Neuapostolische Kirche
Die Neuapostolische Kirche (NAK) ist eine christliche
Religionsgemeinschaft, die sich Ende des 19. Jahrhunderts aus den
Katholisch-Apostolischen Gemeinden entwickelt hat.
Die offizielle Abkürzung lautet im deutschsprachigen Bereich NAK
(in anderen Sprachen beispielsweise engl. NAC, franz. ENA). Im Internet
hat sich inzwischen das Präfix "nak-" für Bezirks- und
Gemeindeseiten, Gruppen und Organisationen innerhalb der NAK
eingebürgert. Die internationale Kirche wird mit NAKI (= NAK
International) abgekürzt. In Internetforen wird auch häufig
der Ausdruck "Naki" für ein Mitglied der NAK verwendet.
Das Emblem der Neuapostolischen Kirche ist in Weiß auf hellblauem
Grund gehalten: Ein Kreuz schwebt über stilisierten Wellen; am
Horizont geht aus diesen Wellen die Sonne auf. Eine offizielle
Auslegung des Emblems durch die Kirchenleitung findet nicht statt.
Einer älteren Auslegung zufolge handelt es sich um eine
untergehende Sonne, die die Naherwartung der Wiederkunft Christi
symbolisieren soll. Ebenso handelt es sich bei dem älteren Emblem
um vier Wasserlinien, die frei nach einem Bibelzitat für
Apostellehre, Brotbrechen, Gemeinschaft und Gebet stehen sollten, wie
dies in "Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben",
einem vorläufigen Katechismus der NAK nachzulesen ist.
Die Neuapostolische Kirche hat weltweit rund 11 Millionen Mitglieder
(Stand: 31. Dezember 2005) und ist in Deutschland mit rund 375.000
Mitgliedern (Stand: 31. Dezember 2005) die drittstärkste
Einzelkirche und (nach den Orthodoxen Kirchen) die viertstärkste
christliche Konfession.
Die Zahl der Gemeinden wächst aufgrund der engagierten
Missionstätigkeit vor allem in Afrika stetig an, wo die NAK heute
einen Großteil ihrer Mitglieder hat. In Deutschland ist die
Mitgliederzahl rückläufig. Weltweit gibt es mehr als 360
Apostel.
Neben dem deutschsprachigen Raum ist sie besonders stark in
Zentralafrika (speziell Angola, Dem. Rep. Kongo und Sambia),
Nordamerika, Australien sowie in einigen asiatischen Ländern
(hauptsächlich Indien) verbreitet.
In den 1830ern bildeten sich in Westeuropa, vor allem auf der
britischen Insel, Gebetskreise unterschiedlicher Konfessionen, die
für die "Wiedererweckung" der Geistesgaben (Heiliger Geist)
beteten (Erweckungsbewegung). Es kam in einigen dieser Gebetskreise zu
Weissagungen durch Zungenreden, die von der Wiederentstehung des
Apostelamtes berichteten. Daraus gingen unter anderem die
katholisch-apostolischen Gemeinden hervor, in denen zwölf neu
berufene Apostel auf die Wiederkunft Christi vorbereiten sollten. Die
Gemeinschaft geriet 1855 nach dem Tod dreier Apostel in eine Krise, da
man die vakant gewordenen Plätze wegen fehlender biblischer Belege
nicht wieder besetzte. Ein kleiner Teil (besonders die Hamburger
Gemeinde) ging daraufhin eigene Wege und wurde im Folgenden von den
englischen Aposteln ausgeschlossen. Daraus ging 1863 in Hamburg
zunächst die "Allgemeine christliche apostolische Mission" und
später, ab 1878, die "Neuapostolische Gemeinde" hervor (seit 1907
offizielle Bezeichnung, seit 1930 "Neuapostolische Kirche"). Im Verlauf
der weiteren Entwicklung der NAK kam es zu zahlreichen Abspaltungen.
Beispiele sind (in Deutschland) der "Reformiert-Apostolische
Gemeindebund", die "Apostolische Gemeinschaft" und die "Apostolische
Gemeinde des Saarlandes". Auch das Apostelamt Juda, aus dem wiederum
das Apostelamt Jesu Christi hervorging, entstand aus der
Neuapostolischen Kirche.
