei auch einen Tunneldurchbruch
aus der Inkazeit, welcher den Rio Urubamba unterquerte. Wiedergefunden
wurde dieser Tunnel vom Ingenieur Osvaldo Paez Patiño im
Jahr
1930.
Blick auf das „Viertel der Handwerker“Als 1895 ein
Maultierpfad entlang des Rio Urubamba gesprengt wurde, war in Cusco
Machu Picchu in aller Munde. Am 14. Juli 1901 kehrte Lizzarga, zusammen
mit seinen Freunden Don Enrique Palma aus San Miguel und Gavino Sanchez
von der Hacienda Collpani, zur Inkastadt zurück. Sie ritzten
ihre
Namen auf die Mauer des königlichen Palastes ein. Zu dieser
Zeit
wohnte der Indigena Anacleto Alvarez im Gebiet von Machu Picchu. Er
hatte die Terrassen gepachtet.
Einige Wochen vor Binghams Expedition im Jahre 1911 stieß der
US-Amerikaner Alberto Giesecke, zusammen mit Don Braulio Polo y la
Borda, der von Indigenas von der Stadt wusste, bis zum Fuß
des
Machu Picchu vor. Sie mussten allerdings aufgrund eines Unwetters
umkehren. Gieseckes Wissen und Erfahrungen waren dann die Grundlage
für Binghams Expedition.
Machu Picchu vom Huayna Picchu aus gesehen Am 24. Juli 1911 wurden die
Ruinen von einer Expedition der Universität Yale unter der
Leitung
Hiram Binghams durch Zufall wiederentdeckt. Die Siedlung war von
dichter Vegetation überwuchert. Bingham war auf der Suche nach
der
geheimnisvollen Inkastadt Vilcabamba, in die sich die Inkas
geflüchtet haben sollen, nachdem Pizarro 1536 Cusco einnahm.
Bingham glaubte, Vilcabamba in Machu Picchu gefunden zu haben. Heute
ist bekannt, dass Vilcabamba 35 km weiter entfernt im Dschungel liegt.
In den Jahren 1912 und 1913 begann Bingham damit, die Stadt
freizulegen. 1915 veröffentlichte er ein Buch über
seine
Erforschung Machu Picchus. Berühmt wurde Machu Picchu, als die
National Geographic Society ihre gesamte Ausgabe vom April 1913 dieser
Stadt widmete.
Es wird auch behauptet, dass Bingham die Stadt schon zwei Jahre vorher
entdeckt habe und sich Zeit verschaffte, das Gold in die Vereinigten
Staaten zu schaffen. Des Weiteren sagen die Einheimischen, dass Bauern
Machu Picchu schon 1901 entdeckten und Bingham nur der
Nutznießer
und die Entdeckung kein Zufall war.
Heutige Bedeutung
Die UNESCO nahm Machu Picchu 1983 in die Liste des Welterbes auf.
2007 wurde Machu Picchu im Rahmen einer Privatinitiative nach Angaben
der Veranstalter von weltweit 70 Millionen Menschen zu einem der
„neuen sieben Weltwunder“ gewählt[1].
Sowohl die
UNESCO als offizielle Hüterin des Weltkulturerbes als z.B.
auch
Ägypten (Antike Weltwunder: Pyramiden von Gizeh) distanzierten
sich von der als „private Kampagne“ ohne
wissenschaftliche
Kriterien bezeichneten Wahl[2].
Tourismus
Bahnstrecke im UrubambatalMachu Picchu ist eine der
größten
Touristenattraktionen in Südamerika. Täglich besuchen
durchschnittlich etwa 2.000 Personen die Sehenswürdigkeit. Die
UNESCO fordert eine Reduktion auf höchstens 800 Besucher, um
das
Kulturerbe nicht zu gefährden.
Da sich die Inkastadt in einem schwerzugänglichen Gebiet
befindet
und es keine Straßen dorthin gibt, wurde eine Bahnlinie von
Cusco
bis nach Aguas Calientes, einem Dorf am Fuße des Berges von
Machu
Picchu, gebaut. Machu Picchu ist am bequemsten von Aguas Calientes aus
zu erreichen: Vom Zentrum in Aguas Calientes fährt ein Bus die
gut
8 km lange Serpentinenstrecke zur Zitadelle Machu Picchu hinauf. Diese
Strecke kann man aber auch zu Fuß zurücklegen,
kleine
Fußwege mit Stufen führen an den Serpentinen hoch.
Am Ende
der Serpentinen, im unmittelbaren Eingangsbereich von Machu Picchu,
befindet sich zudem das Hotel „Sanctuary Lodge“,
das
– wie die Bahnlinie – der englischen Hotelkette
„Orient Express“ gehört. Wer Machu Picchu
auf
authentischem Wege erreichen will, der kann über den Inka-Pfad
(camino inca), eine mehrtägige Wanderung über mehrere
hohe
Pässe vom Urubambafluss (klassisch ab km 88, Variation ab km
82
der Bahnlinie nach Aguas Calientes), nach Machu Picchu gelangen, wobei
er hierbei durch das für Machu Picchu errichtete Sonnentor
gehen
muss, welches in unmittelbarer Nähe zu den Ruinen der Siedlung
liegt.
Panoramaansicht
Der ständig wachsende Tourismus belastet die Umwelt sehr. Die
UNESCO wehrt sich daher vehement gegen den geplanten Bau einer Seilbahn
von Aguas Calientes hinauf nach Machu Picchu, deren Fertigstellung den
Touristenstrom weiter ansteigen ließe und außerdem
die
Erdrutschgefahr erhöhen würde. Am 10. April 2004
forderte ein
Erdrutsch, der auch die Bahnlinie teilweise lahmlegte, elf
Menschenleben. Durch einen weiteren Erdrutsch am 14. Oktober 2005 wurde
die Bahnlinie auf einer Strecke von 400 Metern erneut
verschüttet.
Trivia
In Sichtweite des Geländes drehte der deutsche Regisseur
Werner
Herzog Anfang der 70er Jahre die atemberaubende
Eröffnungsszene
zum Spielfilm Aguirre, der Zorn Gottes.
