Handzeichen und Gestiken
Heute möchte ich über Handzeichen berichten, da es
manchen nicht bewusst ist, wie schnell wir jemanden aus einer
anderen Kultur verletzten können und das noch ganz
unbewusst…
Also passt gut auf wo und wem ihr die Finger zeigt …
Zeigefinger alleine
Zeigefinger zeigt auf die eigene Brust: Ich
Zeigefinger zeigt auf den Gegenüber oder eine andere Person: Du, bzw. er/sie
Zeigefinger zeigt auf einen Gegenstand: Gestik, um die Aufmerksamkeit des Gegenübers/der Zuhörer auf diesen zu lenken
Zeigefinger zeigt in eine beliebige Richtung: Gestik, um diese Richtung anzuzeigen
Ausgestreckter Zeigefinger nach oben: Aufgemerkt! Drohung (Erhobener oder moralischer Zeigefinger)
Nach oben ausgestreckter Zeigefinger pendelt nach links und rechts: Nein (Dudu-Finger)
Nach vorne ausgestreckter Zeigefinger pendelt nach oben und unten: Belehrung oder Drohung, Das machst du nicht noch mal!
Zeigefinger beschreibt einen Kreis an der Kopfseite: Du bist verrückt
Zeigefinger tippt an die Schläfe oder Stirn: Du bist verrückt! (den Vogel zeigen)
Zeigefinger tippt flach an die Schläfe: Denk mal nach! (Köpfchen muss man haben)
Der Zeigefinger wird aus einer (zu einer anderen Person gerichteten)
Faust heraus gestreckt, und wieder zum eigenen Körper hin
gekrümmt, wieder ausgestreckt, usw.: Komm her!
Ausgestreckter Zeigefinger wird nach oben zeigend auf die geschlossenen Lippen gelegt: Schweig! (pst!)
Zeigefinger wird an den Nasenflügel gelegt: Ich überlege
Zeigefinger tippt an den Nasenflügel: Geheimes Zeichen (gerne in Hollywoodfilmen genutzt)
Zeigefinger tippt auf eine Unterlage (Tisch): Ich bestehe darauf! (jetzt und hier)
Nach oben gestreckter Arm (und Zeigefinger): Ich melde mich, Ich habe eine Idee
Ein in die Wange gedrehter Zeigefinger hat je nach Kulturkreis unterschiedliche Bedeutungen:
Italien: Gut!
Spanien: ein Verweis auf Homosexualität
Der sehende Finger des Chirurgen.
Mit bevorzugt dem -gummibehandschuhten- Zeigefinger ertastete der
Operateur Organoberflächen, Gewebsbeschaffenheit,
Veränderungen und Begrenzungen krankhafter Prozesse (= haptische
Nosognosie, in der Hirnrinde als taktile Reizdeutung
repräsentiert), was ihm ermöglichte, seine Entscheidungen bei
einer Operation zu fällen, ob der Eingriff durchführbar ist
und in wieweit.
In Verbindung mit langer Erfahrung ein unschätzbar wichtiges
und sicheres Instrument. Mit Einführung der minimalinvasiven
reinen Instrumentenchirurgie ein untergegangenes Medium.
Ein wichtiges Sinnesorgan ist gewissermaßen erblindet.
Zeigefinger mit anderen Fingern
Faust, die oberen Glieder von Daumen und Zeigefinger reiben aneinander: Zeichen für Geld
Zeigefinger und Mittelfinger werden in gestrecktem Zustand gegeneinander geschlagen: Symbol für eine Schere (schnipp schnapp)
Zu einem V nach oben ausgestreckte und auseinander gespreizte Zeige- und Mittelfinger:
Deutschland: Victory-Zeichen (Sieg);
Australien: mit dem Handrücken zum Gegenüber: Verzieh Dich!
Mit Daumen und Zeigefinger einen Ring bilden:
Deutschland: perfekt!;
Frankreich: Null oder wertlos;
USA: Arschloch;
Südosteuropa: weibliches Genital, in Verbindung mit einer Auf-und Abbewegung: obszöne Geste;
Japan: Geld, oder man bettelt mit dieser Geste.
Im Tauchsport: Okay/Gut/Alles in Ordnung!
Zeigefinger gestreckt, Daumen gestreckt jedoch am ersten Gelenk eingeknickt: Pistole (Kinderspiel) (Peng Peng)
Über die Fingerkuppe der Pistole pusten: Dem hab ich es gegeben!
Mit dem Zeigefinger und Mittelfinger von unten an die Nase stoßen:
Frankreich: Das mache ich mit links (mit den Fingern in der Nase)
In vielen Kulturkreisen (z. B. den USA) wird der nach oben
ausgestreckte Zeigefinger dazu verwendet, die Zahl Eins darzustellen
(z. B. bei einer Bestellung).
Im deutschen Kulturkreis wird dagegen für diese Aufgabe meistens der Daumen verwendet.
Symbolik des Zeigens
Ein Verweis mit der flachen Hand statt eines direkten Draufdeutens mit
dem Zeigefinger (Befehlston) auf einen Gegenstand oder eine Person gilt
als höflicher.
Der ausgestreckte Zeigefinger gilt seit der Antike als Geste der Kraftübertragung.
Der Zeiger überträgt dabei seine Kraft auf den Gezeigten.
Das heutige Tabu, nicht mit Fingern auf Andere zu zeigen, hat seinen Ursprung in dieser Symbolik.
Die Menschen hatten Angst, dass die Kraft des Zeigers auf den
Gezeigten übergeht, der Zeiger also seine Kraft verliert.
Als besonders gefährlich galt es, auf Kranke oder
Leidtragende zu zeigen, da man annahm, dass diese Geste das Leid des
Gezeigten anzieht.
Kleinen Kindern wurde versucht, diese Gebärde
abzugewöhnen, indem man ihnen sagte, sie erstächen damit
einen Engel.
Kunst
Ein berühmtes Beispiel für das gleichzeitige Zeigen und Übertragen von Kraft ist in dem Deckenfresko
"Die Erschaffung Adams" von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle dargestellt.
Gott streckt seinen Zeigefinger aus und erschafft Adam.
Im Fresko selbst wird der Augenblick nach der Berührung
gezeigt, Adam lässt bereits seinen eigenen Zeigefinger sinken. Ein
neueres Beispiel ist in einer Szene des Films E.T. zu sehen .
Johannes der Täufer wird auf christlichen Bildwerken meist mit dem deutenden Zeigefinger dargestellt (Isenheimer Altar).
Die Funktion des Täufers und seines Fingers ist die, Weiser
(von weisen) zu sein auf den Größeren, der kommt.
Ein nach oben gerichteter Zeigefinger gilt als typisch für die Malweise von Leonardo da Vinci
(Beispiele: Johannes der Täufer , Das Letzte Abendmahl]).
Im Fresko Die Schule von Athen verkörpert der italienische
Maler Raffael den Philosophen Platon durch Leonardo da Vinci mit nach
oben gerichtetem Zeigefinger.
Die Erschaffung Adams, Detail, Michelangelo
Isenheimer Altar, Detail: Hl. Johannes der Täufer
Johannes der Täufer, Leonardo da Vinci
Die Schule von Athen, Detail, Raffael
http://de.wikipedia.org/wiki/Zeigefinger
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