Die deutsche Kirche (1878-1960)
Die anfänglich tief ökumenische Überzeugung, die in den
katholisch-apostolischen Gemeinden und auch noch von Heinrich Geyer
gepflegt wurde, wich mit den Jahren der starken Abgrenzung
gegenüber den anderen christlichen Konfessionen. Hierfür sind
sicherlich mehrere Gründe verantwortlich: Ausschlaggebend wird
gewesen sein, dass die theologische Bildung der Geistlichen der
Mutterkirche nicht mehr vorhanden war; nur wenige Geistliche hatten
noch in den katholisch-apostolischen Gemeinden Dienst getan. Wesentlich
für das Wachstum der Gemeinschaft wurden die sozial
schwächeren Schichten, aus denen später wichtige
Amtsträger hervorgingen. Auch nationalistische Anklänge
finden sich in dieser Zeit in den Gesangbüchern und theologischen
Schriften. Kennzeichnend ist in diesem Zeitraum die zunehmend
hierarchische Kirchenstruktur. Das charismatische Element der
katholisch-apostolischen Gemeinden, die Weissagungen, wurden seltener
(die letzten mündlichen Berichte darüber fallen in die 1980er
Jahre) und das Prophetenamt verschwand.
Die neue internationale Kirche (1960-heute)
Der Tod des Stammapostels Bischoff löste einen langsamen, aber
stetigen Wandel aus, der z. B. zur Formulierung der
"Eigenverantwortung" durch Stammapostel Hans Urwyler in den achtziger
Jahren führte (jedes Mitglied ist persönlich verantwortlich
für sein Seelenheil), oder zu den wenigen, aber kontinuierlichen
Gesprächskontakten mit Gruppierungen, die sich aufgrund der
"Botschaft" aus der Neuapostolischen Kirche gelöst haben. Auch
eine vorsichtige ökumenische Öffnung der NAK kann man in
diesem Kontext sehen. Insgesamt ist das Spektrum innerhalb der Kirche
besonders in den letzten zehn Jahren breiter geworden, so dass man
heute von einem "konservativen" und einem "progressiven" Flügel
innerhalb der NAK sprechen kann. Strukturell verschieben sich die
Mitgliederzahlen ganz erheblich. Ist die NAK 1960 noch eine
deutsch-europäische Gemeinschaft mit Dependancen in einigen
außereuropäischen Ländern, so finden sich im Jahr 2005
nur noch etwa 5 % der Mitglieder in Europa.
Lehre
Die Neuapostolische Kirche sieht sich als Fortsetzung der
urchristlichen Kirche, ist auf die nahe Wiederkunft Christi und
konsequent eschatologisch ausgerichtet. Ziel der neuapostolischen
Christen ist es, bei der Wiederkunft Christi in die ewige Gemeinschaft
mit Gott geführt zu werden. Das Glaubensbekenntnis ist in zehn
Glaubensartikeln festgeschrieben.
Nach dem Verständnis der Neuapostolischen Kirche ist das
Apostelamt heilsnotwendig. Als Grundlage der Lehre dient die Bibel und
deren Auslegung durch die "heutigen" Apostel.
Die Neuapostolische Kirche kennt drei Sakramente: Heilige Wassertaufe,
Heiliges Abendmahl und Heilige Versiegelung. Taufe und Versiegelung
werden an jedem Mitglied einmal vollzogen und gelten als
heilsnotwendig. Beide Sakramente zusammen bewirken die "Wiedergeburt"
aus Wasser und Geist und vermitteln die "Gotteskindschaft". Durch die
Wassertaufe wird nach neuapostolischem Verständnis "die erste und
grundlegende Gnadenmitteilung an dem Menschen, der an Christus glaubt"
vollzogen (siehe News vom 24. Januar 2006). Sie bewirkt außerdem
die Abwaschung der "Erbsünde". Die Versiegelung (Taufe mit
Heiligem Geist) wird als Übermittlung Heiligen Geistes verstanden
und bewirkt erst die "Gotteskindschaft", d.h. die Mitgliedschaft in der
Kirche.
Das Abendmahl wird in jedem Gottesdienst nach dem gemeinsam
gesprochenen "Unser Vater" (erst ab Pfingsten 2008 in der
Luther-Fassung von 1984) und der "Vergebung der Sünden" gefeiert.
Zum Abendmahl werden ausschließlich Hostien mit drei Weinflecken
verwendet. Ausgesonderte Hostien werden bei Nichtverwendung in
Folgegottesdiensten beliebig neu ausgesondert. Am Abendmahl nehmen auch
Kinder und Säuglinge teil. Die Teilnahme am Abendmahl ist in der
Regel nur Mitgliedern der NAK gestattet, Ausnahmen sind aber
möglich.
Die Vergebung der Sünden Absolution erteilen in der NAK Apostel
und priesterliche Ämter durch die "Freisprache" in jedem
Gottesdienst. Sie hat im Bewusstsein vieler Mitglieder fast einen
eigenen Sakramentscharakter bzw. wird fälschlicherweise für
einen Teil des Sakramentes "Abendmahl" gehalten.