Quellen
THE NEW 7 WONDERS OF THE WORLD: Weltweite Wahl (engl.), 7. Juli 2007
↑ Bericht in Spiegel Online: Umstrittene Abstimmung, 8. Juli
2007
Informationen Über Machu Picchu (Englisch)
virtuelle Tour (Englisch)
Foto-Ansicht mit hoher Auflösung mit Zoom-Funktion;
zusammengesetzt aus 400 Einzelfotos, insgesamt 1.500 Megapixel (engl.)
Machu Picchu Photo Gallery (Englisch)
Koordinaten: 13° 9' 47" S, 72° 32' 44" W
Von http://de.wikipedia.org/wiki/Machu_Picchu
Chichén
Itzá
Chichén Itzá, Pyramide des Kukulcán
Pyramide in Chichén ItzáChichén
Itzá ist
eine Ruinenstätte auf der mexikanischen Halbinsel
Yucatán,
ca. 120 km östlich von Mérida.
Nach dem Manuskript von Chumayel wurde Chichén
Itzá in
den Jahren 435 bis 455 vom Volk der Maya gegründet. Dem
widersprechen allerdings Dokumente, deren früheste
Erwähnung
der Stadt Chichén Itzá auf das Jahr 879
zurückgeht.
Die Tempelstadt mit etwa einem Kilometer Durchmesser war um zwei
große Cenoten errichtet worden, von denen eine die
Wasserversorgung der Stadt sicherstellte. Bewohnt wurde die Stadt nur
von Priestern und Regierungsfunktionären, da sie die
Hauptstadt
eines Maya-Reiches darstellte. Die Bauern, die in der Umgebung Ackerbau
betrieben, wohnten um die Anlage herum in Stroh- und
Lehmhütten.
Der Name Chichén Itzá besteht aus drei
Wörtern aus
der Sprache der Itzá-Maya: chi (Mund), chén
(Brunnen oder
Teich) und itzá (Eigenbezeichnung des Volkes).
Zusammengesetzt
also: „Der Mund des Brunnens der Itzá“.
Mit dem
Brunnen war vermutlich die Cenote der Stadt gemeint.
Die Maya verließen Chichén Itzá bereits
ungefähr 200 Jahre später wieder, nämlich
682 oder 690,
je nach Quellenangabe. Ein erneutes Aufblühen erlebte die
Stadt um
das Jahre 987, als das Volk der Tolteken unter Führung ihres
Herrschers Tula die Anlagen neu besiedelte. Die Tolteken, vermischt mit
dem Volke der Chichimeken, teilten sich nach der Vertreibung des
später zum Gott erhobenen Herrschers Quetzalcoatl auf. Ein
Teil
verließ die Hauptstadt Tollan (bzw. Tula) und beeinflusste
die im
südlichen Mexiko ansässigen Mixteken,
während die
restlichen Tolteken die Mayastädte Chichén
Itzá,
Tulúm und Uxmal eroberten.
In Chichén Itzá veränderten die Tolteken
vor allem
den Baustil, sodass das Castillo toltekischen Pyramiden nicht
unähnlich ist. Neuerdings erklärt man sich den
toltekischen
Einfluss allerdings nicht mehr durch eine gewaltsame Eroberung, sondern
dadurch, dass fremde Händler Auswirkungen auf die Kultur der
Maya
gehabt haben könnten.
Nach dem Untergang von Chichén Itzá durch stetige
Abwanderung wurde die Hafenstadt Tulúm neues Zentrum der
Maya,
die sich nun auf den Seehandel ausrichteten und so auch kurz vor ihrem
Niedergang auf die spanischen Entdecker treffen. Es lässt sich
jedoch sagen, dass mit dem Ende der Stadt auch die Blütezeit
der
Maya vorüberging.
Bekannte Gebäude in Chichén
Itzá
El Castillo - das Schloss
Pyramide des Kukulcánsiehe auch den Artikel Pyramide des
Kukulcán
Im Zentrum der Tempelanlagen von Chichén Itzá
befindet
sich die als Castillo (span. für „das
Schloss“)
bezeichnete große Stufenpyramide. Das dreißig Meter
hohe
Bauwerk hat als Zugang vier Treppen auf allen Seiten. Diese Treppen
bestehen aus je 91 Stufen, mit vier multipliziert und mit der letzten
Stufe vor dem Tempel addiert ergibt das die Zahl von 365 Treppenstufen.
Diese Zahl stellt nicht nur zufällig die Zahl der Tage im Jahr
dar. Die Konstruktion der Tempelpyramide in Chichén
Itzá
beweist mit anderen Worten, welche enormen Kenntnisse der Astronomie
die Maya bereits besaßen.
Das Castillo trägt auf seiner Spitze den Tempel von
Kukulcán, der Schlangen-Gottheit der Maya, deren Namen sich
vom
toltekischen Quetzalcoatl ableitet. Der sechs Meter hohe Tempel auf der
Pyramide musste bei der Entdeckung der Stadt Chichén
Itzá
zuerst wieder aus seinen Ruinen aufgebaut werden, da er im Laufe der
Jahrhunderte zerfallen war.
Im Innern des Tempels des gefiederten Schlangengottes fanden die
Entdecker einen herrlichen Jaguar aus Stein, der in rot bemalter Form
und Augen aus Jade als Sitz gestaltet war und so wohl einst als Thron
eines Hohepriesters gedient haben könnte. Archäologen
sehen
zudem einen Zusammenhang zwischen dem Baustil der Tolteken und der
Architektur der Stufenpyramide Castillo, weshalb die bereits bestehende
Annahme erhärtet wurde, dass die Kultur der Mayas unter
toltekischem Einfluss stand.
