Fächer/Fächersprache
Fächer
Ein Fächer ist ein etwa blattförmiger Gegenstand, der durch
Hin- und Herwedeln einen Luftzug verursacht. Der Luftzug kühlt bei
Hitze das Gesicht durch Verdunstungskälte. Während in Europa
Fächer fast ausschließlich von Frauen benutzt wurden und
heute kaum noch verbreitet sind, werden sie in Asien bis heute im
Alltag von beiderlei Geschlechtern verwendet.
Der Fächer war und ist kein reiner Gebrauchsgegenstand: In Europa
war er modisches Accessoire, Statussymbol und Hilfsmittel der
Koketterie. In Japan ist er ein Requisit bei traditionellen
Tänzen, das als Verlängerung des Armes die Ausdruckskraft der
Gestik steigert. Hier wie dort wurde von der Möglichkeit, das
Gesicht dahinter zu verbergen, rege Gebrauch gemacht.
Geschichte
Frühe Darstellungen von Fächern sind aus dem alten
Ägypten bekannt. Dabei handelte es sich allerdings nicht um in der
Hand gehaltene Fächer, sondern um große Wedel, die von
Dienern bewegt wurden, um der Herrschaft Luft zuzufächeln.
In der Hand gehaltene Fächer finden sich in Europa ab dem 16.
Jahrhundert. In Trachtenbüchern und Portraits der Zeit sind
Fächer vor allem für Italien dokumentiert, darunter der
Fahnenfächer (in Form eines starren Fähnchens am Stiel) als
venezianische Sonderform, aber auch Federbüsche und
Faltfächer.
Die Flächigkeit der meisten Fächerarten lud zu dekorativer
Gestaltung ein. Die Stäbe wurden beschnitzt, durchbrochen oder
vergoldet. Die Blätter von Faltfächern wurden kunstvoll
bemalt. Häufige Motive waren altgriechische Legenden, Bibel-,
Schäfer- und Hafenszenen, Chinoiserien und zeitgenössische
Sujets. Vor allem ab dem späten 18. Jahrhundert werden aktuelle
Ereignisse dargestellt, vom 1700. Jahrestag des Ausbruchs des Vesuvs
über den Flug der Montgolfière bis zur Französischen
Revolution.
Hippolyte Bayard: Dame mit Fächer, 1843Bis zum frühen 20.
Jahrhundert war der Fächer ein nahezu unverzichtbares modisches
Accessoire der Dame. Die aufwendige und teure Herstellung machte ihn
zum Statussymbol, die Feinheit und Empfindlichkeit zum Symbol der
Weiblichkeit. Damen ließen sich mit dem Fächer in der Hand
portraitieren und verwendeten ihn auf Gesellschaften, um kokett
dahinter hervorzublinzeln.
Ab Ende des 19. Jahrhunderts dienen aus Holzplättchen gefertigte
Briséfächer auch als Tanzkarten, indem sich die Herren auf
den Blättern des Fächers eintragen, oder als Souvenirs, indem
Freunde sich mit einem Spruch und Autogramm verewigen. Bekannt sind die
Fächer, die Oskar Kokoschka für Alma Mahler-Werfel schuf -
"Liebesbriefe in Bildsprache", wie er sie selbst bezeichnete.
Anfang des 20. Jahrhunderts (in Japan bis heute) wurden Fächer auch als Werbegeschenke verwendet.
Anders als in Asien werden in Europa heute kaum noch Fächer
gefertigt. Die letzten Fächerateliers befinden sich in Paris und
London sowie in Spanien, wo aber hauptsächlich billige
Souvenirfächer und traditionelle sogenannte Flamencofächer
hergestellt werden.