Eine konfessionelle Besonderheit bietet die Lehre vom
Entschlafenenwesen. Dreimal jährlich findet ein "Gottesdienst
für Entschlafene" statt, bei welchem den Seelen verstorbener
Menschen die Sakramente der NAK gespendet werden (stellvertretend an
zwei Amtsträgern durch einen Apostel). Das Abendmahl wird in
gleicher Weise jeden Sonntag in Gottesdiensten, die von Bezirksaposteln
oder vom Stammapostel geleitet werden, verstorbenen "Berechtigten" (die
vor Gott Gnade gefunden haben) gespendet.
Zur Zeit werden etliche Lehraussagen, auch zum Kirchenverständnis,
von innerkirchlichen Gremien (Projektgruppen) überarbeitet und
sollen in einem neu entstehenden Katechismus (frühestens 2008)
veröffentlicht werden.
Die Bibel
Die Bibel ist verbindliche Grundlage der Lehraussagen der NAK. Neben
ihr spielt jedoch das Wort der „heutigen“ neuapostolischen
Apostel eine wesentliche Rolle. Bis 1998 wurde die Lutherbibel von 1912
verwendet, heute gilt die Übersetzung der Lutherbibel von 1984.
Nach einem aktuellen Beschluss (November 2005) sind auch die apokryphen
Bücher fester Bestandteil neuapostolischer Lehre. In Predigten
werden zudem auch manchmal andere Bibelübersetzungen zitiert (Gute
Nachricht, Elberfelder, Albrecht usw.). Auch die Nutzung von
kommentierten Bibeln (z.B. Stuttgarter Erklärungsbibel) wird
für die Predigtvorbereitung inzwischen empfohlen. Verbindlich sind
auf jeden Fall die von der Kirchenleitung zentral heraus gegebenen
„Leitgedanken“.
Innerkirchliche Arbeitsgruppen arbeiten vereinzelt an biblischen Themen
und publizieren die Ergebnisse in der kircheneigenen Zeitschrift
„Unsere Familie“ und auf den Internetseiten der Kirche. Das
Gesamtverständnis des Evangeliums auf Grund der Auslegung der
Bibel wird durch Apostel geprägt und entspricht in etlichen
konfessionsbestimmenden Ansichten nicht den Auslegungen anderer
Kirchen. Zunehmend weitet und vertieft sich die Auffassung biblischer
Inhalte, bezüglich der Authentizität und dem Hintergrund-
bzw. Sprachverständnisses, durch die Verwendung von Quellen der
großen Kirchen, was zu Korrekturen von Lehraussagen führt.
Gottesdienst und Praxis
Neuapostolische Kirche in AugsburgVon den in den Kirchenbüchern
registrierten Mitgliedern besuchen je nach Gemeinde 20 bis 100%
regelmäßig die Gottesdienste, wobei der Kirchenbesuch gerade
in den europäischen Ländern rückläufig ist.
Regelmäßige Gottesdienstbesucher beteiligen sie sich meist
auch rege am Gemeindeleben und zeichnen sich durch ein
ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl aus. Es
existiert eine ausgeprägte Jugend- und Seniorenbetreuung. Zudem
sind oft gepflegtes Auftreten und formelle Kleidung üblich - die
Frage nach der Form "angebrachter" Kleidung ist aber oft
Diskussionsthema und von Gebietskirche zu Gebietskirche unterschiedlich.
Mit der beginnenden Öffnung der Kirche hat sich auch das
kulturelle Leben in der NAK entwickelt. Mittlerweile gibt es neben
traditionellen Kirchenchören, die in einigen Fällen auch
über Konfessionsgrenzen hinaus für ihre Qualität bekannt
sind, progressivere Musikgruppen und Ensembles, die zunehmend auch im
außerkirchlichen Bereich auftreten. Wesentlicher Bestandteil der
Musikliteratur sind dabei Werke, die im 19. Jahrhundert oder
später verfasst wurden.
Teile der neuapostolischen Musikliteratur werden derzeit
überarbeitet und durch Literatur aus anderen christlichen Kreisen
ergänzt. Seit Ostern 2005 ersetzt - zunächst nur im
deutschsprachigen Raum - das neue Gesangbuch das bis dahin verwendete
von 1925. Im Gespräch ist auch die Überarbeitung der für
Deutschland einheitlichen Chormappe; diese soll bis 2008 erfolgen. Bei
der Überarbeitung werden meist Stücke mit weltlichem Ursprung
(z.B. Opernchöre mit "selbstgedichteten" christlichen Texten)
aussortiert, Textänderungen an bisher verwendeter Kirchenmusik
rückgängig gemacht (z.B. "Himmel" statt "Heimat") und eigene
Liedtexte der gültigen Lehre angepasst. Insgesamt ist eine
Hinwendung zu allgemein anerkannter "christlicher Kirchenmusik" zu
beobachten, was innerhalb der Gemeinden und Chöre auch zu Kritik
führt.