Das „Castillo“ ist der unbestrittene
Publikumsmagnet in
Chichén Itzá. Es besitzt diesen Rang allerdings
nicht nur
aufgrund seiner beeindruckenden Bauweise und Größe,
sondern
auch aus einem weiteren Grund. Zweimal im Jahr, zur Tagundnachtgleiche,
versinkt eine Seite der Pyramide fast vollständig im Schatten,
dann wird nur noch die Treppe von der Sonne angestrahlt und auf ihr
zeichnen sich die Stufen der Pyramide ab. Dieses gezeichnete Band
vereint sich schließlich mit einem Schlangenkopf am
Fuß der
Pyramide und stellt so eine gefiederte Schlange dar. Die Gottheit
Kulkulkan, zu deren Ehren die Stufenpyramide erbaut worden war, stellt
die Wissenschaftler bis heute noch immer vor Rätsel.
Templos de los guerreros - Der Kriegertempel
Kriegertempel und Halle der 1000 SäulenDer Kriegstempel ist
ein
schönes Beispiel für die Maya-Toltekische
Architektur. Er
steht nordöstlich der Pyramide von Kukulán, am
nördlichen Ende der 1000 Säulen.
Die oberste Plattform erreicht man über eine Treppe, die
allerdings für Touristen gesperrt ist. Dort ist der Gott Chac
Mol
in halb liegender Haltung zu sehen. Durch einen Irrtum wurde ihm der
Name Chac Mol durch einen französischen Archäologen
verliehen, er hat nichts mit dem Regengott Chac zu tun. Die unteren
Wände sowie einige Säulen sind mit Maskenreliefs
geschmückt. Jene Masken stellen Krieger und Adler dar, welche
Menschenherzen zerfressen. Auf der oberen Plattform befindet sich der
Tempeleingang, der mit zwei Schlagpfeilern markiert ist. Diese
Schlagpfeiler entsprechen toltekischem Stil. Hingegen entstammen die
Rüsselnasen des Regengottes Chac, wie sie an den
Tempelrändern zusehen sind, dem Baustil der Maya.
Auf der Nordseite des Tempels befindet sich eine Treppe, die ins
Tempelinnere führt. Dieser Tempel ist von einer prunkvollen
Säulenhalle umgeben, die als „Halle der 1000
Säulen“ bezeichnet wird (span. Grupo de las Mil
Columnas).
Iglesia - Die Kirche
Die sogenannte Iglesia (Kirche) befindet sich am südlichen
Rand
der Stätte und gehört zu einer Gruppe weiterer
Puuc-Monumente
wie dem Haus der Nonnen. Sie ist mit langnasigen Göttermasken
bedeckt und weist die zurückgesetzten Friese auf, die
für die
endklassische Architektur der Puuc-Region charakteristisch waren. Die
Iglesia ist dem Regengott Chac gewidmet. Sie besitzt nur eine
Tür
und die Fassade ist vollständig ausgeschmückt mit
Abbildungen
von Tieren und Göttern. Man nimmt an, dass die Iglesia eine
Grabanlage gewesen ist.
Caracol - Der Schneckenturm
Caracol - SchneckenturmDer Caracol liegt im Süden von
Chichén Itzá, direkt neben der Iglesia. Das
Bauwerk in
Chichén Itzá ist nicht zu verwechseln mit
Caracol, einer
Urwaldstadt der Maya im heutigen Belize. Das Gebäude in
Chichén Itzá stellt ein Observatorium dar, in der
Bauweise mit einem runden Gebäude mit steinerner Kuppel
erinnert
es auch an eine europäische Sternwarte. Runde Gebäude
sind
eigentlich in Mittelamerika selten.
Caracol bedeutet „Schneckenturm“, dieser Begriff
kommt von
der Wendeltreppe im Inneren, die in den obersten Aufbau des
Gebäudes führt. Das Gebäude baut sich in
drei Stufen
auf: die beiden unteren "Plattformen" sind genau symmetrisch zu den
anderen Gebäuden ausgerichtet. Anders jedoch die Sternenwarte
selbst, Sie ist in einem anderen Winkel ausgerichtet, was bei einer
Luftaufnahme sehr gut zu erkennen ist. Grund für die
unterschiedlichen Ausrichtungen war wohl dass zuerst ein Tempel gebaut
werden sollte, sich jedoch die Wissenschaftler gegen dieses Vorhaben
wehrten weil der Platz ihrer Ansicht nach ideal für ein
Observatorium war. Die Sternenwarte wurde so ausgerichtet, dass man die
Venus, den Sonnenuntergang und den astronomischen Süden sehen
konnte.
Der Baustil des Schneckenhauses war der Puuc-Stil, in dem bis zur
Endklassik Gebäude errichtet wurden.
Juego de Pelota - Der Ballspielplatz
Zielring des BallspielplatzesIn Chichén Itzá hat
man
insgesamt zwölf Ballspielplätze gefunden. Der Juego
de Pelota
stellt den größten und bedeutendsten von mehr als
520
Ballspielplätzen auf Yucatán dar. Er befindet sich
ungefähr einhundert Meter nordwestlich der Pyramide von
Kulkulkan.
Die Ausmaße des Spielfeldes betragen 168 x 38 m und es wird
von
acht Meter hohen Mauern flankiert, die unter anderem für das
Publikum gedacht waren. Die Form der Spielfläche erinnert an
zwei
gegeneinandergestellte „T“.
Das Ballspiel war an sich unmenschlich anstrengend. In der
Höhe
von 6,50 Metern ist an jeder Seite je ein schlangenverzierter Ring
befestigt, durch den der Ball geschlagen werden musste. Für
den
Ball gab es verschiedene Gewichtsklassen: 400, 1000, 2000 oder 4000
Gramm. Der Ball musste ohne Hilfe der Hände und Beine gespielt
werden (also mit Schultern, Brust und Hüfte). Grund
hierfür
war dass der Ball den Weg der Sonne repräsentierte. Auf
Abbildungen kann man die Schutzkleidung erkennen, diese war aus
gehärtetem Leder gefertigt, außerdem trug ein Teil
der
Spieler zwei verschiedene Schuhe. Einer davon hatte einen Schutz
für den Knöchel damit sich der Spieler beim
hinrutschen zum
Ball nicht verletzte. Ging der Ball ins Aus wurde er mit Hilfe eines
Stocks zurück ins Spiel gebracht (man durfte den Ball ja nicht
mit
Hand oder Fuß berühren).