Fächersprache
Im Zusammenhang mit Fächern ist oft von der "Fächersprache"
die Rede. Fächer sollen ab dem 18. Jahrhundert verwendet worden
sein, um bei gesellschaftlichen Zusammenkünften nonverbale
Geheimbotschaften auszutauschen. Regelrechte Wörterbücher
ordnen einer Fächergeste (z.B. "Fächer geschlossen an die
linke Wange gehalten") einer Aussage (z.B. "Ich liebe dich") zu. Es
soll sogar Kurse gegeben haben, in denen die Fächersprache gelehrt
wurde. Wie die Geheimbotschaften geheim bleiben konnten, wenn ihre
Bedeutung allgemein bekannt war (oder andersherum, wie der
Empfänger sie verstehen konnte, wenn die Bedeutung geheim war),
bleibt unerwähnt.
Tatsächlich listet ein Buch von 1757 verschiedene
Gemütsbewegungen auf und nennt die zugehörigen Arten, einen
Fächer zu halten. Dabei geht es aber eigentlich nur um die Deutung
von Körpersprache, die durch den Fächer betont wird, und wie
der Fächer als Requisit der Balz eingesetzt werden kann (z.B. ihn
fallenzulassen, auf dass der Angebalzte ihn aufhebe). Der einzige Beleg
für die direkte Zuordnung von Geste und Aussage ist eine nicht
datierte Veröffentlichung des Fächerherstellers Duvelleroy
(seit 1827). Es ist davon auszugehen, dass die Fächersprache als
Marketing-Instrument dieser Firma erfunden wurde, wahrscheinlich gegen
Ende des 19. Jahrhunderts.
Fächerarten
Fächer werden nach der Form und Technik unterschieden.
Briséfächer
Briséfächer sind die einfachste Art des faltbaren
Fächers: Mehrere Stäbe in Form sehr langer Keile werden
aufeinandergelegt, durch eine Bohrung im unteren Ende wird ein Stift
geführt, der sie zusammenhält, und die oberen Enden werden
durch ein Band zusammengehalten. Dadurch ist es möglich, den
Fächer Platz sparend zusammenzuklappen, wenn er nicht benutzt
wird. Die Stäbe sind aus Holz, Elfenbein, Schildpatt oder Horn.
Briséfächer finden sich vor allem im frühen 18. Jh.,
um 1800-1830 und im heutigen China.
Faltfächer
Die bekannteste und verbreitetste Fächerart ist
gewissermaßen eine Abart des Briséfächers: Wie bei
jenem werden Stäbe durch einen Stift am unteren Ende und ein Band
am oberen zusammengehalten. Nur dass hier das Band so breit ist, dass
es ein Viertel bis zwei Drittel der Stablänge einnimmt,
während die Stäbe dort, wo das Band (das in diesem Fall Blatt
heißt) aufgeklebt ist, nur 4-5 mm breit sind. Teilweise (v.a. im
späten 18. Jh. und bei japanischen Tanzfächern) sind die
Stäbe gar auf ganzer Länge schmal; die notwendige
Flächigkeit entsteht nur durch das Blatt. Das Blatt besteht
meistens aus Papier, bis um 1800 oft aus Schwanenhaut oder Pergament,
ab ca. 1770 auch aus Stoff. Ab Ende des 19. Jh. werden
Fächerblätter auch aus Spitze gefertigt. Es gibt mehrere
Abarten des Faltfächers, darunter:
Cabrioletfächer
Ein Faltfächer, dessen Blatt die Form zweier getrennter Halbkreise hat, bzw. das Blatt ist in der Mitte geteilt.