Das neuapostolische Glaubensbekenntnis
1. Glaubensartikel: Ich glaube an Gott den Vater, den allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erden.
2. Glaubensartikel: Ich glaube an Jesum Christum, Gottes eingeborenen
Sohn, unseren Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren
von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt,
gestorben, begraben, eingegangen in das Reich der Entschlafenen,
auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur rechten
Hand Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er wiederkommen
wird.
3. Glaubensartikel: Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige
Apostolische Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der
Sünden, Auferstehung der Toten und ein ewiges Leben.
4. Glaubensartikel: Ich glaube, dass der Herr Jesus seine Kirche durch
lebende Apostel regiert bis zu seinem Wiederkommen, dass er seine
Apostel gesandt hat und noch sendet mit dem Auftrag, zu lehren, in
seinem Namen Sünden zu vergeben und mit Wasser und dem Heiligen
Geist zu taufen.
5. Glaubensartikel: Ich glaube, dass sämtliche Ämter in der
Kirche Christi nur von Aposteln erwählt und in ihr Amt eingesetzt
werden und dass aus dem Apostelamt Christi sämtliche Gaben und
Kräfte hervorgehen müssen, auf dass, mit ihnen
ausgerüstet, die Gemeinde ein lesbarer Brief Christi werde.
6. Glaubensartikel: Ich glaube, dass die Heilige Taufe mit Wasser ein
Bestandteil der Wiedergeburt ist und der Täufling dadurch die
Anwartschaft zur Empfangnahme des Heiligen Geistes erlangt. Sie ist
ferner der Bund eines guten Gewissens mit Gott.
7. Glaubensartikel: Ich glaube, dass das Heilige Abendmahl zum
Gedächtnis an das einmal gebrachte, vollgültige Opfer, an das
bittere Leiden und Sterben Christi, vom Herrn selbst eingesetzt ist.
Der würdige Genuss des Heiligen Abendmahls verbürgt uns die
Lebensgemeinschaft mit Christo Jesu, unserem Herrn. Es wird mit
ungesäuertem Brot und Wein gefeiert; beides muss von einem
priesterlichen Amt der Kirche gesegnet und gespendet werden.
8. Glaubensartikel: Ich glaube, dass die mit Wasser Getauften durch
einen Apostel zur Erlangung der Gotteskindschaft den Heiligen Geist
empfangen müssen, wodurch sie als Glieder dem Leibe Christi
eingefügt werden.
9. Glaubensartikel: Ich glaube, dass der Herr Jesus so gewiss
wiederkommen wird, wie er gen Himmel gefahren ist, und die Toten in
Christo sowie die lebenden Brautseelen, die auf sein Kommen hofften und
zubereitet wurden, verwandelt und zu sich nimmt, dass er nach der
Hochzeit im Himmel mit diesen auf die Erde zurückkommt, sein
Friedensreich aufrichtet und sie mit ihm als Könige und Priester
regieren. Nach Abschluss des Friedensreiches wird er das Endgericht
halten, wo alle Seelen, die nicht an der Ersten Auferstehung
teilhatten, ihr Teil empfangen, wie sie gehandelt haben, es sei gut
oder böse.
10. Glaubensartikel: Ich glaube, dass ich der weltlichen Obrigkeit zum
Gehorsam verpflichtet bin, soweit nicht göttliche Gesetze dem
entgegenstehen.
Liturgie
Die Gottesdienste der Neuapostolischen Kirche sind geregelt. Die
Liturgie der Neuapostolischen Kirche entsprach anfänglich (bis
etwa 1885) der der katholisch-apostolischen Gemeinden, die starke
Elemente des Ritus der katholischen und anglikanischen Kirchen enthielt.
Unter dem Einfluss des niederländischen Calvinismus verlagerte
sich der gottesdienstliche Schwerpunkt um 1885 auf den Wortgottesdienst
(hoher Predigtanteil). Vereinzelt finden sich noch Rudimente der
katholisch-apostolischen Tradition in der neuapostolischen Liturgie.
Bis 1998 wurde das Abendmahl nur am Sonntag und kirchlichen Feiertagen
gefeiert, seit 1998 findet auch in den wöchentlichen
Gottesdiensten eine Abendmahlsfeier statt.