Die Motive der beiden Ringe lassen Rückschlüsse auf
das Spiel
zu. Volkskundler in Mexiko sind sich bis heute nicht sicher ob nicht
der Mannschaftskapitän der Verlierer, sondern sogar der der
Gewinner geopfert wurde. Jede Mannschaft hatte zwischen fünf
und
sieben Spieler, die bisweilen auch ungleich aufgeteilt wurden.
Besondere Aufmerksamkeit jedoch sollte der Akustik des Spielplatzes
gewidmet werden. Heute, da die interessanten Stellen abgesperrt sind,
stellt man sich jeweils in die mittigen Kopfgebäude, so kann
man
sich in Ruhe unterhalten, obwohl der andere fast 200 Meter weit
entfernt ist, ohne dass Drittpersonen die Unterhaltung mitbekommen. Was
allerdings heute noch funktioniert, ist, dass wenn man irgendwo auf dem
Platz in die Hände klatscht, man ein 7-faches Echo
erhält, da
die Mauern am Rande des Spielfelds aus sieben verschiedenen Kalk-und
Sandsteinen gebaut wurden. Eine solche Konstruktion ist eine wahre
Meisterleistung architektonischen Handwerks.
Cenote - Der heilige Brunnen
Cenote - BrunnenEtwa vierhundert Meter geradewegs nördlich der
Pyramide von Kulkulkan liegt die beeindruckende Cenote Sagrada, zu
Deutsch der heilige Brunnen. Von ihm hat Chichén Itza auch
seinen Namen, nämlich Brunnen der Itza. Im Stadtgebiet von
Chichén Itzá befinden sich zwei Cenoten, von
denen die
eine ein heiliger Opferplatz war. Auf seinem Grund fand man
große
Mengen von Gegenständen, unter anderem Schmuckstücke,
Jade,
Gold und verschiedene Keramiken. Zudem barg man über
fünfzig
Skelette der Geopferten.
Um 1960 wurden die bedeutendsten Untersuchungen an der Cenote
vorgenommen, die viele tausend Fundstücke zutage brachten. Die
Bedeutung dieses Brunnens übertrifft die jedes anderen auf
Yucatán.
Weitere Gebäude
Tempel der 1000 SäulenZu den weiteren Gebäuden in der
Tempelstadt Chichén Itzá gehörte zu den
bereits
genannten architektonischen Meisterleistungen die Plattform der Venus.
Sie befindet sich neben der großen Pyramide, die Treppen der
Plattform werden flankiert von einem Schlangenkopf, der
Quetzalcoatl-Kulkulkan als Morgenstern darstellt.
Am Rande Chichén Itzás stehen das Grab des hohen
Priesters und das rote Haus. Ersteres ist pyramidenförmig
gebaut,
wobei Schlangen die Treppen säumen. In seinem Innern
führt
ein vierundzwanzig Meter tiefer Schacht zu den Gräbern
hinunter.
Das rote Haus wiederum erhielt seinen treffenden Namen von den rot
bemalten Fragmenten, die man im Inneren des Hauses fand. Das
Gebäude diente wahrscheinlich öffentlichen und
religiösen Zwecken.
Der Markt der Tempelstadt Chichén Itzá ist ein
Beispiel
für Hofgalerien, die nach der Blütezeit der Maya
entstanden.
Der Platz ist gesäumt von Säulen und kann
über weite
Treppen erreicht werden. Weitere Bauten sind die
Gräberplattform,
die nordöstliche Kolonnade, die skulpierten Säulen
und das
Nonnenkloster. Das Gebäude, dessen Zweck nichts mit einem
Kloster
zu tun hat, wurde von den Spaniern benannt. Sie glaubten, es diene als
Wohnstätte zur Opferung bestimmter Jungfrauen.
Heutige Bedeutung
Die UNESCO erklärte Chichén Itzá 1988
zum Welterbe.
2007 wurde Chichén Itzá im Rahmen einer
Privatinitiative
nach Angaben der Veranstalter von weltweit 70 Millionen Menschen zu
einem der „neuen sieben Weltwunder“
gewählt[1]. Sowohl
die UNESCO als offizielle Hüterin des Weltkulturerbes als z.B.
auch Ägypten (Antike Weltwunder: Pyramiden von Gizeh)
distanzierten sich von der als „private Kampagne“
ohne
wissenschaftliche Kriterien bezeichneten Wahl[2].
Tourismus
Der Tourismus begann schon vor über einem Jahrhundert, nachdem
der
Amerikaner John Lloyd Stephens das 2-bändige Buch: "Incidents
of
Travel in Yucatan" 1843 veröffentlichte. Heute ist
Chichén
Itzá die nach Cancún am zweithäufigsten
besuchte
archäologische Stätte in Mexiko. Einige Monumente,
darunter
El Castillo, wurden von der verwaltenden INAH (National Institute of
Anthropology and History) für den öffentlichen Zugang
gesperrt.
Quellen
THE NEW 7 WONDERS OF THE WORLD: Weltweite Wahl (engl.), 7. Juli 2007
↑ Bericht in Spiegel Online: Umstrittene Abstimmung, 8. Juli
2007
Kolosseum
Das Kolosseum (antiker Name: Amphitheatrum Novum oder Amphitheatrum
Flavium) ist das größte der im antiken Rom erbauten
Amphitheater und der größte geschlossene Bau der
römischen Antike überhaupt. Es ist eines der
Wahrzeichen der
Stadt und zugleich ein Zeugnis für die hochstehende Baukunst
der
alten Römer wie für ihre Freude an grausamer
Unterhaltung.
Baugeschichte
180°-Foto des Kolosseums in Rom
Innenraum des Kolosseums
Innenraum des KolosseumsBis zu ihrer Vernichtung während des
großen Brandes von Rom im Jahre 64 n. Chr. stand auf dem
Marsfeld
eine aus Holz konstruierte Arena für
Gladiatorenkämpfe, die
Kaiser Nero gestiftet hatte. Sie dürfte sich nicht wesentlich
von
den Amphitheatern außerhalb Roms unterschieden haben. Nach
dem
Brand errichtete Nero am Südhang des Hügels Esquilin
eine
neue Palastanlage, die Domus Aurea. Die Gärten der Domus Aurea
umfassten auch den späteren Standort des Kolosseums in der
Talsenke zwischen den Hügeln Oppius (Teil des Esquilin) und
Palatin.