Zitat aus "The Royal Collection", wo u.a. die Fächer-Sammlung des
Britischen Königshauses ausgestellt und beschrieben ist:
"Cabriolet fans, which are generally of French production, were part of
the fureur described by Walpole. They consist of two (or occasionally
three) concentric fan leaves mounted onto the same sticks. The mount
‘usually consists of Parisian scenes - persons driving in
cabriolets, or promenading’. Most surviving cabriolet fans have
similarly muted (or faded) colours to those here. The Schreiber
collection in the British Museum includes two mounted cabriolet fans
with printed leaves. Such fans are datable to the period c.1755-65. "
bitte schauen Sie in diesen Link:
Teleskopfächer
Eine Abart des Faltfächers, bei der das Blatt an den Stäben
entlang auf- und niedergeschoben werden kann. Wahrscheinlich wurde er
gegen Ende des 18. Jh. erfunden, als die großen, unter dem Rock
getragenen Taschen durch kleinere Handgelenksbeutel ersetzt wurden. Ist
das Blatt ganz nach unten geschoben, ist der Fächer gut halb so
lang wie ein normaler Faltfächer und kann zu mehr als 180°
geöffnet werden. Wird das Blatt ganz nach oben geschoben,
lässt sich der Fächer zu weniger als 180° öffnen,
hat aber die Fläche eines normalen Fächers.
Federfächer
Anstatt eines Papier- oder Lederblattes sind Vogelfedern - meistens vom
Strauß - auf die Stäbe aufgeklebt. Diese Fächerart war
im späten 19. und frühen 20. Jh. üblich, vor allem
für Ballfächer.
Ballonfächer
Ein Faltfächer, dessen Stäbe zur Mitte hin länger
werden, so das Blatt die Form eines Heißluftballons hat. Diese
Form war um 1890-1920 populär.
Radfächer
Das stablose Blatt liegt zwischen zwei deutlich längeren
Deckstäben, die im geschlossenen Zustand das Blatt verbergen und
schützen. Er lässt sich zu 360° so auffächern, dass
die langen Deckstäbe einen Stiel bilden. Solche Fächer werden
heute v.a. in China hergestellt und sind hierzulande als billige
"Handtaschenfächer" erhältlich.
Parasolfächer
Das Fächerblatt lässt sich zu einem vollen Kreis aufklappen
und mittels eines Gelenks, das es mit einem Stab verbindet, kippen.
Daher kann ein Parasolfächer wie ein Radfächer oder wie ein
Mini-Sonnenschirm benutzt werden.
Literatur
Louis A. de Caraccioli: Des differentes manières de se servir de
l'eventail. In: Ders.: Le Livre de quatre couleurs. Duchesne, Paris
1757.
Madeleine Delpierre (Hrsg.): L'eventail. Miroir de Belle Epoque. Palais Galiera, PAris 1985, ISBN 2-901424-07-4
Elisabeth Heller-Winter (Hrsg.): Fächer. Kunst und Mode aus
fünf Jahrhunderten. Hirmer, München 1987, ISBN 3-7774-4490-1.
Susan Mayor: Fächer. Müller, Erlangen 1995, ISBN 3-86070-434-6.
Annegret Nippa: Uchiwa und Ogi. Mode und Sitten im japanischen
Fächer. Staatliches Museum für Völkerkunde, Dresden
2000.
DEN FÄCHER:
in der rechten Hand vor dem Gesicht halten folge mir
in der linken Hand vor dem Gesicht halten ich suche Bekanntschaft
an das linke Ohr halten
ich möchte, dass du
mich in Ruhe lässt
über die Stirn gleiten lassen du hast dich verändert
mit der linken Hand flattern lassen wir werden beobachtet
in der rechten Hand tragen du bist verwegen
durch die Hand ziehen
ich hasse dich
mit der rechten Hand flattern lassen ich liebe einen anderen
über die Wange gleiten lassen ich liebe dich
geschlossen präsentiert liebst du mich?
über die Augen gleiten lassen verzeih mir bitte
am äußeren Rand mit dem Finger berühren ich möchte mit dir sprechen
auf der rechten Wange ruhen lassen ja
auf der linken Wange ruhen lassen nein
öffnen und schließen
du bist grausam
hängen lassen
wir bleiben Freunde
langsam fächeln
ich bin verheiratet
schnell fächeln
ich bin verlobt
auf die Lippen legen küss mich
weit öffnen
warte auf mich
offen in der linken Hand halten komm und unterhalte dich mit mir
hinter den Kopf halten
vergiss mich nicht
mit kleinem abgespreiztem Finger halten auf Wiedersehen
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