Schematischer Ablauf eines neuapostolischen Gottesdienstes:
Vor dem Beginn des Gottesdienstes:
Chorgesang
Orgelmusik
Instrumentalmusik
Organisatorische und/oder terminliche "Bekanntmachungen" durch einen Amtsträger
evtl. Ruhephase zur Sammlung
Gemeindelied (Einzug des/der Apostel und/oder priesterlichen
Amtes/Ämter in das Kirchenschiff, der Dienstleiter nimmt seinen
Platz hinter dem Altar ein)
Gottesdienst
Gebet des Dienstleiters
Verlesen des Bibelwortes für den Gottesdienst
Musikbeitrag (meistens Chorgesang, aber auch Gemeindelied, Solo- oder Instrumentalstück)
Predigt des Dienstleiters
evtl. Musikbeitrag (meist Chorgesang)
Predigten weiterer Amtsträger
Feier des Heilgen Abendmahls
Gemeindegebet Unser Vater
Freisprache (Absolution - Vergebung der Sünden)
Opfergebet
Aussonderung der Hostien (Brot und Wein) und Spendung/Ausgabe der Hostien an die Apostel/priesterlichen Ämter und Diakone
anschließend eventuell
Taufe
Aufnahme
Versiegelung
Konfirmation (Segenshandlung - in der Regel am Palmsonntag)
Spendung des Heiligen Abendmahls an die Gemeinde (währenddessen/danach Gemeindegesang und/oder Chorgesang)
nur bei Gottesdiensten der Apostel, Bezirksapostel und des Stammapostels: Spendung des Abendmahls für die Entschlafenen
anschließend eventuell Segenshandlungen, zum Beispiel:
Trauungen, Hochzeitsjubiläen
Ordinationen oder Ruhesetzung von Amtsträgern usw.
Abschluss:
Dankgebet
Schlusssegen
Musikbeitrag (Gemeindegesang, Chorvortrag etc.)
Das „Dienen“ der Amtsträger am Altar geschieht in
freier Predigt, ohne Manuskript. Zur Vorbereitung auf den Gottesdienst
dienen die von der Kirchenleitung herausgegebenen Leitgedanken, die das
vorzulesende (d.h. von der Kirchenleitung vorgegebene) Textwort (einen
einzelnen Vers oder Teilvers, keine längeren Textabschnitte) aus
der Bibel sowie einige Gedanken dazu enthalten. Die "Leitgedanken"
sollen bis Ende 2007 durch eine „Anleitung für den
Gottesdienst“ ersetzt werden. Die beauftragten Amtsträger
predigen ohne die Anforderung einer besonderen Ausbildung oder
theologische Fortbildung, es soll in direkter Weise der Heilige Geist
durch sie sprechen. Kritikern zufolge führt dies allerdings zu
einer Überforderung der Laienprediger und damit zu einer
klischeebeladenen, floskelhaften Beschwörung der wenigen, immer
gleichen Inhalte. Um dem entgegenzuwirken werden vermehrt kirchliche
Seminare zur Predigtvorbereitung angeboten und Schulungen
durchgeführt. Theologische (Aus-)Bildung ist mittlerweile
offiziell erwünscht..
Organisation
Hierarchie
Kirchenleitung International
An der Spitze der Neuapostolischen Kirche steht seit dem 15. Mai 2005
Stammapostel Dr. Wilhelm Leber. Dessen Vorgänger war Richard Fehr,
der seit 1988 die Kirche in diesem Amt führte. Als Stammapostel
leitet er die Kirche von ihrem Hauptsitz in Zürich aus. Wilhelm
Leber ist Hamburger und der achte Stammapostel seit Gründung der
Kirche. Die Vorrangstellung des Stammapostels wird von der Stellung des
Petrus in der Urkirche abgeleitet.
Bezirksapostel leiten Gebietskirchen
Dem Stammapostels unterstellt sind die Bezirksapostel. Sie leiten die
jeweiligen Gebietskirchen. Ihnen sind "einfache" Apostel zugeordnet.
Gemeinsam mit dem Stammapostel sorgen sie für die weltweite
Einheit der Glaubenslehre und der Seelsorge.
Internationale Apostel-Konferenzen
Der Stammapostel und die Bezirksapostel kommen regelmäßig
zusammen, um Kirchenangelegenheiten von internationaler Bedeutung zu
beraten. Alle drei Jahre findet eine internationale Vollversammlung
sämtlicher Apostel statt.