Um 72, wenige Jahre nach Neros Sturz, gab sein Nachfolger Vespasian das
Gebiet der Öffentlichkeit zurück. Er ließ
in wenigen
Jahren ein Amphitheater errichten, das nicht nur Neros
Vorgängerbau auf dem Marsfeld, sondern alle bisherigen Arenen
übertreffen sollte. Nach einer neueren Rekonstruktion der
Bauinschrift des Kolosseums wurde seine Errichtung aus der Beute des
jüdischen Krieges, unter anderem mit dem im Jahr 70
geplünderten Goldschatz des Tempels von Jerusalem finanziert.
Das Gebäude, das ursprünglich dreigeschossig sein
sollte, war
beim Tod Vespasians 79 fast vollendet. Es bestand aus drei
übereinander angeordneten Arkadenreihen zu je 80
Bögen. Die
Arkaden wurden durch Halbsäulen gegliedert: die zu ebener Erde
im
toskanischen, die des zweiten Geschosses im ionischen und die des
dritten Geschosses im korinthischen Stil. Auf Wunsch von Vespasians
Sohn Titus wurde den drei Rundbogengeschossen noch ein viertes Geschoss
hinzugefügt, das nicht von Arkaden durchbrochen, sondern
massiv
gestaltet und nur von rechteckigen Fensternischen durchbrochen wurde.
Die Außenmauern des Kolosseums wurden in Travertin
ausgeführt, im Inneren wurden jedoch die billigeren Ziegel und
Tuff verwendet.
Nach seiner Fertigstellung im Jahr 80 wurde das Kolosseum dem
Geschichtsschreiber Cassius Dio zufolge mit hunderttägigen
Spielen
eröffnet, unter anderem mit Gladiatorenkämpfen,
nachgestellten Seeschlachten und Tierhetzen, bei denen 5000 Tiere in
der Arena getötet wurden.
Die Architektur
Schnittzeichnung aus dem Lexikon der gesamten Technik (1904) von Otto
LuegerDas Kolosseum war nicht nur eine architektonische, sondern auch
eine bis ins letzte durchdachte logistische Meisterleistung.
Eingangssystem
Die Zuschauer konnten durch über 80 Eingänge in die
Arena
gelangen. Vier davon waren privilegierten Gästen wie dem
Kaiser,
Senatoren und hohen Staatsbeamten, den Vestalinnen und den Priestern
vorbehalten.
Das ausgeklügelte Eingangssystem mit seinen zahlreichen
Treppen
und umlaufenden Korridoren ist so bis heute bei Stadionbauten
gebräuchlich. Damit war es möglich, das Kolosseum in
15
Minuten mit Zuschauern zu füllen und es in nur fünf
Minuten
auch wieder zu leeren. Der lateinische Begriff für dieses
System
war vomitoria (zu vomere, „erbrechen“).
Die Anordnung der Sitzplätze
Im Kolosseum konnten nach heutigen Berechnungen ca. 50.000 Zuschauer
Platz finden. Das podium, die erste Reihe der Sitzplätze, war
den
römischen Senatoren vorbehalten. Auch die kaiserliche Loge
(pulvinar) befand sich hier. Spezielle Plätze gab es auch
für
die Vestalinnen, die traditionsgemäß
öffentlichen
Schauspielen beiwohnten. Darüber lag das moenianum primum, das
dem
Stand der Equites vorbehalten war. Die darüber befindlichen
Reihen
moenianum secundum waren in drei Sektoren unterteilt. Der unterste
Sektor (immum) diente den wohlhabenden Bürgern,
während der
oberste Sektor (summum) den ärmsten Bewohnern Roms vorbehalten
war. Schlechter waren nur noch die Frauen der untersten Schichten
untergebracht. Für sie gab es Stehplätze auf einer
Holzkonstruktion auf dem obersten Geschoss (maenianum secundum in
ligneis), das Titus anbauen ließ.
Die Arena
Das Kolosseum ist ellipsenförmig gebaut. Seine Breite
beträgt
156 Meter, die Länge 188 Meter, der Umfang 527 Meter, die
Höhe 48 Meter. Auch der Boden der Arena war elliptisch, mit
einer
Breite von 54 Metern und einer Länge von 86 Metern. Die runde
Form
sollte verhindern, dass Gladiatoren, zum Tode Verurteilte oder gejagte
Tiere in einer Ecke Schutz suchen konnten. Zudem erlaubte die Ellipse
den Zuschauern, näher am Geschehen zu sein als in einer
kreisförmigen Arena.
Den Boden der Arena bildeten Holzbohlen, die sich nach Bedarf entfernen
ließen. Darunter befanden sich die Kellerräume und
das 7
Meter dicke Fundament. Auf dem Obergeschoss, dessen Bau Titus
veranlasst hatte, wurden Mastbäume befestigt, an denen ein
riesiges, schattenspendendes Sonnensegel (velarium) aufgezogen werden
konnte. Dazu wurden Seesoldaten der bei Misenum (am Golf von Neapel)
stationierten römischen Flotteneinheiten herangezogen.
Unterkellerung und Bühnentechnik
Die Unterkellerung des KolosseumsDer Raum unterhalb des Arenabodens war
ursprünglich nicht bebaut. Nach Entfernung der Holzbohlen
konnte
er geflutet werden, etwa für die Naumachien (Seeschlachten),
wie
sie Titus nachweislich zur Einweihung des Kolosseums aufführen
ließ.
Man vermutet, dass die Arena bereits unter Titus' Bruder und Nachfolger
Domitian in verschiedene Kellerräume untergliedert wurde.
Damit
entstand das sogenannte hypogeum - ein System aus Räumen,
Gängen und Versorgungsschächten. Hier befanden sich
Kerker
für die zum Tod Verurteilten, der unterirdische Zugang von der
benachbarten Gladiatorenkaserne (Ludus Magnus), Käfige
für
wilde Tiere und die Einrichtungen der höchst komplizierten
Bühnenmaschinerie wie Falltüren, Rampen und
Aufzüge. Mit
Hilfe eines komplexen Systems von Winden und Flaschenzügen
konnten
aufwändige Dekorationen und Bühnenbilder in die Arena
befördert werden. Innerhalb weniger Minuten konnte sich zur
Überraschung der Zuschauer beispielsweise eine komplette Wald-
oder eine Wüstenlandschaft aus dem Boden erheben.
Die Nutzung des Kolosseums
Als Arena war das Kolosseum über 400 Jahre lang in Betrieb,
unterbrochen nur in den Jahren von 217 bis 238, als es nach einem durch
Blitzschlag verursachten Brand renoviert werden musste.
Kaiserzeit
Das Kolosseum war der Veranstaltungsort von in aller Regel
höchst
grausamen Spielen, die von Mitgliedern des Kaiserhauses ausgerichtet
wurden und zu denen jeder freie Bewohner Roms kostenlos Zutritt hatte.
Üblich waren vor allem Gladiatorenkämpfe (munera) und
Tierhetzen (venationes), wobei Kämpfe zwischen besonders
exotischen Tieren am beliebtesten waren. Zu fast allen Spielen
gehörte auch die Exekution von Verurteilten, vor allem jener,
über die die damnatio ad bestias, der Tod durch wilde Tiere,
verhängt worden war. Zu Beginn fanden auch
Schiffskämpfe
(Naumachiae) im Kolosseum statt, was aber nach der Unterkellerung der
Arena nicht mehr möglich war.
Einige Historiker schätzen, dass im Laufe der Jahrhunderte
etwa
300.000 - 500.000 Menschen und noch lange nach ihnen viele Millionen
Tiere im Kolosseum starben. In der Arena wurde dann vermutlich mehr
Blut vergossen, als an jedem anderen Ort der Erde von vergleichbarer
Größe. Nicht wenige Gelehrte halten diese Zahlen
aber
für viel zu hoch gegriffen.
Spätantike
Nach der Christianisierung des Römischen Reichs blieb Rom, das
die
Hauptstadtfunktion bereits an Mailand und Ravenna
(Weströmisches
Reich) beziehungsweise Konstantinopel (Oströmisches Reich)
verloren hatte, zunächst noch eine Hochburg des Heidentums.
Daher
fanden im Kolosseum noch für weitere hundert Jahre
Gladiatorenkämpfe statt, zuletzt wohl 434/435. Bereits unter
Kaiser Honorius war die Spieltätigkeit aber weitgehend
eingeschränkt worden. Die Tierhetzen blieben aber gestattet
und
wurden auch nach dem Ende des Weströmischen Reichs unter der
Herrschaft der Ostgoten fortgesetzt. Die letzte, von der die Quellen
berichten, fand 523 unter der Herrschaft Theoderichs des
Großen
statt. Das Christentum lehnte die Spiele ab, und wegen des rapiden
Bevölkerungsrückgangs Roms in der Zeit der
spätantiken
Völkerwanderung lohnte sich der Aufwand nicht mehr. Zur Zeit
der
letzten Tierhetze war das Kolosseum bereits durch Erdbeben
beschädigt, doch hatten die Ostgoten noch Reparaturen
durchführen lassen. Spätestens nach den schweren
Zerstörungen, die Rom während der
Rückeroberungskriege
des oströmischen Kaisers Justinian I. erlitten hatte, verfiel
das
Kolosseum.
Vom Mittelalter bis heute
Seit dem späteren 6. Jahrhundert nutzten die verbliebenen
Bewohner
der verfallenden Stadt die Arkaden und Gänge des Kolosseums,
um
Wohnräume darin einzurichten. Schwere Schäden
verursachten
zwei Erdbeben in den Jahren 847 und 1349. Im 12. Jahrhundert wurde die
Arena zum Teil in die Stadtfestung des Adelsgeschlechts der Frangipani
einbezogen. Während des ganzen Mittelalters bis in die Zeit
der
Renaissance und des Barocks wurde das Kolosseum aber von den
herrschenden Familien Roms und den Päpsten immer wieder als
Steinbruch für ihre Bauten genutzt. So blieb vom
äußeren Ring der monumentalen, viergeschossigen
Fassade nur
die nördliche Hälfte erhalten.
Die allmähliche Zerstörung wurde erst beendet,
nachdem Papst
Benedikt XIV. das Kolosseum im 18. Jahrhundert zur geweihten
Märtyrer-Stätte erklärte. Bis heute findet
im Kolosseum
an jedem Karfreitag eine Prozession (Via Crucis) zum Gedenken an die
christlichen Märtyrer statt. Im 19. Jahrhundert wurde
schließlich damit begonnen, den verfallenen Bau zu sichern
und
archäologisch zu erforschen. Durch Untersuchungen im
Kellergeschoss unter der Arena konnte erst kürzlich die
Funktionsweise der antiken Bühnentechnik geklärt
werden.
Die Herkunft des Namens
Die antike Bezeichnung Amphitheatrum Flavium leitet sich von den
Kaisern der flavischen Dynastie her, in deren Herrschaftszeit das
Kolosseum errichtet wurde.
Seit dem 8. Jahrhundert lässt sich die Bezeichnung Kolosseum
historisch belegen. Die überwiegend anerkannte Deutung dieses
Namens geht von einer Kolossalstatue des Kaisers Nero aus, die nach
dessen Tod in eine Statue des Sonnengottes Sol umgewandelt und neben
dem Amphitheater aufgestellt wurde. Dieser Colossus, der mindestens bis
zum 3. Jahrhundert gestanden hat, dürfte der Arena den Namen
gegeben haben.
Auszuschließen ist, dass die römische
Bevölkerung des
Mittelalters den Bau einfach wegen seiner kolossalen Ausmaße
Colosseo genannt hat, da das italienische Wort colosso für
„Koloss“ erst seit dem 15. Jahrhundert in Gebrauch
ist.