Aktueller Stamm- und aktuelle Bezirksapostel
Stammapostel:
Wilhelm Leber
Bezirksapostel:
Wilfried Klingler (Deutschland, Niedersachsen-Mitteldeuschland)
Wolfgang Nadolny (Deutschland, Berlin-Brandenburg/Russland)
Hagen Wend (Deutschland, Hessen-Rheinland-Pfalz-Saarland)
Michael Ehrich (Deutschland, Süddeutschland)
Karlheinz Schumacher (Deutschland, Norddeutschland)
Armin Brinkmann (Deutschland, NRW)
Theodoor J. de Bruijn (Niederlande)
Jean-Luc Schneider (Frankreich)
Armin Studer (Schweiz/Österreich)
Charles S. Ndandula (Sambia)
Noel E. Barnes (Cape, Südafrika)
Johann R. Kitching (Südostafrika)
Leslie Latorcai (Kanada)
Richard C. Freund (USA)
Mario Fiore (Argentinien, Uruguay)
Guillermo Vilor (Brasilien)
Andrew H. Andersen (Australien)
Alfons Tansahtikno (Indonesien)
Weitere Amtsträger unterstützen die Apostel
Bei der Erfüllung regionaler Aufgaben helfen den Aposteln
Bischöfe, Bezirksälteste und Bezirksevangelisten. Das Zentrum
des kirchlichen Lebens sind die einzelnen Gemeinden. Mit ihrer Leitung
beauftragen die Apostel Hirten, Evangelisten oder Priester. Diese
Gemeindevorsteher werden von weiteren Priestern sowie Diakonen
unterstützt.
Die Hierarchie umfasst in absteigender Reihenfolge drei Amtsgruppen
Apostel: Stammapostel, Bezirksapostel, Apostel,
Priesterliche Ämter: Bischof, Bezirksältester, Bezirksevangelist, Hirte, (Gemeinde-)Evangelist, Priester,
Diakone: Diakon (früher auch noch Unterdiakon).
Die NAK kennt in der Amtsgruppe der Apostel die Beauftragung
(Tätigkeit ohne Ordination) als "Bezirksapostelhelfer"; bei den
priesterlichen Ämtern die Beauftragung als Vorsteher (Leiter)
einer Gemeinde (regulär werden Hirten / Evangelisten / Priester
beauftragt) bzw. eines Bezirkes (in der Regel Bischöfe /
Bezirksälteste / Bezirksevangelisten). Eine weitere Besonderheit
im Apostolat der NAK stellt der "Stammapostelhelfer" dar: Zur
Unterstützung des amtierenden Stammapostels wird ein Apostel in
diese Funktion ordiniert. Dieses Amt wurde jedoch seit längerer
Zeit nicht mehr besetzt.
Alle Amtsträger sind Männer und Laien; sie arbeiten bis zur
Stufe des Ältesten in der Regel ehrenamtlich. Bischöfe und
Apostel (Apostel, Bezirksapostel und Stammapostel) sind oftmals
Angestellte der Kirche.
Eine Frauenordination ist in der Neuapostolischen Kirche nicht bekannt.
Jedoch nehmen Frauen Lehrtätigkeiten in der Vorsonntagsschule
(Kinder bis 6 Jahren), der Sonntagsschule, im Religions- und
Konfirmandenunterricht sowie (auch leitende) Aufgaben im Musikwesen
wahr.
Jeder Funktionsträger unterliegt in seinem Handeln für die
NAK auch in Details oft noch den Weisungen des höhergeordneten
Amts- bzw. Funktionsträgers. Während über
organisatorische Fragen durchaus auch diskutiert wird, sind Fragen, die
den Glaubensinhalt und die damit verbundenen Glaubenslehren betreffen,
nicht ausdiskutierbar und keine bloße Ansichtssache. In diesen
Punkten existiert eine klare Linie. Verbreitungen anderer oder
verfälschter Lehren von Amtsträgern der Neuapostolischen
Kirche werden nicht toleriert. In einem solchen Fall geht ein
Funktionsträger teilweise seiner Amtsstellung verlustig, für
einen hauptamtlich tätigen Funktionsträger kann dies unter
anderem auch den Verlust der Rentenansprüche zur Folge haben.
Amtsinhaber können sich von ihrem freiwillig übernommenen
Auftrag vorübergehend beurlauben lassen oder ihn niederlegen.