Denkmal gegen die Todesstrafe
Auf Initiative mehrerer Menschenrechtsorganisationen dient das
Kolosseum seit dem Jahre 1999 als Monument gegen die Todesstrafe. Immer
wenn ein Todesurteil ausgesetzt wird oder ein Staat dieser Welt die
Todesstrafe abschafft, wird das Kolosseum 48 Stunden lang in bunten
Farben angestrahlt – was aber nur selten geschieht.
Das Kolosseum in Literatur und Film
Sowohl Literatur als auch Film bemühten sich wiederholt, dem
Leser
und Zuschauer einen lebendigen Eindruck der Atmosphäre zur
Zeit
der Veranstaltungen in der Antike zu vermitteln. Beispielhaft stehen
hierfür die Schilderungen im berühmten und mehrfach
verfilmten Roman Quo vadis von Henryk Sienkiewicz als auch der durch
seine Trickaufnahmen herausragende Film Gladiator aus dem Jahr 2000 mit
Russell Crowe in der Hauptrolle, der das Bauwerk aus verschiedenen
Aufnahmepositionen von innen und außen zeigt, auch durch
Luftaufnahmen mit Hilfe eines Modells.
Im Jahre 1972 drehte Bruce Lee die letzten Szenen seines Films Die
Todeskralle schlägt wieder zu im Kolosseum. Der
legendäre
Endkampf zwischen Bruce Lee und Chuck Norris fand innerhalb des
Bauwerks statt.
Literatur
Heinz Jürgen Beste: Neue Forschungsergebnisse zu einem
Aufzugsystem im Untergeschoß des Kolosseums. In: Mitteilungen
des
Deutschen Archäologischen Instituts. Römische
Abteilung. Nr.
106, 1999, ISSN 0342-1287, S. 249–276.
Peter Conolly, Hazel Dodge: Die antike Stadt. Könemann,
Köln 1998, ISBN 3-8290-1104-0.
Heinz-Joachim Fischer: Rom. Zweieinhalb Jahrtausende Geschichte, Kunst
und Kultur der Ewigen Stadt. DuMont Buchverlag, Köln 2001,
ISBN
3-7701-5607-2, S. 187–189.
Anton Henze: Kunstführer Rom. Reclam, Stuttgart 1994, ISBN
3-15-010402-5, S. 115–118.
Brigitte Hinzen-Bohlen: Rom. Könemann, Köln 2000,
ISBN 3-8290-3106-8.
Giuseppe Lugli: Das Flavische Amphitheater. Bardi, Roma 1971.
Fik Meijer: Gladiatoren. Das Spiel auf Leben und Tod. Artemis &
Winkler, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7608-2303-3.
Sofia Pescarin: Rom. Antike Bauwerke der Ewigen Stadt. K.
Müller, Köln 2004, ISBN 3-89893-562-0.
Taj Mahal
Dieser Artikel behandelt den Mausoleumsbau Taj Mahal in Indien.
Über den US-amerikanischen Blues-Musiker gleichen Namens siehe
Taj
Mahal (Musiker).
Taj MahalDer Taj Mahal (تاج محل – tāj mahal,
wörtl.:
„Kronen-Palast“; hindi: m., ताजमहल, tājamahala) ist
ein 58
m hohes und 56 m breites Mausoleum, welches in der Nähe Agras
im
indischen Bundesstaat Uttar Pradesh auf einer 100 m x 100 m
großen Marmorplattform errichtet wurde. Des weiteren wurde
vor
ihm ein 18 Hektar großer Garten angelegt, in dessen Zentrum
sich
ein längliches Wasserbecken befindet. Der Großmogul
Shah
Jahan ließ ihn zum Gedenken an seine 1631 verstorbene
Hauptfrau
Mumtaz Mahal (Arjumand Bano Begum) erbauen.
Geschichte
Der Taj Mahal an der Jamuna
Ein Giebel des Mausoleums
Detail der AußenverkleidungDer Bau des Taj Mahal wurde kurz
nach
dem Tod Mumtaz Mahals im Jahr 1631 begonnen und bis 1648 fertiggestellt
[1]. Beteiligt waren über 20.000 Handwerker aus ganz
Süd- und
Zentralasien, die von dem aus Badakhshan abstammenden Perser Abu Fazel
geleitet wurden. Die persische Architektur geht auf ihn
zurück,
die er gekonnt mit der indischen Baukunst harmonisch miteinander
verschmelzen ließ.
Eine weit verbreitete Legende besagt, dass ursprünglich noch
ein
gleiches Bauwerk aus schwarzem Marmor als Mausoleum für Shah
Jahan
selbst auf der anderen Seite des Flusses Yamuna geplant war, das aber
nicht verwirklicht wurde; dazu laufen Ausgrabungen (gut auf
Satellitenbildern zu erkennen). Schah Jahan wurde zuvor von seinem Sohn
Muhammad Aurangzeb Alamgir entmachtet und verbrachte den Rest seines
Lebens als Gefangener. 1666 wurde er neben seiner Gattin beigesetzt.
Sein Grab zerstört dabei die Symmetrie des Gebäudes,
was als
Beleg dafür bewertet werden darf, dass er vorhatte, sich ein
eigenes Grabmal zu errichten, zumal er, um diese Symmetrie zu bewahren,
ein Rasthaus auf der östlichen Seite des Gebäudes
errichten
ließ, das der Moschee auf der westlichen Seite durchaus
ähnlich ist. Des Weiteren befindet sich der Taj Mahal nicht im
Zentrum des angelegten Gartens, wie üblich bei persischen
Grabmälern, sondern am nördlichen Rand, was auch
nahelegt,
dass ein weiteres Grabmal auf dem gegenüberliegenden Ufer
geplant
war, denn die zwei vom Fluss getrennten Gebäude wären
wiederum im Zentrum des nunmehr großen Gartenareals gewesen,
wie
es dem persischen Verständnis vom Himmel als von einem
Charbagh
(Garten geteilt in vier Quadranten, durch die vier
Wasserkänale
von einem zentralen Gebäude, das den Thron Gottes darstellen
soll,
in die vier Richtungen fließen) entspricht. Das Grabmal
Humayuns
z. B. in Delhi bleibt dieser Konzeption treu, in dem das Mausoleum sich
ganz in der Mitte eines Charbaghs befindet.