Prominentes Beispiel in jüngerer Vergangenheit war der vormalige
Apostel Gerrit Sepers (NL), der am 1. Dezember 2004 sein Amt
niederlegte. Seine Begründung (gekürzt; voller Wortlaut:
http://www.naktuell.de/1204/1204004.html): "Der Grund meiner
Rückgabe des Apostelamtes ist die exklusive Lehre der
Neuapostolischen Kirche entgegen meiner persönlichen
pluralistischen Vision. Wir können und dürfen unseren Gott,
Jesus Christus und den Heiligen Geist nicht in ihren
Möglichkeiten, Raum, Entfaltung usw. einschränken. Das geht
weit über unsere menschlichen Gedanken hinaus. Das Apostelamt in
der Kirche ist meines Erachtens nicht unbedingt heilsnotwendig, aber
förderlich oder wünschenswert."
Struktur
Der Hauptsitz der NAKI (Neuapostolische Kirche International), als dem
Verbund aller neuapostolischen Apostel, befindet sich in Zürich.
Die Neuapostolische Kirche ist in Gebietskirchen aufgeteilt, die -
rechtlich selbstständig - von Bezirksaposteln geleitet werden. In
der Lehre sind die Bezirksapostel mit dem Stammapostel verbunden.
Mehrere Gebietskirchen können von einem Bezirksapostel geleitet
werden; sie werden dann als "Bezirksapostelbereich" bezeichnet. In
Deutschland gibt es 10 Gebietskirchen in 6 "Bezirksapostelbereichen".
Die Gebietskirche Österreich gehört mit der Gebietskirche
Schweiz zu einem "Bezirksapostelbereich". Rechtlich sind die
Gebietskirchen in Deutschland Körperschaften des öffentlichen
Rechts, in der Schweiz ein Verein.
Die Gebietskirchen sind in rechtlich unselbstständige Bezirke
untergliedert, die ihrerseits in ebenfalls rechtlich
unselbstständige Gemeinden aufgeteilt sind. Die Leitung eines
Bezirkes bzw. einer Gemeinde obliegt einem Bezirks- bzw.
Gemeindevorsteher. Zehn bis dreißig Gemeinden bilden einen
Bezirk. Ein Apostel und ein Bischof betreuen in der Regel drei bis
sechs Bezirke.
Finanzen
Die Neuapostolische Kirche finanziert sich aus Spenden (so genannten
Opfern) der Mitglieder. Die Spenden sind freiwillig und werden anonym
in den Opferkasten (Opferstock) gelegt. Eine Orientierung am biblischen
Zehnten (vgl. 4. Mose 18, 24) wird empfohlen und im Predigtdienst im
Hinblick auf den damit verbundenen Gottessegen häufig
thematisiert. Eine Kirchensteuer wird, obwohl in Deutschland rechtlich
möglich, nicht erhoben. Die internationale Kirche wird durch
Umlagen der Gebietskirchen finanziert, sie organisiert auch die
Unterstützung finanzschwächerer Gebietskirchen durch
finanzstärkere. Die Kirche ist bestrebt, mit einem möglichst
kleinen Verwaltungsapparat auszukommen. Der weitaus größte
Teil der Einnahmen fließt in den Bau und Unterhalt der
Kirchengebäude, kommt also unmittelbar wieder den einzelnen
Gemeinden zugute. Auch für die Missionstätigkeit wird ein
beträchtlicher Teil des Kirchenbudgets aufgewandt. Darüber
hinaus erbringt die Kirche humanitäre Hilfsleistungen und
unterstützt Hilfsaktionen in Katastrophenfällen. Die
Kontrolle der kirchlichen Einnahmen und Ausgaben (rein formelle
Prüfung) nehmen unabhängige Wirtschaftsprüfer vor. Die
Kirche veröffentlicht stark zusammengefasste Übersichten
über Jahresabschluss, ihre Einnahmen und Ausgaben (seit kurzem in
der kircheneigenen Zeitschrift "Unsere Familie"). Weitergehende
Einblicke in ihre finanziellen Angelegenheiten (insbesondere auch in
die Regelungen der Vergütung der Apostel) gibt sie den
Kirchenmitgliedern nicht. Staatliche Zuschüsse werden nicht in
Anspruch genommen. Karitative Hilfsmaßnahmen werden über
Sonderopfer (Dankopfer zum Erntedankfest) und Spenden an das Hilfswerk
der Neuapostolischen Kirchen Deutschlands "NAK-Karitativ"
unterstützt.
Neutralität
Die Neuapostolische Kirche enthält sich politischer
Stellungnahmen. Sie erwartet von ihren Gläubigen, die Gesetze und
staatsbürgerlichen Pflichten ihres Landes zu erfüllen, soweit
göttliche Gesetze dem nicht entgegenstehen. Die Kirche legt Wert
auf offene und vertrauensvolle Beziehungen zu Regierungen,
Behörden und zur Öffentlichkeit. Neuapostolischen Christen
steht es frei, sich im öffentlichen Leben zu betätigen.
Jugend in der Kirche
Bei der Neuapostolischen Kirche gibt es ähnlich der anderen
großen Kirchen Jugendtage. Einmal im Jahr findet in der
jeweiligen Gebietskirche ein Jugendtag statt. Veranstaltungsorte sind
Messehallen oder Stadthallen. Der Ablauf gliedert sich häufig in
zwei Teile. Vormittags findet ein Jugendgottesdienst statt, der vom
Bezirksapostel der Gebietskirche gehalten wird. Im Anschluss gibt es
ein gemeinsames Mittagessen. Nachmittags folgt die so genannte Stunde
der Jugend. Dort werden von Chor und Orchester Lieder vorgetragen und
von Jugendlichen religiöse Themen in Form von Filmen,
Bühnenstücken oder ähnlichem präsentiert. Im Jahr
2009 findet zum ersten Mal ein europäischer Jugendtag in der
Düsseldorfer LTU-Arena statt.
Innerhalb der Bezirke finden verschiedene Jugendaktivitäten statt.
Dazu zählen Jugendgottesdienste, regionale und örtliche
Jugenstunden, Chorstunden, Sportveranstaltungen und Jugendfreizeiten.
Hostienbäckerei
In Bielefeld befindet sich die zentrale Hostienbäckerei. Eine
weiter Hostienbäckerei befindet sich in Kapstadt, diese versorgt
Teile Afrikas mit Hostien.
Karitative Einrichtungen
Der Sitz von NAK-Karitativ, Förderverein für karitative
Projekte der Neuapostolischen Kirchen Deutschlands e. V., befindet sich
in Dortmund. Eine neuapostolische Einrichtung für ältere
Menschen befindet sich in Fröndenberg.
Außerhalb Deutschlands (z. B. in Ländern wie Portugal,
Indien und Südafrika) gibt es zahlreiche weitere kirchliche
Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Waisenhäuser, die
teilweise von NAK-Karitativ betreut, teilweise auch von den
örtlichen Gebietskirchen finanziert werden. Das Hilfswerk "Jugend
hilft Jugend" der NAK Nordrhein-Westfalen betreut Projekte für
benachteiligte Jugendliche im Ausland. So ist in Südafrika vor
kurzem das zweite "Amazing Grace" Kinderheim offiziell eröffnet
worden
Regenbogen-NAK
1999 entstand Regenbogen-NAK, eine private Initiative schwuler und
lesbischer neuapostolischer Gläubiger. Die besonderen
Problemfelder in Gesellschaft und Kirche, von denen homosexuelle
Menschen häufig umgeben sind, sind Hauptthemenfelder.
Außerdem gibt es heute zahlreiche Linklisten, Chaträume,
Internetforen, private Internet-Auftritte und Kleinanzeigenseiten aus
dem Umfeld der Neuapostolischen Kirche oder von Mitgliedern.
Ökumene
Die Neuapostolische Kirche ist weder im Ökumenischen Rat der
Kirchen noch in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK)
vertreten und arbeitet auch nicht in der Evangelischen Allianz mit,
wobei mittlerweile Aufnahmeanträge gestellt wurden oder
Annäherungen bestehen, doch noch keine Akzeptanz für die NAK
vorhanden ist.
Aus Sicht der Neuapostolischen Kirche besteht die Möglichkeit,
dass ein neuapostolischer Christ am Abendmahl einer anderen Konfession
teilnimmt. Die Teilnahme an der Abendmahlsfeier in den Gottesdiensten
der NAK ist für Mitglieder und in die Gemeinde aufgenommen
Gäste vorgesehen. Jedoch wird dies nicht kontrolliert und faktisch
wird niemandem die Teilnahme verwehrt (es gilt die Aussage: "Am Altar
des Herrn werden keine Grenzen gezogen!"). Die neuapostolische Taufe
wird von der katholischen und den evangelischen Kirchen anerkannt, da
sie trinitarisch vollzogen wird; auch die Neuapostolische Kirche
erkennt ihrerseits seit Januar 2006 jede in einer anderen Kirche
trinitarisch vollzogene Wassertaufe als gültiges Sakrament an und
bestätigt diese nicht mehr, wie bisher üblich. Das
neuapostolische Verständnis über die Erlangung der
Gotteskindschaft unterscheidet sich allerdings, wie unter der
Überschrift Lehre dargestellt, von dem Verständnis anderer
Konfessionen und wird von verschiedenen Theologen als Sonderlehre
betrachtet.
Nicht anerkannt werden die Taufen der Mormonen und Zeugen Jehovas, da diese nicht trinitarisch vollzogen werden.
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