Der Taj Mahal besteht aus Baumaterialien, die aus ganz Indien und Asien
herangeschafft wurden. Über 1.000 Elefanten wurden zum
Transport
herangezogen. 28 verschiedene Arten von Edelsteinen und Halbedelsteinen
wurden in den Marmor eingefügt.
Die vier um das Hauptgebäude herum angeordneten Minarette sind
leicht geneigt, damit sie im Falle eines Erdbebens vom
Hauptgebäude weg stürzen. Da Mekka von dort aus
gesehen im
Westen liegt, befindet sich in dieser Himmelsrichtung eine Moschee.
Symmetrisch dazu liegt mit gleichem Grundriss im Osten ein
Gästehaus.
Einer weiteren Legende zufolge planten die britischen Kolonialherren
unter dem Gouverneur Lord William Bentinck im 19. Jahrhundert, das
stark vernachlässigte Gebäude stückweise auf
Auktionen
in England zu verkaufen. Es existieren aber auch für diese
Geschichte keine Beweise. Laut dem Bentinck-Biographen John Rosselli
erwuchs diese Erzählung vielmehr daraus, dass durchaus
versucht
wurde, Teile des Roten Forts und andere archäologische Funde
aus
Agra gewinnbringend zu verkaufen.
350-Jahr-Feier
Das Eingangsgebäude zum Areal des Taj Mahal
Blick vom EingangsgebäudeAm 27. September 2004 wurde von der
Regierung des indischen Bundesstaates Uttar Pradesh in einer Feier
offiziell der 350. Jahrestag der Vollendung des Taj Mahal begangen. Ein
halbes Jahr lang wurde in weiteren Veranstaltungen die herausragende
Bedeutung des Bauwerks gewürdigt. Die Feierlichkeiten fanden,
um
das Mausoleum zu schonen, in etwa zwei Kilometer Entfernung davon statt.
Das Datum der Fertigstellung im Jahr 1654 ist umstritten. Die Kritiker
stützen sich dabei auf drei Argumente:
Der damalige Hofchronist Abdul Hamid Lahori vermerkte in einem
Dokument, dass ein halbes Jahr nach dem Tode von Mumtaz Mahal
(gestorben am 17. Juni 1631) mit dem Bau begonnen worden sei und die
Bauzeit zwölf Jahre betragen habe. Demnach müsste das
Mausoleum schon 1644 fertiggestellt worden sein.
Eine Inschrift über dem Haupteingang enthält die
Jahreszahl 1648 als Fertigstellungsangabe.
Aus dem Jahr 1652 existiert ein Brief des Prinzen Aurangzeb, des Sohnes
von Shah Jahan, der besagt, dass der Taj Mahal
reparaturbedürftig
sei.
In den örtlichen Medien gab es Mutmaßungen, dass die
Festivitäten veranstaltet würden, um den Tourismus in
der
Region zu beleben. Demgegenüber betonte der Tourismusminister,
dass die Ursache zwei aufgefundene Bücher seien, die das Datum
enthielten. Welche Bücher dies waren, gab er allerdings nicht
bekannt.
Heutige Bedeutung
Der Taj Mahal wurde 1983 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes
aufgenommen. Heute gilt der Taj Mahal wegen der perfekten Harmonie
seiner Proportionen als eines der schönsten und bedeutendsten
Beispiele des Mogulstils in der islamischen Kunst.
Rabindranath Tagore beschrieb in einem seiner Gedichte den Taj Mahal
als „eine Träne auf der Wange der Zeit“.
Abgesehen von seiner Bedeutung als Touristenattraktion ist der Taj
Mahal auch beliebtes Besuchsziel frischvermählter indischer
Eheleute, da der Besuch die gegenseitige Liebe dauerhaft machen und
bestärken soll.
2007 wurde der Taj Mahal im Rahmen einer Privatinitiative nach Angaben
der Veranstalter von weltweit 70 Millionen Menschen [2] zu einem der
„neuen sieben Weltwunder“ gewählt. Sowohl
die UNESCO
als offizielle Hüterin des Weltkulturerbes als z.B. auch
Ägypten (Antike Weltwunder: Pyramiden von Gizeh) distanzierten
sich von der als „private Kampagne“ ohne
wissenschaftliche
Kriterien bezeichneten Wahl[3].
Sicherheitsmaßnahmen
Wegen eingegangener Bombendrohungen haben die indischen
Behörden
die Sicherheitsvorkehrungen im Jahr 2006 verstärkt. Das
Gelände des Taj Mahal kann nur noch durch Sicherheitsschleusen
betreten werden. Die Mitnahme von Flüssigkeiten, ausgenommen
Trinkwasser, ist Besuchern nicht mehr erlaubt. Das Baudenkmal wird von
Soldaten rund um die Uhr bewacht. In seinem Umkreis wurde ein
Flugverbot erlassen.
Umweltschäden
Das Bauwerk und Teile des Gartens wurden über einige
Jahrzehnte
lang restauriert. Laut einem Bericht der sto/AP vom 16. Mai 2007
verfärbt sich das Taj Mahal durch industrielle
Luftverschmutzung
trotz aller Konservationsbemühungen gelb. Inzwischen
dürfen
sich Autos und Busse nur noch auf zwei Kilometer nähern und
eine
Restaurierung wird erwogen.
Quellen
UNESCO World Heritage Centre: Taj Mahal (engl.), 30. Apr. 2006
↑ THE NEW 7 WONDERS OF THE WORLD: Weltweite Wahl (engl.), 7.
Juli 2007
↑ Bericht in Spiegel Online: Umstrittene Abstimmung, 8. Juli
2007
Literatur
W. E. Begley [Hrsg.]: Taj Mahal. The Illumined Tomb. The Aga Khan
Programm for Islamic Architecture, Harvard University and Massachusetts
Institute of Technology Cambridge, Mass., 1989, ISBN 0-295-96944-X.
http://de.wikipedia.org/wiki/Weltwunder
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